Gesundheit

Gesundheitskarte kränkelt noch  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 2. 07, jdb – Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in Deutschland verzögert sich immer weiter. Zu weit gehen derzeit die Interessen von Ärzteverbänden, Krankenkassen und Politikern auseinander. Diese und andere Probleme zeigte der 17. SmartCard-Workshop des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt auf.

Betroffen sind rund 80 Mio. Patienten, 2000 Krankenhäuser, 160 000 Arztpraxen und 21 000 Apotheken: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und die dazugehörige Telematikinfrastruktur sind das weltweit größte IT-Projekt im Gesundheitswesen. Schneller, effektiver und billiger soll die Gesundheitsversorgung hierzulande werden. Doch die Einführung der eGK verzögert sich immer weiter. Auf dem 17. SmartCard-Workshop des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt zeigten Experten die Probleme auf.

„Die Abläufe zwischen den Beteiligten sind stark verkrustet“, stellt Sicherheitsexpertin Claudia Eckart fest. Zu weit gehen nach Beobachtung der SIT-Leiterin die Interessen von Ärzteverbänden, Krankenkassen und Politikern auseinander. Doch nicht nur Abstimmungsprobleme machen die eigentlich für dieses Jahr geplante Einführung der eGK so zäh. Auch die Technik scheint längst nicht ausgefeilt. Die offenen Fragen reichen von der Ausstellung von so genannten eRezepten über die Hardwareausstattung in den Praxen bis hin zum Umgang mit der geplanten elektronischen Patientenakte.

Die Karte soll verpflichtend administrative Daten – Geburtsdatum, Krankenkasse, Adresse – enthalten und elektronisch ausgestellte Rezepte speichern. Freiwillig hingegen sind Angaben zur Notfallversorgung und zu eingenommenen Medikamenten, die auf einem via PIN zugänglichen Teil der Karte abgelegt werden können. Weitere vertrauliche Angaben – Arztbriefe oder Patientenakten – finden auf der Karte keinen Platz mehr und werden über gesicherte Internetleitungen auf einem zentralen Datenserver gespeichert.

Gegenstück zur eGK ist der so genannte Heilberufsausweis (HNA), ein elektronischer Arztausweis, über den Ärzte oder Apotheker in Verbindung mit der Gesundheitskarte Zugriff auf vertrauliche Daten haben. Die Patienten sollen selbst entscheiden, was gespeichert wird. Ihre Krankengeschichte können sie bei Bedarf in eKiosken, Automaten, die in Praxen und Apotheken aufgestellt werden sollen, nachlesen.

Offen ist hier nach Einschätzung des Darmstädter SmartCard-Experten Bruno Struif vor allem die Handhabung der Patientenakten, deren Ausgestaltung derzeit nur „in Umrissen“ erkennbar sei. „Die informationelle Basis scheint völlig unzureichend“, sagt Struif.

Technisch sei nicht völlig auszuschließen, dass Informationen von der eAkte an Dritte gelangen. Andererseits fehle ein „Subjekt-Element“ in den Datenstrukturen, das heißt, die in der Akte abgelegten Informationen müssten zunächst dechiffriert werden, was für einen Nicht-Mediziner kaum zu leisten sei. „Dies erschwert die Wahrnehmung der Patientenrechte zum Beispiel an einem eKiosk in hohem Maße“, findet der diesjährige SmartCard-Preisträger.

Auch die Ärzte müssen sich auf einen gewaltigen Technikschub einstellen – vor allem bei der Hardware. Die 1993 eingeführten KBV-Terminals sind nach Aussage von Jürgen Atrott von der TÜV Informationstechnik GmbH für die eGK ungeeignet und selbst neuere Entwicklungen wie das Multifunktionale Karten-Terminal (MKT) mit seinen Fortschreibungen MKT+ und MKT++ reichen entweder nur noch bis zur zweiten Testphase mit 10 000 Testpersonen oder können allenfalls nur noch in kleinen Praxen eingesetzt werden. Die Zukunft gehört laut Atrott so genannten eHealth-Terminals mit der Spezifikation Secure Interoperable Chip Card Terminal (SICCT). Nur das eHealth-Terminal sei kompatibel für Prozessor- und Speicherkarten sowie RFID-Chips, erfülle die notwendigen Sicherheitsstandards und biete optionale Vorrichtungen für Komfortsignaturen.

Eine Milliarde Verordnungen stellen Deutschlands Mediziner nach Angaben von Wolfgang Killmann von T-Systems jährlich aus. Jede einzelne müsste mit einer elektronischen Signatur versehen werden, für die jeweils eine Authentifizierung über PIN notwendig wäre – nach Meinung des Fachmanns ein unpraktikables System. Ziel sei es, dass jeder Arzt unabhängig vom Behandlungsraum agieren kann. In diesem Fall würde der HBA in einem gesicherten Chipkartenterminal platziert und hätte eine gesicherte LAN-Verbindung zum Konnektor, der wiederum den Kartenbesitzer authentisiert. Auf dieser Grundlage hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Konzepte für Stapel- und Komfortsignaturen entwickelt.

Die Stapelsignatur würde dem Arzt ermöglichen, sich für eine bestimmte Anzahl von Rezepten zu authentifizieren und auf Vorrat zu unterschreiben, ein Ansatz, der nach Killmanns Einschätzung zwar „relativ schnell und einfach“ umgesetzt werden kann, aber nach der Komfortsignatur nur die zweitbeste Lösung darstellt. Denn nur die mittels eines Tokens für einen langen Zeitraum und für eine unbestimmte Zahl an Rezepten authentifizierte Komfortsignatur verschafft den Medizinern nach Meinung der Experten Bewegungsfreiheit und den nötigen Nutzungskomfort. Die Spezifikationen stehen jedoch noch aus: „Es wird weitere konkrete Entwicklungsarbeit erfordern“, glaubt Killmann, „um praktikable bestätigungsfähige Lösungen zu erhalten.“ JUTTA WITTE

Patienten können selbst entscheiden, was gespeichert wird und was nicht auf die Karte soll

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

Merck-Firmenlogo
Merck Ingenieur als Experte Anlagensicherheit / Prozess-Sicherheit (m/w/d) Darmstadt
DÖRKENGroup-Firmenlogo
DÖRKENGroup Sicherheitsingenieur (m/w/d) Herdecke
AVM Computersysteme Vertriebs GmbH-Firmenlogo
AVM Computersysteme Vertriebs GmbH Entwicklungsingenieur (w/m/d) für Produktionstestsysteme Berlin
Aviatics Cost & Safety Management GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Aviatics Cost & Safety Management GmbH & Co. KG Fachkraft für Arbeitssicherheit / Health- & Safety Manager (m/w/d) Düsseldorf
Kendrion Kuhnke Automotive GmbH-Firmenlogo
Kendrion Kuhnke Automotive GmbH Functional Safety Manager (m/w/d) Malente
Bayerisches Nationalmuseum-Firmenlogo
Bayerisches Nationalmuseum Leitung (m/w/d) Technisches Gebäudemanagement und Sicherheit München
FICHTNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FICHTNER GmbH & Co. KG Bauüberwacher Kabel 380 kV (m/w/d) Einbeck
Sika Deutschland GmbH-Firmenlogo
Sika Deutschland GmbH Sicherheitsingenieur (m/w/d) Stuttgart
Hochschule Furtwangen-Firmenlogo
Hochschule Furtwangen Professur (W 2) für Securitytechnik Furtwangen

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssicher…