Gesundheit

Gesundheit als Wettbewerbsvorteil

Ein altes Thema erlebt eine Renaissance. Unternehmen, wie VW, SAP oder IBM, haben das Gesundheitsmanagement entdeckt. Eine Studie belegt, dass so Kosten gespart werden und Mitarbeiter fit bleiben.

Die Mitarbeiter der Chohung Bank in Seoul haben Angst. Ihre Sorge um den Arbeitsplatz ist so groß, dass sie sich vor kurzem sogar unters Messer begaben. Gemeinschaftlich ließen sie sich die Köpfe kahl rasieren, weil sie fürchteten, dass ihre Protestplakate wieder nur übersehen werden. Mitarbeiter mit Glatzen kann man nicht übersehen, dachten sie. Auch nicht Manager und Aktionäre, die Stellenstreichungen als das erste Kapitel einer erfolgreichen Management-Story ansehen.
Die Angst geht nicht nur in südkoreanischen Banken um, sondern auch in vielen deutschen Betrieben. Die Folgen füllen täglich neu veröffentlichte Statistiken, an die wir uns längst gewöhnt haben. Etwa die über den Krankenstand in deutschen Firmen von durchschnittlich 5 %. Von jährlichen Kosten, die dadurch auf über 44 Mrd. € geschätzt werden. Von Führungskräften, die zwar fast alle über Stresssymptome klagen, aber ebenso häufig teure Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge im eigenen Betrieb lieber einsparen (siehe Kasten).
„Die meisten verbinden mit dem Thema Gesundheit im Unternehmen immer noch Arbeitsschutz und Warnschilder zur Helmpflicht“, sagt Thomas Theuringer, beim Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Essen zuständig für das Europäische Informationszentrum. Dieses will in europäischen Unternehmen die Botschaft verbreiten: Betrieblicher Gesundheitsschutz lohnt sich! Hintergrund ist die Lissaboner Erklärung der EU, bis 2010 zur wettbewerbsfähigsten Wirtschaftszone der Welt zu werden. Wettbewerbsfähig heißt auch: gesund. Doch in Betrieben, die momentan mit Liquiditätsengpässen und Auftragsflaute kämpfen, will sich dieser Aha-Effekt partout nicht einstellen. „Viele reden zwar momentan von der Notwendigkeit verlängerter Lebensarbeitszeiten, doch die Realität sieht ganz anders aus“, so Theuringer, „denn immer mehr Arbeitnehmer scheiden krankheitsbedingt schon vor dem jetzigen Rentenalter aus.“
Deshalb haben es sich verschiedene Initiativen auf ihre Fahnen geschrieben, Unternehmen nicht zu einem Gesundheitsmanagement per Gesetzgeber zu verpflichten, sondern sie für dieses Thema neugierig zu machen. Zu ihnen zählt das Netzwerk „Unternehmen für Gesundheit“. Seit dem Start im Jahr 2000 sind dort inzwischen 26 Firmen eingebunden, die sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch in Sachen Gesundheitsmanagement treffen. „Obwohl dort auch Konkurrenten an einem Tisch sitzen, wird offen über die internen Projekte berichtet, wie sich etwa der Krankenstand senken lässt“, berichtet Alfons Schröer, der das Netzwerk organisiert. Die Nachfrage der Betriebe, dort mitmachen zu dürfen, steigt stark an, doch die Mitglieder beraten über jeden Neuzugang, der eigens einen Check-up über sich ergehen lassen muss, ob er es in Sachen Gesundheitsschutz auch ernst meint.
Zu den Teilnehmern zählen neben DaimlerChrysler, VW oder SAP auch IBM Deutschland. Für die dortigen umfangreichen „Well-being-Programme“ ist Ludwig Bieser zuständig. 25 Jahre macht er das jetzt und er ist stolz auf die überall spürbaren Erfolge im Unternehmen: „Als ich hier anfing, hat noch unsere gesamte damalige Geschäftsführung gequalmt, heute ist das undenkbar.“ Für ihn ein Beispiel von vielen, wie umfassend das Thema „gesundes Betriebsklima“ ist. Während Managementautor Reinhard Sprenger gern das Bild vom Manager benutzt, der den Duschknopf betätigt und eine neue Maßnahme überall im Unternehmen herunterregnen lässt, ohne sich jedoch selbst darunter stellen zu wollen, macht Ludwig Bieser Ernst: „Wir begnügen uns hier nicht mit einem Handbuch, das dann niemand liest, sondern kämpfen um Veränderungen bei jedem Einzelnen.“ Anti-Stressprogramme, Bewegungsgruppen, Raucher-Entwöhnungskurse, das sind Angebote, für die in allen Medien im Unternehmen kräftig geworben wird.
Andere Initiativen, wie die der B.A.D. GmbH Bonn, versuchen, den sportlichen Ehrgeiz der Betriebe zu wecken: Dort vergibt man regelmäßig den „Unternehmens-Kultur-Preis“. Der geht an Firmen, denen das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter besonders am Herzen liegt. So beeindruckte der jüngste Preisträger Otto Versand Hamburg die Jury mit seinem Maßnahmen-Mix aus Prävention, Rehabilitation und Ergonomieberatung bis hin zu umfangreichen Sportprogrammen und Ernährungsberatung.
Auch bei der IBM gehen die Ziele soweit, den gesamten Lebensstil des Einzelnen positiv zu beeinflussen. Dafür erhalten die Mitarbeiter regelmäßig Coaching-Unterstützung, auf Wunsch auch elektronisch über selbstentwickelte „eHealth-tools“, „damit den Verbesserungsansätzen aus den bei uns Deutschen so beliebten Check-up-Untersuchungen auch Taten folgen“, so Ludwig Bieser. Die Frage ist nur: Ist der Nutzen des Investments in eine gesündere Belegschaft auch kontrollierbar? Hier können Experten oft nur den Konjunktiv bemühen. Das klingt dann so: Würde DaimlerChrysler seinen Krankenstand nur um einen Prozentpunkt senken, ergäbe sich ein Einsparvolumen von 100 Mio. € pro Jahr. Thomas Theuringer sagt dazu: „Gesundheitsförderung ist kein karitatives Zuschussgeschäft, sondern strategischer Wettbewerbsvorteil etwa beim Kampf um neue Mitarbeiter oder Kunden.“
ANDREAS LEIMBACH
www.netzwerk-unternehmen-fuer-gesundheit.de

Stress
Gesundheit nicht so wichtig
Noch immer ist die Zurückhaltung deutscher Unternehmen beim Thema Gesundheitsmanagement groß. Nur 117 von 728 befragten Unternehmen konnten zu diesem Thema konkrete interne Projekten vorweisen, so eine aktuelle Studie der Bonner Marktforscher Europressedienst. Dabei gilt vor allem Stress als tickende Zeitbombe im Betrieb: So geben bereits 85 % der deutschen Führungskräfte nach einer neuen Studie der „Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen“ an, unter Stresssymptomen zu leiden. A.L.

 

  • Andreas Leimbach

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