Gesundheit

Gesund alt werden ist besonders lukrativ

Die ungewöhnliche Synthese soll das Gesundheitssystem langfristig aus der Krise führen.

Geplant war ein besonders erholsamer Urlaub in den Bergen. Doch Peters konnte nur wenige Tage voll genießen. Plötzlich plagten ihn starke Magen- und Herzbeschwerden. Zum Glück ist Peters seit seinem ersten Herzinfarkt vor fünf Jahren Mitglied eines medizinischen Notfallsystems. Seitdem trägt er Sensoren auf der Brust und einen Sender mit eingebautem Positionsanzeiger am Handgelenk. Nun schlug das System beim Hausarzt und bei der nächstgelegenen Notfallzentrale Alarm – sofort wurde eine Ambulanz losgeschickt. Peters selbst schaltete seinen Erste-Hilfe-Walkman ein, der ihn mit ruhiger Stimme anwies, wie er sich zu verhalten hat. Als er in der Klinik eintraf, lag bereits seine elektronische Gesundheits-Akte bereit. Kein Herzinfarkt, entwarnte bald der Arzt, nur eine Gastroenteritis. Peters bekam Medikamente und einen Diätplan seine „Health-Homepage“ wurde aktualisiert. Minutiös hielt sich Peters an die Therapie, begleitet von seinem Hausarzt, mit dem er regelmäßig E-Kontakt hielt.
So ungefähr sieht die Zukunft aus, an der Mary Jo Deering, Direktorin „Health Communication and Telehealth“ im US-Gesundheitsministerium, arbeitet. Damit liegt sie voll im Trend. Beim internationalen Kongress Medicine meets Millennium – von Juli bis Ende August – in Hannover waren E-Health, Telemedizin, Gesundheitsförderung und „empowered health-consumer“ als Begriffe des Wörterbuchs der „New public Health“allgegenwärtig.
Das Powerbündnis zwischen elektronisch hochgerüsteter Medizin und eigenverantwortlicher Vorsorge soll Gesundheit für alle bringen und gleichzeitig das Gesundheitssystem selbst therapieren. 25 % bis 30 % der heutigen Gesundheitskosten in Deutschland ließen sich durch konsequente Prävention langfristig sparen. Dieses Sparpotential berechnete Friedrich Wilhelm Schwartz, Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vorsitzender des Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Doch um dieses Ziel zu erreichen, müssten erst einige Mythen sterben. Zum Beispiel, dass Alter schon per se teuer ist. „Niemand muss mit 60 umgebracht werden“, frotzelt Derek Yach von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gesund alt zu werden ist die lukrativste Lebensweise überhaupt, behauptet auch Schwartz. „Ein alter Körper verträgt teure medizinische Eingriffe nicht mehr.“ Je jünger Patienten sterben, desto stärker belasten sie in ihren drei letzten Lebensjahren das medizinische System. Allein nüchternes Kalkül verlangt deshalb mehr Gesundheitsförderung. Eine komplexe gesellschaftliche Aufgabe, deren Lösung sich lohnen würde: Hohe Lebenserwartung und allgemeiner Wohlstand sind schließlich Geschwister.
Die Voraussetzungen für ein erquickliches Alter werden bereits in der Jugend gelegt und durch soziale Chancengleichheit zementiert. Ein starkes soziales Gefälle innerhalb der Gesellschaft senkt die durchschnittliche Lebenserwartung erheblich, erinnerte in Hannover Ilona Kickbusch, Professorin an der Yale University und frühere Direktorin der Division of Health Promo-tion, Education and Communication der WHO. Heute kämpfe beispielsweise England noch immer gegen die Folgen der Ära Thatcher. An sozialen Brennpunkten wie in den Armenvierteln Liverpools wird nun versucht, durch gezielte Projekte die Lethargie negativ fixierter Mütter aufzubrechen und sie für Gesundheitsprogramme zu gewinnen. Die Spuren sozialer Verwerfungen sind auch in Deutschland noch erkennbar: Mecklenburg-Vorpommern bietet die niedrigste, Baden-Württemberg hingegen die höchste Lebenserwartung.
Das Internet als Informationsträger par excellence könnte zum Schrittmacher einer sozial gerechten Gesundheitsrevolution avancieren. In den USA ruft bereits ein Drittel der Bevölkerung Gesundheitsinformationen aus dem Netz ab. Auch hierzulande mehren sich die einschlägigen E-Infos. Rund 600 000 deutschsprachige Web-Seiten zum Thema Gesundheit existieren bereits. Ganz vorne mischen die gesetzlichen Krankenkassen mit, noch vor den privaten Versicherungen. Eine von der Medizinischen Hochschule Hannover durchgeführte Bestandsaufnahme zeigt allerdings, dass deren Qualität erheblich schwankt.
Der gravierendste Mangel liegt im Jonglieren mit vielen Unbekannten: „Während zwischen Wissenschaftlern klare Regeln der Sprache, der faktischen Richtigkeit und deren Überprüfung herrschen, gilt dies für Laien nicht – hier ist “alles erlaubt““, bedauert Schwartz. In den USA überschwemmen derzeit bis zu 2 Mio. medizinorientierter Angebote mit teilweise zweifelhaftem Charakter das Netz. Viele propagieren schlicht Hokuspokus, andere vermengen Werbung mit Information. Die Seite „quackwatch“ warnt vor schwarzen Schafen.
Alles Randprobleme für US-Gesundheits-Stylisten. Jocelyne Picot, Direktorin der Infotelmed Communications in Verdun, Kanada, verkündete in Hannover, dass es billiger wäre, jeden Patienten mit einem PC auszurüsten, als im konventionellen Stil weiter zu wursteln. Tatsächlich bietet Kanada mit riesigen Distanzen, geringer Bevölkerungsdichte und guten Kommunikationsstrategien optimale Bedingungen für die von Picot propagierte „Telehealth“. Entsprechend weit entwickelt sind die kanadischen Internet-Angebote. 1992 richteten 800 Apotheken zusammen mit Ärzten das „Pharmanet“ ein, das über Verschreibungen von Medikamenten, Reaktionen und Unverträglichkeiten informiert. Denn mittlerweile wissen Ärzte, dass die meisten Medikamente bei mehr als der Hälfte aller Patienten anders als erwartet wirken.
Individualisierung gilt denn auch als eine der wichtigsten Trumpfkarten der E-Health-Avantgarde. Mit ihrer Homepage „Healthfinder“ will das US-Gesundheitsministerium individuelle Gesundheitsprogramme gezielt abrufbar machen – Datenschutz inklusive. Damit soll auch überwunden werden, was Jay H. Sanders von der US Global Telemedicine Group in McLean „medizinischen Leerlauf“ nennt: Acht von zehn Patienten, die heute zum Arzt gehen, könnten sich bei besserer Information den Weg sparen. Und 60 % derjenigen, die einen großen Bogen um jede Praxis schlagen, obwohl sie ärztliche Hilfe dringend nötig hätten, würden diese dann von einem Profi bekommen.
Sollte die IT-gestützte Prävention eines Tages durch persönliche Genkarte und biotechnologische Optimierung komplettiert werden, könnten Menschen dann vielleicht nur noch in einem Funkloch sterben. Der frühe Tod bliebe das Los der auf keiner Notfallkarte aufgeführten und mit keiner Basis-Station verbundenen Menschen. Zum Beispiel der Aborigines, die in Australien leben, dem Land mit dem – für Weiße – vorbildlichsten Präventionssystem. RUTH KUNTZ-BRUNNER

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