Sicherheit

Geflügelte Helfer der Kriminologen

Wo und wann genau geschah das Verbrechen? Wie lange lag die Tote im Wald? Bei der Klärung solcher Fragen lassen sich Gerichtsmediziner von winzigen Insekten helfen.

Sie sind klein, blässlich und unscheinbar. Sie rufen sogar unsagbaren Ekel hervor, obwohl sie doch nur mit Eifer ihre Aufgabe erfüllen: In Windeseile besiedeln Maden Leichen, um sich an deren Fleisch gütlich zu tun. Genau damit helfen die verfressenen Tierchen den Pathologen, die Todeszeit der sprichwörtlichen Leiche im Keller zu bestimmen.
Besonders schnell ist der Nachwuchs der bunt schillernden und laut brummenden Schmeißfliegen. Schon wenige Minuten nach Eintritt des Todes sind die Insekten zur Stelle und legen ihre Eier in den Wunden und Schleimhäuten der Leiche ab. Bei ganz frischen Leichen können erfahrene Leichenbeschauer den Todeszeitpunkt noch anhand von Leichenflecken und Totenstarre bestimmen. Doch schon nach 24 Stunden versagen diese klassischen Indizien der Forensik: Liegt der Tod länger zurück, verlassen sich die Pathologen beim Bestimmen der Leichenliegezeit lieber auf die Insekten.
Voraussetzung ist das genaue Studium des jeweiligen Entwicklungsstadiums der Insekten. Haben die Fliegen eine Leiche entdeckt und ihre Eier abgelegt, schlüpfen auch schon innerhalb eines Tages die Larven. Während ihrer Entwicklung häuten sie sich zwei Mal und verlassen dann die Leiche, um sich zu verpuppen. Dabei verkriechen sie sich ins Erdreich, Laub oder – in geschlossenen Räumen – in den Teppichboden.
Jedes Stadium, das der Fliegennachwuchs durchläuft, gibt den forensischen Entomologen einen Anhaltspunkt. Aber nicht nur die Maden der Schmeißfliegen besiedeln die Leiche, erklärt Jens Amendt vom Senckenberg-Institut in Frankfurt: „Neben etwa 25 Schmeiß-, Fleisch- und Hausfliegenarten sind noch einzelne Vertreter anderer Familien mit dabei- etwa die Käsefliegen.“
Die Forscher vermessen und wiegen die in der Leiche gefundenen Maden, bestimmen so ihr Alter und können den Todeszeitpunkt auf den Tag genau festlegen. Sogar die Farbe der in der Nähe liegenden Puppen liefert Hinweise – die dunkelsten Puppen sind die ältesten. Allerdings hängt die Entwicklung der Insekten stark von der Temperatur ab: Je wärmer es am Fundort der Leiche ist, desto schneller wachsen sie heran.
Wird eine Leiche gefunden, müssen die Kriminologen deshalb auch den Wetterbericht des fraglichen Zeitraumes beachten. „Wenn die Insekten ordentlich gesammelt wurden und exakte klimatische Daten vorliegen, können wir den Todeszeitpunkt in den ersten zwei bis drei Wochen auf den Tag genau bestimmen“, erklärt Amendt.
Die gesamte Fauna einer Leiche gibt Aufschluss über deren Liegezeit. Denn die unterschiedlichen Insekten bevorzugen unterschiedlich stark verwestes Fleisch. Nach zwei bis drei Wochen haben die gut erforschten Erstbesiedler ihre Entwicklung abgeschlossen nun finden die Entomologen nur noch leere Puppenhüllen vor. Deshalb müssen sie auf Tricks zurückgreifen. „Es gibt einige Arten von parasitischen Wespen, die sich in Maden oder Puppen von Schmeißfliegen entwickeln“, sagt Amendt. Auch diese von Maden lebenden Maden entwickeln sich über mehrere Wochen und verlängern so den Untersuchungszeitraum auf vier bis sechs Wochen.
Danach finden sich Käsefliegen zum Leichenschmaus ein. Sie beginnen nach 54 Tagen mit der Eiablage. Auch Käferarten, etwa die Gattung Necrophorus, ernähren ihre Brut mit totem Gewebe. Sie sind etwa 2 cm groß und legen ihre Larven unter und neben der Leiche ab. Doch von den wenigsten Arten kennen die Forscher die Entwicklungsstadien gut genug, um mit ihrer Hilfe einen Mörder dingfest machen zu können.
An Maden erkennen die Kriminologen zudem, ob der Fundort einer Leiche auch der Tatort ist. Denn eine Wohnungsleiche wird von anderen Insekten besiedelt als eine Waldleiche. Außerdem können sie im Fliegennachwuchs noch Medikamente und Gifte nachweisen, die im Leichnam selbst nicht mehr zu finden wären. Allerdings hat auch die forensische Entomologie ihre Grenzen. Die „Saison“ dauert nur von April bis Oktober, denn in den Wintermonaten ist insektenfreie Zeit. Doch es gibt auch Ausnahmen, erzählt Amendt: „Wir haben im letzten Dezember eine Balkonleiche gefunden, in der Fliegenpuppen waren.“ JO SCHILLING

Ein Beitrag von:

  • Jo Schilling

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Spezialist für funktionale Sicherheit (Schienenfahrzeuge) (m/w/d) Garching bei München, Leipzig, Erlangen, Berlin
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Feuerwehrfrau / Feuerwehrmann (m/w/d) im gehobenen Feuerwehrtechnischen Dienst – Beamteneinstellung Köln
SCHOTTERWERK GMBH-Firmenlogo
SCHOTTERWERK GMBH Qualitätsmanager (m/w/d) Freiburg im Breisgau
FICHTNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FICHTNER GmbH & Co. KG Sicherheitsingenieur / Health, Safety and Environment-Engineer (m/w/d) Stuttgart
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen/Ingenieure (m/w/d) als Aufsichtspersonen Bielefeld
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen/Ingenieure / Naturwissenschaftlerinnen/ Naturwissenschaftler (m/w/d) als Aufsichtspersonen Berlin
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen/Ingenieur (m/w/d) bzw. Naturwissenschaftlerinnen/Naturwissenschaftler (m/w/d) als Aufsichtspersonen im Sinne des § 18 SGB VII Würzburg
VBG-Firmenlogo
VBG Ingenieurinnen/Ingenieure (m/w/d) bzw. Naturwissenschaftlerinnen/ Naturwissenschaftler (m/w/d) als Aufsichtspersonen im Sinne des § 18 SGB VII Erfurt
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen / Ingenieure / Naturwissenschaftlerinnen / Naturwissenschaftler als Aufsichtspersonen im Sinne des § 18 SGB VII (m/w/d) Mainz
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
VBG Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen / Ingenieure / Naturwissenschaftlerinnen / Naturwissenschaftler als Aufsichtspersonen im Sinne des § 18 SGB VII (m/w/d) Bergisch-Gladbach

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssic…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.