Gesundheit

Gefahr durch globalisierte Grippeviren

VDI nachrichten, Radevormwald, 3. 12. 04 -Epidemiologen befürchten eine weltweite, aggressive Grippewelle. Viren, die vom Tier auf den Menschen übergehen, sind das größte Risiko. Jetzt ist noch Zeit für die Schutzimpfung gegen die echte Virusgrippe. Besonders Risikogruppen wird die Impfung empfohlen.

Dringend rät das Robert-Koch-Institut in Berlin vor allem älteren Menschen, chronisch Kranken und Menschen in Berufen mit viel Publikumsverkehr, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Denn die Epidemiologen befürchten eine weltweite, aggressive Grippewelle. Viren, die vom Tier auf den Menschen übergehen, sind das größte Risiko.
Die Grippe-Impfung wird von den meisten Krankenkassen kostenlos angeboten. Nach der Impfung benötigt das Immunsystem zwischen sieben und 14 Tagen, um einen vollständigen Schutz gegen die Influenza-Viren aufzubauen. Für diesen Winter befürchten Experten das Auftreten einer besonders starken Grippeepidemie auch in Deutschland.
„Die Grippewelle in der letzten Saison war vergleichsweise schwach. Weil der Impfschutz in der Bevölkerung sinkt, steigt das Risiko für eine darauf folgende starke Infektionswelle“, sagt Andrea Grueber von der Arbeitsgemeinschaft Influenza in Marburg.
Im vergangenen Winter starben in Deutschland schätzungsweise 8000 bis 10 000 Menschen an den Folgen der Grippe. Wegen der gestiegenen Gefahr des Ausbruchs einer neuen, gefährlichen Grippevariante in Süd-Ostasien und der rasanten Verbreitung durch den internationalen Luftverkehr sehen Epidemiologen ein stark gestiegenes Risiko für eine weltweite Grippewelle.
Die Wahrscheinlichkeit dafür sei sehr hoch, warnt auch Joachim Kühn, Professor für Mikrobiologie an der Universität Münster. Die Situation sei brisant wie vor einem Waldbrand.
„Überall liegt trockenes Holz und es ist nur die Frage, wann es brennt.“ Experten rechnen alle 20 bis 30 Jahre mit einer schweren, weltweiten Grippe-Epidemie. Eine solche Pandemie gab es zuletzt 1968. Die damals grassierende „Hong-Kong-Grippe“ forderte weltweit 800 000 Opfer. Der fatalste Ausbruch der Virusgrippe in moderner Zeit war 1918/19. Damals starben an der „Spanischen Grippe“ mindestens 20 Mio. Menschen.
Wie molekulare Analysen zeigen, gehen die bisher erforschten Grippe-Pandemien alle auf einen Virustyp zurück. Dieser Typ A kam ursprünglich nur bei Vögeln vor, vor allem bei Wassergeflügel. Doch ermöglicht die enorme genetische Variation des Virus, dass es auch Säugetiere, darunter den Menschen, befallen kann.
Treffen zwei Varianten in einem Wirt zusammen, können sie verschmelzen. Ein solches Mischvirus besitzt dann neue molekulare Eigenschaften, die es besonders aggressiv machen. Möglicherweise ist es bereits zu einem solchen Ereignis gekommen, fürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Ihre Experten überprüfen derzeit Fälle in südostasiatischen Ländern, bei denen in den in den letzten Jahren mindestens 30 Menschen nachweislich an der Vogelgrippe gestorben sind. Die brisante Frage: Hatten sich die Betroffenen direkt bei Tieren angesteckt oder wurden sie von einem Menschen mit dem Tiervirus infiziert? Anlass zu großer Sorge geben die vor kurzem bekannt gewordenen Todesfälle eines thailändischen Mädchens und seiner Mutter sowie einer inzwischen wieder genesenen engen Verwandten der beiden. Bei dem aktuellen Fall liegt der Verdacht nahe, dass sich das Vogelvirus bereits so verändert hat, dass es von Mensch zu Mensch weitergegeben wurde.
Experten gehen davon aus, dass die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Vogelgrippe mehrere Monate in Anspruch nehmen würde. In dieser Zeit könnten sich die Erreger durch den internationalen Reiseverkehr über den gesamten Globus verteilen.
Wie sich eine solche Seuche durch den Luftverkehr ausbreitet, lässt sich seit kurzem mit Hilfe eines neuen Modells genau berechnen und vorhersagen. Forscher vom Institut für Nichtlineare Dynamik der Universität Göttingen haben es entwickelt und dafür mehr als 2 Mio. Flüge pro Woche zwischen den 500 wichtigsten Flughäfen der Welt berücksichtigt. Als weitere Faktoren wurden Todes- und Heilungsraten sowie die Zahl der Sekundärinfektionen, die ein erkrankter Mensch auslöst, in der Simulation berücksichtigt. Dabei zeigt sich, dass eine Epidemie über große Luftverkehrsknotenpunkte wie New York oder London besonders rasch verbreitet wird und zwar unabhängig vom Ort ihres ersten Auftretens.
„Dabei ist die Kapazität eines Flughafens viel weniger entscheidend als sein Vernetzungsgrad“, erläutert Theo Geisel, Professor für Theoretische Physik an der Universität Göttingen.
Die Wissenschaftler haben ihr Rechenmodell mit den Zahlen der SARS-Seuche vom vergangenen Jahr gefüttert. So konnten sie die Vorhersagen mit der tatsächlichen Ausbreitung vergleichen. Dabei haben sie auch durchgespielt, wie sich eine Seuche am besten eindämmen lässt. Eine drakonische, aber effiziente Lösung: 2 % der weltgrößten Verkehrsknotenpunkte müssten isoliert werden. Alternativ dazu müssten immerhin gut 27 % der häufigsten Flugverbindungen blockiert werden.
„Mit dem Modell sind wir nun erstmals in der Lage, quantitative Vorhersagen für die Ausbreitung durch den Luftverkehr zu machen“, sagt Geisel. Mit deutschen Behörden und Luftfahrtgesellschaften verhandelt der Forscher nun über die Einführung des Prognose-instruments.
 SILVIA VON DER WEIDEN

https://influenza.rki.de/

http://www.grippe-influenza.de/

www.grippe-online.de

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