Sicherheit

Für elektronisches Passbild gilt: Lächeln verboten  

VDI nachrichten, Berlin, 14. 10. 05 – Der deutsche Reisepass gilt als nahezu fälschungssicher und – im Gegensatz zu seinen europäischen Pendants – taucht er tatsächlich in der Statistik der gefälschten Dokumente nur selten auf. Dennoch ist die Bundesrepublik das erste Land in Europa, das zum 1. November den – angeblich noch sichereren – biometrischen Reisepass einführt.

Jeder, der ab dem 1. November einen neuen Pass braucht, wird ihn erhalten: den „ePass“, das von Bundesinnenminister Otto Schily gepriesene Vorreiterprojekt. Ohne sich langen parlamentarischen Diskussionen und möglichen Gesetzesänderungen im eigenen Land zu stellen, wurde Schily gleich in Europa aktiv und sorgte gemeinsam mit seinen Kollegen für eine EU-Verordnung, die bis Mitte 2006 die Einführung eines Reisepasses mit gespeicherten biometrischen Merkmalen des Inhabers verlangt. Deutschlands Industrie ist nun dank des Einsatzes ihres Innenministers an der Spitze in der neuen Technik. So lobt denn auch der Branchenverband Bitkom den SPD-Politiker für die „Führungsrolle“, die Deutschland übernehme. Und die Chance, „dass deutsche Sicherheitstechnologie auch ein Exporterfolg wird“.

Hinter dem dunkelroten vorderen Einband versteckt sich beim ePass ein RFID-Chip, der die persönlichen Angaben sowie die Daten des digitalisierten Passfotos enthält. Diese Inlays, bestehend aus Chip, Chipmodul und einer dazu gehörenden Antenne, liefern Philips und Infinion. Hergestellt wird das Gesamtdokument von der Bundesdruckerei GmbH. Das ehemals bundeseigene Unternehmen druckt bereits die heutigen Pässe und Personalausweise.

Lächeln verboten: Für das neue ePass-System akzeptiert die Druckerei nicht mehr jedes Foto. Einen „möglichst neutralen Ausdruck“ verlangt die Internationale Zivile Luftfahrtbehörde (ICAO), die für die Fotorichtlinien zuständig ist. Auch die bisher typische Passbildansicht mit Halbprofil gehört der Vergangenheit an. Wer mit der privaten Kamera arbeitet, um das Geld für den Fotografen zu sparen, sollte vorab sorgfältig die Hinweise der Bundesdruckerei lesen.

Ob Gesichtsausdruck, Ausleuchtung und Kopfhaltung stimmen, überprüfen die Passämter. Zudem sollen die Bürger auch künftig auf dem Amt selbst nachsehen können, welche Daten der Chip gespeichert hat. Ab März 2007 wird die Technik der Behörden um einen Scanner für Fingerabdrücke erweitert. Denn dann kommt als nächstes biometrisches Merkmal noch der Abdruck beider Zeigefinger in den Pass.

Sandra Schulz, Bereichsleiterin Sicherheit beim Branchenverband Bitkom, sieht mit der Einführung des ePasses nicht nur gute Chancen für die deutsche Wirtschaft. Auch bisherige Marktbarrieren würden entschärft, wie beispielsweise der „restriktive Datenschutz“ – gemeint ist hier wohl weniger Widerspruch. Ob dies tatsächlich über eine neue „öffentliche Diskussion“ – wie Schulz glaubt – geschieht, wird sich in nächster Zeit zeigen müssen.

Auf eine „öffentliche Debatte“ über den neuen Pass setzen auch die europäischen Datenschutzbeauftragten. Sie wollen zumindest sicherstellen, dass die Ausweisdaten „nur zur Verifizierung der Identität (¿) bei Vorlage des Dokuments erhoben werden.“ Zudem fordern sie „wirksame Schutzmaßnahmen“ und international gültige Sicherheitsanforderungen (Protection Profiles). Gegner der biometrischen Papiere wie der Chaos-Computer-Club (CCC) oder die Humanistische Union sprechen von einer „entwürdigenden erkennungsdienstlichen Erfassung aller Bürger“ und bezweifeln, ob der neue Pass tatsächlich für ein Mehr an Sicherheit sorgt.

Nicht zuletzt hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) – als untergeordnete Behörde des Innenministeriums zuständig für die technische Sicherheit der Dokumente – in seiner BioP II-Studie an der Praxistauglichkeit des Systems gezweifelt.

Ob nun Reisende künftig mit ihrem Sicherheitspass tatsächlich von schnelleren Kontrollen profitieren, wie Innenminister Schily glaubt, das wird sich frühestens in einigen Monaten zeigen. Bis 2008 sollen alle Grenzkontrollen technisch für den neuen Ausweis aufgerüstet sein. BIRGIT BÖHRET

  • Birgit Böhret

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