Digitaler Gebäudefunk

Feuerwehren warnen vor Funklöchern in Gebäuden  

Wenn es in einem großen Gebäude brennt, Rettungsmannschaften im Einsatzort dirigiert werden müssen oder selbst Unterstützung brauchen, ist Gebäudefunk unabdingbar. Der ist noch vollständig analog, während die Außenversorgung allmählich auf die digitale Tetra-Technik umgerüstet wird. Für die Feuerwehren könnte es bei Einsätzen doppelt brenzlig werden – durch lodernde Flammen und mangelnde Funkversorgung. VDI nachrichten, Berlin, 17. 4. 09, rb

Michael Gunkel von der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BDBOS genannt, hat eine Horrorvision. „Es könnte sein, dass wir bis zum Ende der Digitalfunkanlagen im Jahre 2025 auch noch analoge Funkgeräte mitschleppen müssen, weil sich Mannschaften zum Einsatz in einem Gebäude aufhalten müssen, das noch eine analoge Gebäudefunkanlage hat.“

Das Szenario, das der Funkspezialist erst kürzlich während der Fachkonferenz Digitalfunk des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin vor 300 Brandbekämpfern präsentierte, greift weit in die Zukunft. Noch ist der Digitalfunk in der Aufbauphase, und die dauert länger als geplant (siehe Kasten).

Dabei ist die BDBOS an der Misere nicht unschuldig, kümmerten sich die Digitalfunkplaner doch vor Jahren nur um das terrestrische Netz – und ließen die Gebäude außen vor. Gunkel: „Die Objektversorgung war ein Randthema und wir mussten mit harten Bandagen darauf hingewiesen werden, auch da Ressourcen einzusetzen.“

Bei öffentlichen Gebäuden dürfte die Verantwortlichkeit klar sein – Bund oder Land müssen dafür sorgen, dass Kongress- und Veranstaltungszentren, Bahnhöfe oder Museen ihre bisherige analoge Objektversorgung auf digitale umstellen. Allerdings – wer als privates Unternehmen in einem Hotel oder einem Shopping-Center eine analoge Gebäudefunkanlage betreibt, kann nicht gezwungen werden, die in den nächsten Jahren auf Digitaltechnik umzurüsten.

Auch Bernhard Harz, Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr und dort für Kommunikations- und Funktechnik zuständig, wirft der BDBOS vor, „die Objektfunkversorgung vernachlässigt und zu spät den Umfang und die Bedeutung erkannt“ zu haben. Zudem hält er den „Bestandsschutz von analogen Gebäudefunkanlagen“ für nicht ganz einsichtig und sieht heftigen Handlungsbedarf.

„Berlin hat insgesamt 130 Gebäudefunkanlagen in Betrieb, die seit 1994 aufgebaut wurden. Darüber hinaus sind weitere 30 Baugenehmigungsverfahren abgeschlossen, die eine analoge Gebäudefunkanlage als Auflage erhalten“, so Harz.

Problematisch ist auch, dass der Gebäudefunk bislang eine Domäne der Feuerwehr ist, Polizei und Rettungskräfte haben keinen Zugang, können diese Anlagen nicht nutzen. Dabei wäre auch das bitter nötig. „So hatte die Berliner Feuerwehr letztes Jahr 105 Einsätze in den 20 Berliner Straßentunneln, während die Berliner Polizei 200 Einsätze hatte. Im U-Bahn-Bereich hatte die Berliner Feuerwehr insgesamt 3390 Einsätze, die Berliner Polizei jedoch 14 700“, rechnet Harz vor.

Zudem sind die Erwartungen in die digitale Technik höher als in die analoge. „Bei Tetra-Objektfunkanlagen geht es nicht nur um eine flächendeckende Funkversorgung, sondern auch um eine hohe Sprachqualität, eine sichere Übertragung, Abhörsicherheit und nicht zu vergessen die Notruffunktionalität“, so der Kommunikationsspezialist.

Neben technischen Fragen der Umrüstung drückt vor allem die Finanzierungsfrage den Strategen aufs Gemüt. „Im Landesprojekt ¿Digitalfunk¿ sind für die Objektfunkversorgung keine Mittel eingeplant. Auch der Landeshaushalt hat nicht einmal für die landeseigenen Objektfunkanlagen entsprechende Umrüstungsmittel eingestellt“, weiß Harz.

Und er klagt: „Für Altautos gibt es eine Abwrackprämie, warum nicht für analoge Gebäudefunkanlagen?“ Dabei hat die Berliner Feuerwehr sehr früh auf die Problematik der Objektfunkversorgung hingewiesen. „Leider wurden diese Rufe ignoriert“, muss Harz konstatieren. Immerhin gibt es jetzt enge Kontakte zu Errichtern von Gebäudefunkanlagen sowie Bestandsobjekt-Funkbetreibern, denen eine freiwillige Umrüstung ihrer Anlagen bis 2010 ans Herz gelegt wurde. Der Appell scheint zu fruchten. Das Berliner Olympiastadion ist bereits digitalisiert und auch im Bundesfilmarchiv laufen die ersten Tests.

In Nordrhein-Westfalen sind allein 550 Objekte funktechnisch so ausgelegt, dass Feuerwehrleute selbst mit schwerem Atemschutzgerät sich innerhalb und außerhalb des Gebäudes verständigen können, weiß Hauke Speth von der Berufsfeuerwehr Dortmund. Immerhin könnte es ohne Umrüstung manchmal auch mit Direktfunk gehen – von Handy zu Handy in der Betriebsart Direct Mode Operation, kurz DMO. Das kann, muss aber nicht gut gehen. Eine systematisch aufgebaute Gebäudefunkanlage bietet Feuerwehrleuten und ggf. Betroffenen eine höhere Chance, möglichst unbeschadet wieder nach draußen zu kommen.

Wenn man die digitale Gebäudefunktechnik schon nicht erzwingen kann – vielleicht kann die BDBOS sie ja erbitten? Sollte nämlich die digitale Tetra-Funktechnik irgendwann „draußen“ die Regel werden, darf sie nicht vor der Tür stehen bleiben. RAINER BÜCKEN

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