Sicherheit

Fachleute setzen weiter auf Holz  

VDI nachrichten, Kleinheubach, 11. 8. 06, rus – Gutachter sehen Mängel in Planung, Konstruktion und Instandhaltung als ursächlich für den Einsturz des Holzdachtragwerkes der Eissporthalle im Januar in Bad Reichenhall an. Der Werkstoff Holz werde nicht infrage gestellt, darin sind sich Experten einig.

Angst vor dem Werkstoff Holz braucht keiner haben. Das betonte Prof. Dr. Heinz Brüninghoff aus Rösrath, Sachverständiger für den Holzbau und Prüfingenieur für Baustatik, dieser Tage auf einer Veranstaltung des Holzabsatzfonds und der Deutschen Gesellschaft für Holzforschung. Anlass der Aktion war die Kommentierung der Gutachten zum Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall.

Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein sind Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einsturz des Dachtragwerks am 2. Januar nicht auf eine Einzelursache, sondern auf die Verkettung mehrerer Mängel und Schäden zurückzuführen sei. Das Dach der 1971/72 errichteten Eissporthalle mit 75 m Länge und 48 m Breite sei in Holzbauweise als Kasten erstellt worden. Die Kastenträger seien dabei mit Ober- und Untergurten aus Brettschichtholz in „Kämpfstegbauweise“ hergestellt worden, wobei die 48 m langen Gurte aus drei 16 m langen Teilen bestanden, die mit Universal-keilzinkungen gestoßen waren.

Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für die Kämpfbauweise habe, so die Gutachter der Staatsanwaltschaft, die Trägerhöhe auf max. 1,20 m beschränkt. Dieser Wert sei mit einer Trägerhöhe von 2,87 m weit überschritten worden. Eine beantragte Zulassungserweiterung sei 1971 vom Institut für Bautechnik aber nicht erteilt worden.

Ebenso habe man keine von einem Prüfingenieur geprüfte statische Berechnung des Daches finden können. „Ohne eine solche geprüfte Statik hätte das Bauwerk nicht errichtet werden dürfen“, erklärt die Staatsanwaltschaft. „Nennenswerte Fehler bzw. Versäumnisse“ in den Berechnungen hätten zu einer deutlichen Überbewertung des statischen Tragverhaltens der Deckenträger geführt.

Auch die Verwendung eines Harnstoff-Formaldehyd-Klebstoffs habe besonderes Augenmerk der Gutachter gefunden. Die Verwendung von Harnstoffharzleim für tragende Bauteile sei auch nach den damals bestehenden technischen Regelungen nur in einem trockenen Umgebungsklima zulässig gewesen. Doch seien die heutigen Erkenntnisse über die kritischen Feuchtigkeitsverhältnisse in Eissporthallen 1972 noch nicht vorhanden gewesen, so dass der Einsatz nicht generell gegen den damaligen Stand der Technik verstieß.

Für die Verbindungen zwischen Gurten und Stegen hätte, so die Gutachter, wegen der „dicken Klebefugen anstatt des spröden Harnstoffharz-Klebstoffes ein wesentlich elastischerer Resorzinharzleim“ verwendet werden müssen. Die Feuchtebeanspruchung – neben Tauwasser auch wiederholte Wassereinbrüche – habe die Klebeverbindungen erheblich geschädigt. An den Universalkeilzinkungen der Untergurte habe der Kleber zum Teil bis in eine Tiefe von 5 cm bis 8 cm keine Klebewirkung mehr gehabt.

Ebenso hätten – laut Staatsanwaltschaft – die Sachverständigen die Konstruktion gerügt. So habe der Herstellungsvorgang der Kastenquerschnitte durch Blockverleimung zwischen Stegen und Gurten nicht den damaligen allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprochen. Auch die Qualität der Klebstofffugen sei unterschiedlich gewesen.

Selbst die Instandhaltungsphase bleibt nicht ohne Kritik. Eine fachgerechte Überprüfung zur Standsicherheit der Dachkonstruktion sei, laut Staatsanwaltschaft, nicht dokumentiert. Schon vor Jahren hätten Anzeichen für eine Schädigung der Verklebungen zwischen Gurten und Stegen sowie an den Universalkeilzinkenverbindungen der Untergurte und große Fugen an den Stegen vorhanden gewesen sein müssen.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein betont, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Sie habe Ermittlungen gegen acht der für die Planung, Genehmigung und Erstellung der Eishalle sowie für die Überwachung und den Unterhalt des Bauwerks verantwortlichen Personen eingeleitet.

Laut Prüfingenieur Brüninghoff ist dies ein einmaliger Fall gewesen. „Selbstverständlich würde ich auch heute noch Holz empfehlen. Ich sehe da keine Sicherheitsbedenken, auch nicht im Vergleich zu anderen Baustoffen.“ Das scheinen auch die Kunden von Hess-Wohnwerk so zu sehen.

Mathias Hofmann, Geschäftsführer Hess-Wohnwerk: „Wir sind eher der Meinung, der Holzbau boomt.“ Das Werk setze standardmäßig auf Melaminharzleim. Dieser sei kochfest und passe für alle Anwendungen. Harnstoffharzleim – bis 1980 noch überwiegend verarbeitet – verschwinde zunehmend vom Markt.

„Holz ist als Werkstoff auf keinen Fall schlechter als Stahl oder Beton“, stellt auch Herbert Gottschalk von TÜV Süd Industrie Service klar. Eine grundlegende Ursachenforschung von zurückliegenden Halleneinstürzen habe ergeben, dass bei Holzhallen 24 % der Einstürze auf Konstruktionsfehler, 29 % auf Mängel beim Material und in der Ausführung sowie 37 % auf Probleme im Betrieb und in der Instandhaltung – darunter auch Überlast – entfielen.

ROBERT DONNERBAUER

Von Robert Donnerbauer

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