Sicherheit

EU-Kommission für Banknoten-Kopierschutz

VDI nachrichten, Brüssel/Düsseldorf, 28. 5. 04 – Die EU-Kommission spricht sich für die Anwendung bestehender Kopierschutzmechanismen für Banknoten aus. Haushaltskommissarin Michaele Schreyer teilte mit, es sei nach Ansicht der Kommission „wichtig, dass dieser Abschreckungsmechanismus angewandt wird.“ Gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank habe man die Frage erörtert, ob man die Nutzung des Systems in digitalen Bildverarbeitungssystemen verbindlich vorschreiben solle.

Gemeinsam mit den G10-Zentralbankpräsidenten hat die Europäische Zentralbank die Arbeitsgruppe für die Fälschungsbekämpfung (Central Bank Counterfeit Deterrence Group, CBCDG) ins Leben gerufen. Die CBCDG will Industrie und Handel dazu bewegen, Technologien zu entwickeln und anzuwenden, mit denen die digitale Reproduktion von Banknoten verhindert wird.
Bei Industrie und Handel wirbt die CBCDG bereits um die freiwillige Unterstützung für die Integration von Fälschungsbekämpfungstechnik in Hard- und Softwareprodukten. Das von der CBCDG entwickelte System lässt es nicht zu, Banknotenbilder mit digitalen Reproduktionsgeräten anzufertigen.
Einige der internationalen Geräte- und Softwarehersteller haben kostenlos erhältliche Systeme schon in ihre Produkte integriert. So lassen seit kurzem die Grafikbearbeitungsprogramme Adobe Photoshop CS und Paint Shop Pro 8 das Einlesen und Verarbeiten von Banknotenbildern nicht mehr zu. Die Kopiergerätehersteller kennen solche Sperrsysteme: „Jedes Canon-Farbkopiersystem hat schon seit Jahren eine Kopiersperre“, sagt Andreas Kleinschmidt, Produktmanager bei Canon Deutschland. Wie viele Banknotensysteme mit diesen Systemen geschützt werden, hängt vom Speicherplatz der Speicherkarte ab. Derzeit werden neben dem Euro fast alle europäischen Banknotensysteme unterstützt.
Das System nimmt einen Mustervergleich zwischen den gelesenen und gespeicherten Daten vor. Stimmen die Muster überein, gibt der Kopierer eine schwarze Kopie aus. Ähnliche Systeme nutzen Produkte von Konkurrenten wie Sharp, Xerox oder Konica Minolta.
Canon-Kopierer bringen zudem bei jedem Druck mit für das Auge unsichtbaren, sehr feinen gelben Punkten die ID-Nummer des Kopiergeräts auf die Druckunterlage. Mit einem Blaufilter wird die Identifikation sichtbar. Auf diese Weise können Fahnder nachvollziehen, welches Gerät Dokumente wie Wertpapiere dupliziert hat. Mit Hilfe der Käuferdaten können sie dann herausfinden, wer ein Duplikat in Umlauf gebracht haben könnte.
Nachdem die Branche bis Dezember 2003 zu den EU-Plänen für eine einheitliche Kopiersperre Stellung nehmen konnte, bereitet die EZB derzeit eine „vorläufige Abschätzung“ vor. Da die Kommission die Anwendung des Blockiersystems für „wichtig“ erachtet und die EZB angesichts der Marktgröße den Abschluss einzelner Vereinbarungen mit allen betroffenen Unternehmen für „nicht praktikabel“ hält, ist eine allgemeine Verpflichtung zur Integration des Banknotenfilters zu erwarten.
Die gemeinschaftsrechtliche Vorschrift würde die Hersteller dazu zwingen, so die EZB, die Fälschungsbekämpfungstechnologie in alle Geräte, jede Software und sonstige Produkte zu integrieren, „die in der EU hergestellt, in die EU eingeführt oder innerhalb der EU vertrieben oder verkauft werden“ und mit denen „Abbildungen erfasst, in Computersysteme oder aus Computersystemen übertragen oder mit denen digitale Bilder zum Zweck der Geldfälschung bearbeitet bzw. hergestellt werden können“.
Canon-Produktmanager Andreas Kleinschmidt hält eine solche Verpflichtung jedenfalls für „sinnvoll“. Nicht zuletzt hätten Hersteller, die Banknotensperren jetzt schon haben, einen kleinen Wettbewerbsvorteil. Größtenteils sind jedoch die Kopierer und Scanner bereits mit entsprechenden Sperrsystemen ausgestattet. Nur – die recht allgemeine Beschreibung der EZB-Regelung könnte auch Geräte für den Endverbraucher erfassen. Dazu gibt es aber zurzeit noch nicht einmal eine freiwillige Vereinbarung.
CHRISTIANE SCHULZKI-HADDOUTI
www.ecb.int

Von Christiane Schulzki-Haddouti

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