Sicherheit

„Es liegt noch Arbeit dort, die zu erledigen ist“  

VDI nachrichten, Karlsruhe, 18. 8. 06, ws – Der Krieg im Libanon fordert täglich seine Opfer. Natürlich sind es vor allem Menschenleben, die betrauert werden. Gekappt sind aber auch Beziehungen, die sich zwischen Deutschland und Libanon im Laufe vieler Jahre auf Wirtschafts- und Wissenschaftsebene entwickelt haben.

Schon lange ist es her, dass die Republik Libanon als „Schweiz des Orients“ und die Hauptstadt Beirut als „Paris des Nahen Ostens“ bezeichnet wurden. Das war in den 50er und 60er Jahren. Danach wurde das Land vom Bürgerkrieg heimgesucht, von israelischen und syrischen Truppen besetzt. Ende April 2005 verließen die letzten syrischen Soldaten den Libanon. Aber den Menschen war nur kurzes Aufatmen vergönnt: Am 12. Juli 2006 eskalierten die Kämpfe zwischen den schiitischen Hisbollah-Milizen und Israel zu einem neuen Krieg. Ob der Waffenstillstand vom Montag von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Der Schaden für die Wirtschaft des Libanon ist noch nicht absehbar.

Im Vergleich zu anderen Ländern des nahen und mittleren Ostens war der Libanon für die deutsche Wirtschaft bisher ein kleinerer Partner. „Aber als Exportmarkt nicht unbedeutend“, meint Alexis Nassan. Elf Jahre lang vertrat Nassan im Auftrag des DIHK in Berlin die Interessen der deutschen Wirtschaft in Beirut. „Ich habe den Wiederaufbauprozess miterlebt und jetzt die Zerstörung. Bis vor dem Krieg war die Zusammenarbeit hervorragend.“

Deutschland war nach den USA und Italien der drittgrößte Handelspartner des Libanon, das deutsche Export-Volumen betrug 2005 über 455 Mio. €. Die klassische deutsche Außenhandelspalette umfasste Automobile, Kfz-Teile, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Am 12. August flog Alexis Nassan von Paris nach Damaskus, wo er bis Ende 2007 ein Partnerschaftsprojekt der syrischen und deutschen Handelskammern betreuen wird. Zuvor versucht er aber noch, Beirut auf dem Landweg zu erreichen: „Ich kann im Augenblick nicht beurteilen, wie die Lage sich entwickeln wird. Wir haben uns eigentlich entschlossen, das Büro zu schließen, aber es liegt noch Arbeit dort, die zu erledigen ist.“

Auch auf den Ingenieur Karl-Joachim Linder (54) wartet noch Arbeit in Beirut. Er ist Mitarbeiter der Stuttgarter Unternehmensgruppe Fichtner, bei der weltweit knapp über 1000 Mitarbeiter beratend in der Ver- und Entsorgungswirtschaft tätig sind. Rund 30 % der Unternehmensaktivitäten entfallen auf den nahen und mittleren Osten, besonders auf Länder der Golfregion wie die Emirate und Saudi Arabien.

Das „Engineering & Consulting“-Portfolio des Ingenieurbüros ist breit gefächert, ein Schwerpunkt liegt auf der Privatisierung von Stromerzeugung, Wasserversorgung und Abfallentsorgung. In Beirut beriet Fichtner die Regierung, genauer das „Council of Development and Reconstruction“ (CDR), in Sachen Privatisierung der Abfallwirtschaft, im Juli sollte letzte Hand an eine internationale Ausschreibung gelegt werden.

Karl-Joachim Linder kam am 12. Juli auf dem Airport von Beirut an. „Um 2 Uhr landete unsere Maschine, um 6 Uhr wurde der Flughafen bombardiert“, erinnert sich Linder, „danach wurden die Straßen und Brücken in den Süden zerstört.“ Nach einer gefährlichen Odyssee über die syrische Grenze konnte er vier Tage später von der jordanischen Hauptstadt Ammann aus wohlbehalten nach Hause fliegen.

Das Land sei von der israelischen Armee systematisch lahmgelegt worden, sagt Linder, der auch beobachtete, wie Hafenanlagen, Getreidesilos und Kraftwerke bombardiert wurden. Nicht nur die Infrastruktur liege am Boden, auch die Umwelt sei schwer betroffen, die Küste mit Öl versucht, der Schaden für das Land immens. Wenn sich die Lage stabilisiert, werde die Fichtner-Gruppe im Libanon weiter am Ball bleiben, betont Geschäftsführer Manzour Hamza: „Es war vor dem Krieg angenehm, dort zu arbeiten.“ Karl-Joachim Linder ergänzt: „Wir haben einen super Partner, dem ich und mein Kollege es verdanken, dass wir rausgekommen sind.“

Eine langjährige Partnerschaft verbindet auch Prof. Garabed Antranikian (55) mit dem Libanon. Der Leiter des Instituts für Technische Mikrobiologie an der Technischen Universität Hamburg-Harburg hat in Beirut studiert und in Göttingen. Dort lernte er in den 70er Jahren Dr. Fouad Hashwa kennen, der heute Dekan an der Lebanese American University in Beirut ist.

Die beiden Mikrobiologen pflegen die wissenschaftliche Zusammenarbeit und seit fünf Jahren ein Programm, bei dem die Universitäten Doktoranden und Wissenschaftler austauschen. „Ein Doktorand“, berichtet Garabed Antranikian, „wollte nur zwei Wochen in den Libanon, um seine Familie in Tripoli zu besuchen. Nun warten wir auf Nachricht, wann er wieder zu uns kommt und seine Doktorarbeit vorstellt.“

Die Institute in Beirut und Hamburg beschäftigen sich mit Life-Science, mit Biologie und Biotechnologie. Vor zwei Jahren erhielt Antranikian den mit 500 000 € dotierten deutschen Umweltpreis für seine, wie es in der Laudatio hieß, Pionierarbeit auf dem Gebiet der „Weißen Biotechnologie“.

Zur Weißen Biotechnologie gehört auch der Energiebereich, die Produktion von Bio-Ethanol und Bio-Gas. „Das wird zunehmend wichtiger, denn Öl wird immer knapper“, sagt Antranikian. „Da müssen wir neue Wege gehen.“ Auch mit den Partnern im Libanon.

Sollten die Waffen endgültig schweigen, wird der Wiederaufbau ein hartes Stück Arbeit. Das Rote Kreuz, Caritas, Care oder Unicef sind im Libanon bereits aktiv. Auch das Know-how von Ingenieuren ist gefragt, wenn es um Fragen der Logistik und die Rekonstruktion der Infrastruktur geht. Aber wie kommen deutsche Ingenieure an Stellenangebote solcher Organisationen?

Hannes Krum bietet mit seiner non-Profit-Seite www.contipress.ch einen Überblick nicht nur zum Libanon, sondern zu allen Regionen der Welt, in denen Experten unterschiedlichster Berufe für die Entwicklungsarbeit, nach Kriegen oder Naturkatastrophen gesucht werden.

In jeder Offerte sind die geforderten Qualifikationen beschrieben, in englischer Sprache, die die Bewerber beherrschen sollten. Weitere Grundvoraussetzungen neben fundiertem Fachwissen sind Managementqualitäten sowie soziale und kulturelle Kompetenzen. Die Vermittlung ist für Stellenanbieter und Bewerber kostenlos. „Meine Frau und ich wollten im sozialen Bereich etwas Sinnvolles tun“, sagt der in Kassel geborene und in der Schweiz lebende Verwaltungskaufmann Krum. „Ich werde bald 64 Jahre alt, da wird es auch langsam Zeit“, fügt er lachend hinzu. KLAUS HEID

Von Klaus Heid

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