Gesundheit

Erste Hilfe bei Infarkt, Unfall oder Frühgeburt

Vor 30 Jahren, im Herbst 1970, gründete der ADAC in Deutschland die zivile Luftrettung. Heute verdanken der deutschen Luftrettung täglich durchschnittlich 22 Menschen ihr Leben.

Der „Pieper“ schlägt um 10.12 Uhr Alarm. Pilot Bernd Birner und Luftrettungsassistent Heribert Schweiger hetzten die Treppe des Towers hinunter und sprinten zu ihrem Helikopter, Notarzt Dr. Hans-Rolf Mrugalla jagt auf dem Fahrrad vom nahe gelegenen Krankenhaus herüber. Zwei Minuten nach dem Notruf hebt die EC 135 mit dem Funkrufnamen „Christoph 15“ von der Landeplattform direkt neben dem Straubinger St. Elisabeth Krankenhaus ab.
Ziel ist das Dorf Thurmannsbang im Bayerischen Wald. Eine 75-jährige Frau hat sich den Oberschenkelhals gebrochen, funkt die Straubinger Rettungsleitstelle der Crew durch. Routine für Bernd Birner (35), der den Straubinger ADAC-Rettungshubschrauber seit 1995 fliegt. In seinem Gebiet mit einem Radius von rund 70 km kennt er nach Tausenden von Einsätzen fast jeden Weiler aus der Vogelperspektive. Falls nötig, assistiert ihm Heribert Schweiger (45) – als Luftrettungsassistent zugleich Sanitäter und Copilot – während des Fluges. Er benutzt dafür die an das Satelliten-Navigations-System (GPS) gekoppelte „Rolling Map“, oder schlicht eine Landkarte im Maßstab 1: 50 000.
Wenige Minuten später, um 10.30 Uhr, senkt sich der gelbe Helikopter auf eine Wiese am Ortsrand von Thurmannsbang. Schweiger und Notarzt Hans-Rolf Mrugalla (41) joggen mit ihren Notfallrucksäcken zum Haus der Patientin.
Inzwischen sind dort auch die Kollegen von der Bodenrettung eingetroffen – meist wird im „Rendezvous“-Einsatz mit dem ADAC-Helikopter auch ein Rettungswagen zum Unfallort bestellt: „Hauptsache ist, dass möglichst schnell ein Arzt eintrifft, der entscheidet, wie er in die nächstgelegene Klinik gebracht wird“, so Mrugalla. Jetzt entschließt er sich für den Lufttransport, weil die Patientin sehr starke Schmerzen hat und Komplikationen drohen. „Keine Sorgen, in ein paar Minuten sind Sie im Krankenhaus“, tröstet der Doktor die aufgeregte alte Dame, die heute zum erstenmal in ihrem Leben fliegt und hält ihr zur Beruhigung die Hand.
Um 10.45 Uhr startet Birner, vier Minuten später landet er präzise vor der Pforte des Krankenhauses in Grabenau, wo bereits alles für den Empfang der Patientin vorbereitet ist. Nur 18 Minuten sind verstrichen zwischen dem Notruf und dem Eintreffen ärztlicher Hilfe für die Patientin im Bayerischen Wald: „Wir hatten mit 55 km recht weit zu fliegen“, erläutert Birner, „meist sind es nur rund 40 km bis zum Einsatzort, das schaffen wir in acht bis zehn Minuten.“
Das deutsche Luftrettungsnetz ist so eng geknüpft wie sonst nirgends auf der Welt. Es gibt 51 Stationen von unterschiedlichen Betreibern. Die ADAC-Luftrettung GmbH unterhält auf 22 Stützpunkten eine Flotte mit 34 Hubschraubern: darunter die BK 117 und die derzeit in der Luftrettung noch am häufigsten eingesetzte BO 105 sowie die EC 135 und die MD 900 Explorer – modernste Leichthubschrauber, leise und sparsam.
Seit 1970 investierte der ADAC gut 220 Mio. DM und avancierte zu Deutschlands größtem zivilen Luftrettungs-Betreiber. Die „Gelben Engel der Luft“ mit dem schwarzen, weithin sichtbaren ADAC-Emblem sind seit 30 Jahren für jeden da, der eilig ärztliche Hilfe benötigt, im Gebirge oder an der See in Not gerät. Von 7.00 Uhr bis Sonnenuntergang, solange Sichtflug möglich ist, werden die Helikopter über die Notrufnummern 110 oder 112 und von Autobahn-Notrufsäulen angefordert.
Der ADAC gilt als Pionier der Luftrettung in Deutschland. Als gegen Ende der 60er Jahre die Zahl der Verkehrstoten ständig stieg -1970 waren es fast 20 000 – stationierte der ADAC im November 1970 am Städtischen Krankenhaus München-Harlaching seine erste BO 105 und taufte sie nach dem Heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden: „Christoph 1“.
Das Bundesinnenministerium griff die Idee auf und installierte im Rahmen des Katastrophenschutzes ein Netz von Rettungshubschraubern, in dem heute Bundesgrenzschutz, Bundeswehr, Feuerwehren und neben dem ADAC viele private Organisationen mitarbeiten. Rettungshubschrauber brachten seit 1970 mehr als 800 000 Menschen Erste Hilfe: bei Infarkten oder Schlaganfällen, bei Frühgeburten, Haus- und Arbeitsunfällen.
Doch ein Drittel aller Einsätze gilt Verkehrsunfällen. Auch „Christoph 15“ landet heute schon in der Morgendämmerung an einer Kreisstraße unweit Deggendorf. Ein schwarzer Golf war vor zehn Minuten in den mit Baugerüsten beladenen Hänger eines Traktors gerast. Der Fahrer kommt glimpflich davon und wird per Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert.
„Unfassbar, welches Glück dieser Mann hatte“, konstatiert Mrugalla erleichtert angesichts des zertrümmerten Golf. Denn er hat schon viel Schlimmeres gesehen, aber auch dann war der Helikoptereinsatz immer ein Glück für die Opfer. „Schwerverletzte Verkehrsopfer gewinnen dank Helikoptereinsätzen 18 bis 40 Lebensjahre zurück“, schätzt Mrugalla. Auch der Aufenthalt auf der Intensivstation, so die Erfahrung des Notarztes, ist um drei bis vier Tage kürzer, 70 % dieser Patienten verlassen gesund die Klinik.
Notfallhilfe aus der Luft trifft, im Vergleich zum Rettungswagen, dreimal schneller ein. Die pro Turbine 420 PS bis 700 PS starken Helikopter sind bis zu 287 km/h schnell, haben Reichweiten von 800 km und fliegen fast erschütterungsfrei.
Zwei Patienten finden Platz in diesen „fliegenden Intensivstationen“, die unter anderem mit Beatmungs- und EKG-Geräten sowie einem Defibrillator zur Wiederherstellung der Herztätigkeit ausgerüstet sind.
Bis heute absolvierten die gelben Engel nahezu 100 000 Flugstunden, allein 1999 waren sie rund 16 000 Stunden in der Luft und brachten 25 248-mal ärztliche Hilfe. An die 15 % aller Einsätze sind nachweisbar unmittelbar lebensrettend.
Wahrscheinlich auch für jenen Mann mit einem Herzinfarkt, der gegen Mittag mit „Christoph 15“ beim St. Elisabeth-Krankenhaus einschwebt. An der Landeplattform stehen schon Sanitäter mit einer fahrbaren Liege und Tropf parat, Mrugalla hetzt mit dem Patienten zur Intensivstation. Birner tankt inzwischen die Maschine auf, erledigt im Büro des Towers Schreibarbeiten. Kaum sitzt er am Computer, um die Daten des letzten Fluges einzugeben, piept es schon wieder…
Tag für Tag 173 Mal meldet sich ein solcher „Pieper“ durchschnittlich bei Deutschlands Luftrettern. Stationiert sind die Crews direkt bei Universitätskliniken und zentral gelegenen Krankenhäusern wie St. Elisabeth. „Im vergangenen Jahr flogen wir knapp 1500 Einsätze und lagen damit bundesweit an neunter, bei den ADAC-Einsätzen sogar an dritter Stelle“, erläutert Mrugalla, der sich mit 13 Kollegen, sämtlich Intensivmediziner, beim Dienst im Rettungshubschrauber abwechselt.
Männern wie Birner, Schweiger und Mrugalla verdanken in Deutschland durchschnittlich täglich 22 Menschen ihr „zweites“ Leben. Doch nicht immer sind die Einsätze erfolgreich, und das ist für Flieger und Ärzte der größte Stress: „Jeder baut gegen den psychischen Stress seinen eigenen Schutzschild auf. Wenn wir hinter jedem Einsatz das individuelle Schicksal sähen, könnten wir diesen Beruf nicht mehr ausüben“, sagen die Notretter. Doch es geht ihnen immer wieder unter die Haut, besonders bei Kindern, denn alle sind selbst Väter.
An diesem Mittwoch im Juni aber herrscht Routine vor. Abends wird beim Pizza-Service „Carbonara für alle“ bestellt. Doch schon nach ein paar Bissen meldet sich der Pieper. 19.43 Uhr, die Sonne sinkt, bald ist Sichtflug unmöglich. Für heute wird dies der letzte von sieben Flügen sein. „War ein ruhiger Tag, unser Maximum lag bei 13 Einsätzen“, zieht Birner Bilanz, steigt wieder in die Kanzel, stülpt den Bordfunkhelm über, schnallt sich an und bringt die Triebwerke der EC 135 auf Touren. BURKHARD JUNGHANSS
Gelandet wird, wo Platz ist: Christoph 15 auf einer Wiese bei Thurmannsbang im Bayerischen Wald. Nach kurzer Diagnose wird die Patientin mit einem Oberschenkelhalsbruch ins nächstgelegene Krankenhaus geflogen.
Rendezvous der Retter: Meistens kommt auch ein Rettungswagen zum Unfallort. Wenn der den Patienten nicht selbst zum Krankenhaus transportiert, bringt er ihn doch fast immer zum Helikopter. Bild (5): B. Junghanß
Gut 25 000-mal im Jahr bringt ein ADAC-Rettungshubschrauber ärztliche Hilfe, jeder dritte Anlass ist ein Autounfall.
Ein eingespieltes Team (v.l.n.r.): Dr. Hans-Rolf Mrugalla, Luftrettungsassistent Heribert Schweiger, Pilot Bernd Birner.
Jede Minute zählt: Notarzt Hans-Rolf Mrugalla hetzt zum nächsten Unfallort.
Flugrettung

Landeplätze in Gefahr

Für die Wartung seiner Flotte besitzt der ADAC seit 1995 die Tochter Air Lloyd Luftfahrt Technik GmbH (ALT) mit Betrieben in Bonn-Hangelar, Landshut und Halle-Oppin. 70 Spezialisten halten bei jährlich über 300 Kontrollen die 34 ADAC-Maschinen fit. Alle Techniker werden bei den Herstellern an den verschiedenen Typen geschult und arbeiten nur nach Genehmigung des Luftfahrt-Bundesamtes, einige besitzen Mehrfach-Fluglizenzen. Doch neues EU-Luftrecht bedroht die Patientenversorgung. 90 % der Landeplätze an deutschen Krankenhäusern droht das Aus durch eine neue Richtlinie der International Civil Aviation Organization (ICAO). Denn 2003 endet eine Ausnahmeregelung, die bislang den 51 Rettungshubschraubern Start und Landung an 1500 betroffenen Kliniken erlaubt. Die künftig geltenden Anforderungen an Größe und Hindernisfreiheit sind laut ADAC kaum realisierbar: Landeplätze, die nicht verlegt oder umgebaut werden können, müssten schließen. bj

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