Gesundheit

Erste Hilfe aus der Ferne  

VDI nachrichten, Berlin, 30. 5. 08, ber – Eigentlich ist es in Deutschland verboten, Patienten aus der Ferne zu behandeln. Gemeinsam mit dem Hausarzt aber ist eine Betreuung erlaubt. An der Charité Berlin wurde jetzt ein Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin eingerichtet. Dort ist man überzeugt, dass diese neue Facette des Gesundheitswesens Leben retten kann.

Sobald der Patient die Blutdruckmanschette anlegt, auf die Waage steigt oder die EKG-Elektroden auf die Brust setzt, werden die Werte ans telemedizinische Zentrum gefunkt und dort auf den Monitor gegeben. Bedenkliche Werte erscheinen mit rotem Ausrufezeichen ganz oben. So erkennt der Arzt sofort einen zu niedrigen Blutdruck oder ein EKG, das aus dem Rahmen fällt. Im Ernstfall wird der Hausarzt oder gar der Notarzt alarmiert.

Prinzipiell ist es in Deutschland verboten, Patienten aus der Ferne zu behandeln. Aber in Kooperation mit dem Hausarzt ist eine Betreuung erlaubt. Köhler ist überzeugt, dass diese Form der Telemedizin zu einer neuen Facette des Gesundheitswesens avancieren wird.

Dass Telemedizin tatsächlich Leben retten kann, hat indes schon die bayerische Tempis-Studie gezeigt. Die Versorgung von Schlaganfallpatienten auf dem Land konnte verbessert werden. Zuvor hatten sie gegenüber den Städtern einen deutlichen Nachteil hinnehmen müssen. „Das Tempis-Projekt gilt weltweit als Goldstandard in der Telemedizin“, lobte Köhler.

Schlaganfallpatienten sind so rasch wie möglich zu behandeln, um die Spätfolgen zu minimieren. Idealerweise werden innerhalb von drei Stunden nach dem Anfall gerinnungshemmende Medikamente verabreicht.

„Auf dem Land kann der Patient in dieser Zeit aber meist nicht in eine Spezialklinik, eine sogenannte Stroke Unit, gebracht werden“, schilderte Johannes Schenkel das Dilemma. Der Neurologe des Klinikums Harlaching am Städtischen Klinikum München leitet heute das Tempis-Projekt.

Den ländlichen Kliniken stehen Schlaganfallexperten in den Stroke Units in München und Regensburg rund um die Uhr per Videotelefon zur Seite. Die Ärzte in den ländlichen Kliniken filmen den Patienten. Die Bilder plus CT- oder MRT-Aufnahmen des Gehirns erscheinen auf den Monitoren der Stroke-Unit. Anhand dieser Informationen geben die Spezialisten Tipps zur Behandlung.

Über 15 000 Telekonsultationen hat das Tempis-Projekt inzwischen vorzuweisen. „Wir dachten, die Zahl würde irgendwann zurückgehen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die Kollegen haben diesen Service zu schätzen gelernt“, sagte Schenkel.

Die Ergebnisse des Projekts sorgten weltweit für Furore: An knapp 4000 Schlaganfallpatienten konnte gezeigt werden, dass der fachärztliche Rat aus der Ferne das Risiko einen schlechten Ausgangs des Schlaganfalls um 38 % verringert. Es sterben weniger Menschen und die Einweisung ins Pflegeheim oder eine schwere Behinderung sind seltener geworden.

Die Daten haben auch die gesetzlichen Krankenkassen überzeugt, die die telemedizinische Versorgung finanzieren. Die gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Für das Tempis-Projekt mussten sechs Ärzte in den Stroke-Units sowie Personal für die ländlichen Kliniken neu eingestellt werden.

Die Idee einer telemedizinischen Schlaganfallversorgung macht indes Schule. Georg Rose, Telematiker an der Uni Magdeburg, hat ein ähnliches Projekt beim Bundesforschungsministerium beantragt. Mit Vertretern von Krankenhäusern, Krankenkassen, der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Industrie will er die Schlaganfallversorgung in Brandenburg verbessern. Bislang bekommen dort nur 3 % der Patienten binnen drei Stunden Medikamente. Nördlich von Magdeburg sinkt der Wert sogar auf Null.

Zur Verbesserung der Versorgung soll die Telemedizin hier auch im Rettungswagen eingesetzt werden. Oft würden Rettungssanitäter und Notärzte einen Schlaganfall gar nicht erkennen, meinte Rose. Mit einer Checkliste auf einem Monitor im Rettungswagen solle dies erleichtert werden, so Rose.

Zusätzlich soll der Patient gefilmt und die Bilder an eine Tele-Stroke-Unit gefunkt werden. „Wir sind überzeugt, dass diese Prinzipien die Versorgung erheblich verbessern“, so Rose. Mitte Mai startete ein telemedizinischer Austausch zwischen der Klinik in Magdeburg mit den Kliniken in Halberstadt und Stendhal.

Bis die Rettungswagen mit Kamera und Funkübertragung auf Brandenburgs Straßen rollen, ist jedoch noch einiges zu tun. Die Tücken der Telemedizin lauern dabei in der Technik. In den Anfängen hatten die Initiatoren des Tempis-Projektes damit zu kämpfen, dass die CT- und MRT-Geräte in den 15 Kliniken jeweils unterschiedliche Standards für die Bilder nutzten. Die Übertragung brach immer wieder zusammen, Bild und Ton liefen nicht synchron. Nun funktioniert das System reibungsfrei. SUSANNE DONNER

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