Sicherheit 26.07.2002, 18:20 Uhr

Erdbebenzone Deutschland

Großer Schreck in der Morgenstunde. Die Erdbebenwarte Bensberg registrierte ein Erdbeben der Stärke 4,8 auf der Richterskala, das heftigste in NRW seit zehn Jahren. Bei Alsdorf, wo das Epizentrum lag, bekamen Gebäude Risse, fielen Ziegel und Putz von den Häusern. Im 100 km entfernten Gelsenkirchen stürzten Kamine von Hausdächern, verletzt wurde jedoch niemand.

NRW ist das erdbebenreichste Gebiet Mitteleuropas. Seit 1955 hat die Warte Bensberg in der Niederrheinischen Bucht und den angrenzenden Gebieten über 2000 Beben registriert. Das letzte erschütterte 1992 den Niederrhein. Damals wurde eine Stärke von 5,9 gemessen – so viel wie seit 200 Jahren nicht mehr in Mitteleuropa. Sogar in München und London waren damals die Erschütterungen zu spüren und am Kernkraftwerk Biblis wurden die Beschleunigungsgrenzwerte von 45 cm/s überschritten, ein Block wurde abgeschaltet. Aktiv sind auch der Oberrheingraben und die Schwäbische Alb. Bei Tübingen verursachte ein Beben 1978 rund 100 Mio. DM Schäden.
Die Kosten müssten nicht so hoch sein, wenn die DIN-Vorschrift „Bauten in deutschen Erdbebengebieten“ angewendet würde, sagt Klaus-Günter Hinze, Leiter der Bensberger Erdbebenwarte. „Leider ist die Norm selbst in einer so bebengefährdeten Region wie dem westlichen NRW nicht gesetzlich vorgeschrieben“, kritisiert Hinze.
Das bestätigt auch Bernhard Steinauer, Professor am Institut für Straßenwesen, Erd- und Tunnelbau der RWTH Aachen. Bei Autobahnbrücken etwa würden zwar das Eigengewicht des Bauwerks und die Sicherheitsmargen für die Verkehrslast kalkuliert, doch „besondere Belastungen durch Erdbeben berücksichtigen wir nicht“.
Deutschlands Untergrund ist wie in einem Schraubstock eingespannt. Die Spannungen verschaffen sich Luft, wo die eingeklemmte Platte schwach ist. Ein solcher Sprung verläuft mitten durch Deutschland zwischen Vogesen und Schwarzwald – der Oberrheingraben, markiert durch den Rheinverlauf. Ausläufer der Verwerfung ziehen bis zum Niederrhein und erreichen fast die Nordsee. Hier schrammen die in der Tiefe zerbrechenden Schollen in Nord-Süd-Richtung aneinander vorbei und verhaken sich manchmal. Dann gibt es einen heftigen Ruck bis der Widerstand überwunden ist – und die Erde bebt.
Wann das passiert, ist schwer vorherzusagen. „Selbst mit modernster Technik gelingt das nicht zuverlässig“, sagt Hinze. Die Spannungsbewegungen der Erdoberfläche sind hierzulande zu gering, um sie mit Hilfe von GPS erfassen zu können. Die Überwachungstechnik aus dem All haben Forscher der Universität Hannover gemeinsam mit dem State Seismological Bureau of China für die Erdbebenprognose in der stark bebengefährdeten chinesischen Provinz Yunnan erprobt. Zusätzlich messen Satelliten die Abweichungen im Erdschwerefeld. So kontrollieren die Forscher seit Mitte der 90er Jahre Veränderungen in der Erdkruste: In dem mehrere hundert Kilometer großen Kontrollgebiet hat sich die Erde 5 cm bis 10 cm bewegt.
SILVIA VON DER WEIDEN

Ein Beitrag von:

  • Silvia von der Weiden

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