Gesundheit

Elektronische Karte krankt an verbindlichen Vorgaben  

Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte soll nicht nur die Bürokratie bekämpft werden. Das Gesundheitssystem soll auch transparenter werden. Doch die langwierige Entscheidungsfindung könnte den für 2006 vorgesehenen Start gefährden.

Die elektronische Gesundheitskarte gilt als eines der weltweit ambitioniertesten IT-Projekte. Mit Hilfe des 64 kByte-Mikroprozessors im Scheckkartenformat sollen nach Vorgabe des Bundesgesundheitsministeriums ab dem kommenden Jahr 80 Mio. Versicherte mit 200 000 Arztpraxen und Kliniken, 21 000 Apotheken und 300 Krankenkassen vernetzt werden. Auf der Karte sind nicht nur die Informationen der bisherigen Versichertenkarte einschließlich eines Passbildes gespeichert, das die Erschleichung von Leistungen verhindern soll.

Über die mit Verschlüsselungs-, Authentisierungstechniken und möglicherweise auch einer elektronischen Signatur gesicherten Karte kommt der Patient dann auch an sein Rezept. Schließlich sollen alle relevanten medizinischen Patientendaten mit Hilfe der Karte erfasst und ausgetauscht werden. Ein technologisches Mammutvorhaben mit mehreren Sprengsätzen, wie kürzlich bei einem Expertentreffen in Neuss klar wurde.

„Wir haben immer noch keine Standardisierungsvorgaben für das Datenmanagement“, stellte Ulrich Pluta, Projektleiter für die Gesundheitskarte bei Oracle Deutschland in München fest. Davon aber hängt das Zusammenspiel aller über das Internet in Verbindung stehenden Teilnehmer ab. Dass das Megaprojekt auf der Stelle tritt, fürchtet auch Norbert Englert, Leiter des Geschäftsbereichs eHealth bei IBM Business Consulting Services in Frankfurt: „Bislang gibt es keine verabschiedete Lösungsarchitektur.“

Aus Sicherheitsgründen sollen die Daten nicht auf einem zentralen, sondern auf verschiedenen Servern hinterlegt werden. Dafür muss eine Anbindungsstruktur geschaffen werden. Die Sorge vor einem Flop treibt nicht nur die Industrie um. „Der von der Regierung vorgesehene Zeitplan ist nicht mehr haltbar“, fürchtet auch Heinz-Theo Rey, IT-Leiter bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin.

Angesichts der Herausforderungen kann die Skepsis der Branche kaum verwundern, ist die Gesundheitskarte doch der Schlüssel für eine vielschichtige Telematikplattform, die Austausch und Verwaltung aller medizinischen Patientendaten ermöglichen soll. Die aber liegen in sehr unterschiedlichen Qualitäten vor: etwa als formlose Dokumentation der verschriebenen Medikamente beim Hausarzt, als hoch aufgelöstes Röntgenbild beim Facharzt oder als Operationsbericht in der Klinik. Die verschiedenartigen Informationen lassen sich nur auf der Ebene reiner Daten unter einen Hut bekommen. Doch kurz vor dem geplanten Start herrscht bei den Beteiligten immer noch Uneinigkeit, wie ein solches Datenmanagementsystem beschaffen sein muss, um bestimmte organisatorische Aufgaben bewältigen zu können. Erst die Bündelung der Daten schafft schließlich jene weit reichende Transparenz, aus der die Gesundheitskarte dann ihren langfristigen Wert schöpft. „Schon das elektronische Rezept dürfte eine dreistellige Millionenersparnis pro Jahr bringen“, rechnet Stefan Bales, Leiter für das Projekt im Bundesgesundheitsministerium, vor. Ersparnisse in jeweils der gleichen Größenordnung sieht die Politik auch durch das Eindämmen erschlichener Leistungen und durch eine besser abgestimmte Versorgung von Notfällen. Demgegenüber stehen Anschaffungskosten von 1,4 Mrd. €. Davon sollen die Versicherten 1 Mrd. € über den Beitrag aufbringen. Weil das derzeit kaum zu vermitteln ist, hat die IT-Wirtschaft bereits eine Vorfinanzierung über Privat Public Partnership-Modelle angeboten. Den Rest sollen Ärzte- und Apothekerschaft beisteuern.

„Wir gehen von einer Amortisierung der Gesundheitskarte in zwei bis drei Jahren aus“, gibt sich Bales optimistisch. Eine Rechnung mit mehreren Unbekannten. Eine davon ist der Patient selbst. Offen ist, ob eine ausreichende Zahl von Versicherten Vertrauen in die neue Transparenz fasst. Datenschützer haben durchgesetzt, dass der Patient jederzeit entscheiden kann, ob und wem er seine medizinischen Daten zugänglich macht. Diese freiwilligen Funktionen sind es aber, welche über den nachhaltigen Nutzen der Karte entscheiden. So sollen vor allem kostspielige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Zugleich ergeben sich weitere Chancen. „Viele Kliniken setzen auf zusätzliche, maßgeschneiderte Leistungsangebote für den Patienten“, so Martin Staemmler von Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiter. „Es wird sehr darauf ankommen, wie gut die freiwilligen Funktionen angenommen werden.“ Wie die neuen Möglichkeiten in der Praxis ankommen, sollen ab Dezember mehrere hunderttausend Versicherte in Modellregionen aus acht verschiedenen Bundesländern testen. „Schnellschüsse können wir uns bei dem Projekt nicht erlauben“, betont Pablo Mentzinis, Leiter Public Sector und Großkunden beim IT-Branchenverband Bitkom. Das sieht Oracle-Experte Pluta genauso: „Die Fehlerrate muss rechtzeitig reduziert werden.“

Allzu große Erwartungen auf einen Exportschlager dämpft die Industrie schon jetzt. „Die elektronische Gesundheitskarte ist nur begrenzt exportfähig, da sie zu stark auf das nationale Gesundheitssystem zugeschnitten ist“, sagt Menzinis. Auch fehlten umfangreiche praktische Erfahrungen, um mögliche Interessenten von der Leistungsfähigkeit der Technik zu überzeugen. SILVIA VON DER WEIDEN

Auf der Karte werden auf jeden Fall gespeichert:

– personenbezogene Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum sowie Versichertenbild

– Zuzahlungsstatus

– Versicherungsnachweis für Behandlungen in der EU

Zusatzinformationen auf der Gesundheitskarte

Freiwillig ist der Zugang zu persönlichen medizinischen Daten mit Hilfe der Karte. Zunächst sind das :

– Arzneimitteldokumentation

– Notfalldaten

Erweiterte Funktionen sind zudem:

– Patientenquittung

– elektronischer Arztbrief

– elektronische Patientenakte mit allen Diagnosen, Therapien, Impfungen

– Patientenfach, durch das der Patient selbst Daten zur Verfügung stellen kann

Ärzte und Apotheker mit eigenem Zugang

Ärzte und Apotheker müssen sich mit Hilfe eines elektronischen Heilberufe-Ausweises – dem Gegenstück zur Versichertenkarte – authentifizieren.

Der doppelt gesicherte Zugang soll verhindern, dass etwa Versicherungen oder Arbeitgeber Zugriff auf die medizinischen Daten erhalten.

Der Patient entscheidet, wann und wem er die im freiwilligen Teil verwalteten Informationen zugänglich machen will. Eine Lösung sieht vor, dass der Patient an einem Terminal in Arztpraxis oder Apotheke durch Eingabe einer Geheimzahl den aktuellen Status seiner gespeicherten Daten aufrufen und im freiwilligen Teil neu anpassen kann.

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