Sicherheit

Elektronik im Dienst der Sicherheit boomt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 11. 07, jdb – Die weltweiten Anstrengungen nach dem 11. September, Staat und Gesellschaft sicherer zu machen, haben zu einem Boom im Markt für Sicherheitselektronik geführt. Der Branchenverband Bitkom sieht auch hierzulande ein so großes Potenzial in diesen Technologien, dass er die Biometrie als einen der sechs „versteckten Champions“ des deutschen Hightechsektors bezeichnet.

Die stete Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen nach dem US-Katastrophentag 11. September durch immer neue Techniken hat vielen Reisenden den Spaß am Fliegen genommen. Für noch mehr Verärgerung bei den Passagieren dürfte eine Kameratechnik sorgen, die man bisher höchstens aus Komikfilmen kannte. Denn das oft kritisierte Eindringen in die Privatsphäre geht bei diesem Überwachungssystem buchstäblich bis auf die nackte Haut: Möglich machen das Röntgenkameras mit Terahertz-Strahlung. Solche Scanner werden zum Beispiel von der Rüstungsschmiede QinetiQ hergestellt. Die Filmassoziation ist dabei nicht so weit hergeholt, denn der Name des früheren Forschungslabors des britischen Verteidigungsministeriums ist eine Anspielung auf „Q“, den kreativen Geheimdienstwissenschaftler in den James-Bond-Filmen.

Bei der automatischen Personen- identifizierung sorgten Anfang des Jahres die mageren Ergebnisse des Testprojekts am Mainzer Hauptbahnhof für Ernüchterung. Weit bessere Erkennungsraten versprechen sich Fachleute aber von dem auf drei Jahre veranschlagten EU-finanzierten Forschungsprojekt 3D Face.

Es dehnt die technischen Grenzen um eine Dimension aus. Denn zweidimensionale Gesichtserkennung hat neben den Schwächen, die sich im Mainzer Projekt gezeigt haben, den Nachteil, dass es viel Zeit kostet, Fälschungsversuche mit gedruckten Fotos aufzudecken. Mit Hilfe der 3-D-Daten über Kopfform und Hautbeschaffenheit verspricht man sich bessere Ergebnisse bei der Identifizierung. 3D Face wird von zwölf europäischen Unternehmen entwickelt, darunter die Bundesdruckerei, der Flughafen Berlin-Schönefeld und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt.

IGD-Professor Christoph Busch betont das Ziel, dass die Daten einer Person immer denselben, einzigartigen mathematischen, so genannten Hash-Wert ergeben. Während beim amerikanischen Visaprogramm sensible biometrische Rohdaten direkt in Datenbanken gespeichert werden, soll nach dem erfolgreichen Abschluss von 3D Face nur dieser errechnete Hash-Wert gespeichert werden. „Das ist aus Datenschutzgründen die bessere Lösung“, sagt Busch.

Angesichts mancher Kritik an der Biometrie favorisiert auch Heinz Biermann, zuständiger Experte beim Bundesdatenschutzbeauftragten, diese Methode, räumt aber ein, dass es unklar sei, ob andere Staaten sie übernehmen werden oder lieber weiter die Rohdaten speichern wollen.

Doch manche Probleme der automatisierten Fahndung bleiben auch in der dritten Dimension bestehen. Um eine wirklich erkennungssichere, im Alltag einsetzbare 3-D-Technologie zu haben, sind Systeme nötig, die in der Lage sind, in unterschiedlichen Licht- und Wettersituationen zu arbeiten, sagt Ludwig Turba, bei den Berliner Flughäfen für die Zugangskontrolle zuständig. Seine Behörde bereitet einen Testlauf vor, bei dem 400 Angestellte der Flughäfen mit ID-Karten ausgerüstet werden, auf denen 3-D-Gesichtsdaten gespeichert sind. Damit sollen die Möglichkeiten der Zugangstechnik für den künftigen Großflughafen Berlin-Brandenburg ausgelotet werden.

Generell haben die weltweiten Anstrengungen nach dem 11. September 2001, Staat und Gesellschaft sicherer zu machen, zu einem Boom im Markt für Sicherheitselektronik geführt. Ihr Volumen ist laut IT-Branchenverband Bitkom binnen fünf Jahren um mehr als 60 % gewachsen. Betrug der Umsatz im Jahr 2000 noch 16,6 Mrd. € , so waren es 2005 bereits 26,5 Mrd. €. Fast die Hälfte davon entfällt auf Alarmsysteme. Einen stark steigenden Anteil machen biometrische Produkte aus.

In Europa stellt Deutschland den größten Biometriemarkt. 2006 belief sich der Umsatz auf 120 Mio. €. Bis 2010 erwartet der Bitkom ein Wachstum auf 300 Mio. €. Der weltweite Umsatz der biometrischen Industrie wird nach Schätzungen der International Biometric Group von 1,8 Mrd. € im Jahr 2006 auf 4,8 Mrd. € im Jahr 2010 steigen.

Während die Erkennung von Fingerabdrücken mit einem Umsatzanteil von gut 40 % im Weltmarkt als die wichtigste biometrische Technologie gilt, nimmt die Gesichtserkennung den zweitgrößten Anteil ein. Andere charakteristische und technisch messbare Merkmale sind die Iris und Netzhaut des Auges, die Verteilung der Venen auf der Innen- oder Rückseite der Hand und die Stimme. Der Bitkom sieht ein so großes Potenzial, dass er die Biometrie als einen der sechs „versteckten Champions“ des deutschen Hightechsektors bezeichnet.

Dagegen machen die Anbieter von Videoüberwachungssystemen durch den massenweisen Einsatz in Großbritannien mit 661 Mio. € über dreimal so viel Umsatz wie hierzulande. Mit landesweit geschätzten 4,2 Mio. Kameras ist die Überwachungsdichte dort weltweit am größten. Kein Wunder, dass Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms auch hierzulande nach mehr Investitionen ruft: „Mehr Kameras allein genügen nicht. Videodaten helfen zwar, im Nachhinein Täter zu identifizieren. Ziel muss es aber sein, Vorfälle von Anbeginn an zu verhindern. Genau hierzu trägt intelligente Videosensorik entscheidend bei.“

Kern dabei ist die Bewegungsanalyse. Eine Software filtert die Kamerabilder und wertet sie aus. Steht zum Beispiel ein herrenloser Koffer für längere Zeit auf einem Bahnsteig, schlägt das System Alarm. Aber auch kommerziell lässt sich die Technik nutzen. So fertigt eine Analyselösung des Potsdamer Anbieters Vis-à-pix Marketing-Statistiken über typische Laufwege von Kunden in Geschäften an.

Trotz einiger technischer Schwächen will auch New York nach dem Londoner Vorbild auf die Kameraüberwachung für das Gebiet um die Wall Street herum setzen. Die ersten 115 Apparate will man bis Jahresende installieren.

Um weitaus profanere Dinge als Kriminalitätsbekämpfung geht es bei der Bildersuchmaschine Like: Die ursprünglich auf Gesichtserkennung spezialisierte US-Firma Riya durchsucht ihre umfangreiche Warenpalette nach vom Nutzer ausgewählten Fotoausschnitten. Wer Schuhe wie Tom Cruise oder Schmuck wie Paris Hilton tragen will, kann die begehrten Objekte auf einem Bild digital ausschneiden und online suchen. ULRICH HOTTELET

Biometrie ist in Deutschland ein „versteckter Champion“

Von Ulrich Hottelet

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