Sicherheit

E-Pass steht schon unter Beschuss  

VDI nachrichten, Berlin, 10. 6. 05 – Bundesinnenminister Schily führt die neuen biometrischen Reisepässe bereits im November dieses Jahres ein, doch Datenschützer aus Bund und Ländern fordern schon jetzt Nachbesserungen.

Ab dem 1. November werden mit dem „elektronischen Pass“ (ePass) nur noch Reisepässe mit biometrischen Merkmalen ausgegeben. Zunächst wird auf dem im Buchdeckel integrierten RFID-Chip nur ein digitales Foto gespeichert sein. Ab März 2007 werden auch zwei Fingerabdrücke gespeichert werden.

Die Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder wies jedoch darauf hin, dass noch immer manche biometrische Identifikationsverfahren hohe Falscherkennungsraten aufweisen und oft mit einfachsten Mitteln zu überwinden seien: „Scheinbar besonders sichere Ausweisdokumente werden durch den Einsatz unsicherer biometrischer Verfahren somit plötzlich zu einem Risikofaktor“, stellten die Datenschützer fest.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz Peter Schaar bemängelte, dass ihm bislang ein entsprechendes Sicherheitskonzept nicht zugänglich gemacht worden sei. So hat das Bundesinnenministerium noch immer nicht die Ergebnisse eines umfangreichen Feldtestprogramms zur Finger-, Gesichts- und Iriserkennung veröffentlicht. Eine vorhergehende Studie hatte die Leistungsfähigkeit von Gesichtserkennungssystemen untersucht. Demnach wurden zwischen 8 % und 16 % der Nutzer fälschlicherweise zurückgewiesen. Bei erhöhter Sicherheitsstufe lag die Rate sogar noch höher.

Schaar bot seine Mitarbeit bei der Entwicklung des technischen Schutzkonzepts für den ePass an. Seiner Ansicht nach bietet die für die digitalen Gesichtsdaten vorgesehene „Basic Access Control“ keinen ausreichenden Schutz. Dieser besteht darin, dass das Lesegerät optischen Zugriff auf die Datenseite des Reisepasses haben soll, um die im Funk-Chip gespeicherten Gesichtsdaten lesen zu können. Das Lesegerät muss sich gegenüber dem Chip mit einem geheimen Zugriffsschlüssel authentisieren, der sich aus der maschinenlesbaren Zone des Passes errechnet.

Nach Ansicht von Schaar genüge die Kopie des Passes, um den Schüssel zu errechnen. Als Beispiel führt er die WM 2006 an. Die Ticketbesteller müssen Namen, Geburtsdatum, die Passnummer und das Ausstellungsdatum des Dokuments erfahren. „All diese Merkmale sind die Sicherheitsmerkmale, die für den Schlüssel genutzt werden“, sagt Schaar. „Die Daten sind damit nicht mehr geschützt.“ Auch gewährleiste die Kontrolle nicht, dass nur authentifizierte Geräte benutzt werden. Dies ist nur bei der „Extended Access Control“ möglich, die aber erst für das Auslesen der Fingerabdrücke vorgesehen ist.

Schaar erinnerte daran, dass die Vorgaben der EU-Verordnung zur Einführung biometrischer Pässe erst Mitte 2006 hätten umgesetzt werden müssen. Er appellierte an das Bundesinnenministerium, „die zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen, um ein möglichst hohes Maß an Datenschutz und Sicherheit bei den biometriegestützten Pässen zu erreichen“.

Schily verwies jedoch darauf, dass mit der frühen Einführung der Pässe der Visa-Streit mit den USA gelöst werden konnte. So läuft die Visa-Freiheit für EU-Reisende am 26. Oktober aus. Da die neuen elektronischen Pässe nun zur Verfügung stehen, dürfen auch Bürger mit alten Reisepässen weiterhin ohne Visum in die USA reisen. Die Datenschützer verlangen von der Regierung, durch international festzulegende Standards und Vereinbarungen anzustreben, dass die bei Grenzkontrollen erhobenen Ausweisdaten weltweit nur dann verarbeitet werden dürfen, wenn ein hoher Datenschutz- und IT-Sicherheitsstandard gegeben ist. Tatsächlich kann Deutschland festlegen, ob ein anderes Land die biometrischen Merkmale auslesen darf. Es könnte z. B. nur Ländern den Zugriff erlauben, die einen mit der EU vergleichbaren Datenschutzstandard haben.

Bisherige Pässe können bis zum Ende ihrer Laufzeit weiter verwendet werden. Auch die Pässe mit dem digitalen Bild bleiben zehn Jahre gültig. Erleidet der Chip, auf dem die biometrischen Daten gespeichert sind, einen Defekt, so soll der Reisepass weiterhin gültig bleiben, da das digitale biometrische Merkmal lediglich einen Mehrwert darstellen soll.

Die Preise für die Ausstellung des zehn Jahre gültigen Reisepasses steigen von derzeit 26 € auf 59 €. Die dürften jedoch nicht kostendeckend sein. Das Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) kalkulierte für die Einführung der neuen Ausweisgeneration grob 670 Mio. € Anschaffungskosten plus jährliche Kosten von 610 Mio. €. Pro Pass bedeutet dies rund 140 €. Die Differenz wird der Steuerzahler aufbringen müssen. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

Datenschützer fordern,

– dass die biometrischen Merkmale ausschließlich von den für die Passkontrollen zuständigen Behörden für hoheitliche Zwecke genutzt werden,

– dass die in Ausweisen gespeicherten Daten mit den biometrischen Merkmalen nicht als Referenzdaten genutzt werden, um Daten aus unterschiedlichen Systemen und Kontexten zusammenzuführen,

– dass die für die Ausstellung und das Auslesen verwendeten Geräte nach internationalen Standards von einer unabhängigen Stelle zertifiziert werden,

– dass die verwendeten Lesegeräte in regelmäßigen zeitlichen Intervallen durch eine zentrale Einrichtung authentisiert werden,

– dass eine verbindliche Festlegung der zur Ausgabe oder Verifikation von Dokumenten zugriffsberechtigten Stellen erfolgt,

– dass vor der Einführung biometrischer Ausweise Verfahren festgelegt werden, die einen Datenmissbrauch beim Erfassen der Referenzdaten (sicheres Enrollment), beim weiteren Verfahren und bei der Kartennutzung verhindern,

– dass diese Verfahrensfestlegungen durch eine unabhängige Stelle evaluiert werden.csh/jdb

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