Sicherheitspolitik

„Die Situation spitzt sich weiter zu, das wird Auswirkungen auf den Energiesektor haben“  

Ob Terrorzellen im Jemen oder das Atomprogramm des Irans – für Sami Al-Faraj, Sicherheitsberater der Golfstaaten und Präsident des Kuwait Center for Strategic Studies, ist die Regierung in Teheran ein kritischer, geopolitischer Faktor in der Region. Er warnt vor negativen Folgen für die Rohstoffsicherheit und mahnt eine stringentere Politik der weltweiten Staatengemeinschaft gegenüber dem Iran an. VDI nachrichten, Wien, 22 1. 10, swe

Al-Faraj: Alles andere als gut. Wir haben es mit einer Menge von Risiken und Drohungen zu tun. Das reicht von der Weltwirtschaftskrise über den Terrorismus bis hin zur immer schwieriger werdenden Wasserversorgung. Ganz oben auf der Liste aber steht der Iran, und das ist nicht nur die Sicht der Regierenden der Golfstaaten. Vor einigen Wochen organisierte Katar eine Umfrage in der Region, ob Israel oder der Iran die größere Bedrohung sei. Die Antwort lautete: Iran. Das spricht Bände. Ein Grund ist die zunehmende Aggressivität Irans in der Region, die wir beobachten.

Was wird den Regierenden in Teheran angekreidet?

Seit mehreren Jahren sind sie aktiver in den arabischen Ländern und das mit Mitteln, die wir nicht präsentabel nennen. Sie organisieren und arbeiten mit Organisationen wie der Hisbollah und der Hamas. Nun fügen sie die schiitischen Huthis im Jemen hinzu. Auch wir haben es mit Terrorismus zu tun, neben einer Reihe von territorialen Streitigkeiten. Die Ambitionen Teherans sind kein Geheimnis, und für uns ist ein in der Region dominierendes nuklear gerüstetes Iran schlicht und einfach nicht akzeptabel.

Sie sprachen über eine zunehmende iranische Aggressivität, die zu denken gibt. Wie schaut das konkret aus?

Die Attacke auf ein Ölfeld auf irakischem Territorium, wohl wissend, dass immer noch amerikanische Truppen im Land sind, die auch die territoriale Integrität des Landes sichern sollen, spricht Bände. Und das war nicht die einzige Grenzverletzung. Wie es aussieht, spielen nach dem Wahlfiasko im Juni und der nach wie vor aktiven iranischen Opposition auch innenpolitische Überlegungen mit. Die Spannung steigt.

Mit Folgen für die Ölversorgung?

Sehr wahrscheinlich. Nicht zuletzt wegen des Auflaufens des Versuches, Teheran mit deutlich spürbaren Sanktionen der Vereinten Nationen zum Einlenken zu bringen. Nun spitzt sich die Situation weiter zu und das wird Auswirkungen auch auf den Energiesektor haben. Einen Ölpreis von mehr als 100 $/Barrel halte ich in diesem Jahr sehr wohl für wahrscheinlich. Und da denke ich nicht einmal an einen militärischen Konflikt. Wir verfolgen zum Beispiel mit einigen Sorgen auch die iranischen Manöver vor den irakischen Parlamentswahlen, die im März über die Bühne gehen sollen.

Was genau bereitet Ihnen da Sorgen?

Es geht um Versuche, nicht pro-iranische Kandidaten aus den Wahlen herauszuhalten. Die Regierung Maliki arrangiert das weitgehend. Das erinnert an das Filtersystem, das im Iran verhindert, dass Oppositionelle ins Parlament gelangen. Dahinter steht die Absicht Teherans, die Hände so gut es geht an das irakische Staatssteuer zu bekommen. Weder die Amerikaner noch die Europäer legen sich übrigens sonderlich ins Zeug, um dem entgegenzusteuern.

Iranische Diplomaten erwähnten, dass Teheran keine regionale, sondern eine globale Strategie verfolgt. Wie ist das zu verstehen?

Das ist diese messianische Konzeption, die der iranische Präsident Ahmadinejad vor der UN erwähnte hat und von der auch Ayatollah Khameinei hin und wieder spricht: Der 12. Imam, der – wie dort geglaubt wird – im neunten Jahrhundert verschwand und in einer chaotischen Endzeitphase zurückkommen soll, um den Rest der Welt in eine schiitische Gesellschaft umzuwandeln.

Nach dem, was wir wissen, hat die gesamte iranische Regierung das unterschrieben. Das erklärt nicht alles, was im Iran dieser Tage passiert, aber eine Menge. Auch die Operationen der Hisbollah in Venezuela und anderen Ländern Lateinamerikas.

Inwieweit treibt das die in Teheran getroffenen außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungen tatsächlich?

Das haben wir im Kuwait Center for Strategic Studies ausgeleuchtet. Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter, andere auch nicht.

Sie nahmen erst vor wenigen Wochen an einem Symposium des Middle East Institute in Washington teil. Wie beurteilen die Amerikaner dies Ihrer Meinung nach?

Sie hören zu und sind informiert. Wir sehen aber nicht unbedingt stets die für uns logischen Konsequenzen in dem, was folgt. Wir hatten zum Beispiel davor gewarnt, zu viel Hoffnungen in den Versuch der Fünf plus Eins (der fünf Mitglieder des Sicherheitsrates plus Deutschland) zu investieren, Teheran mit gutem Zureden und wirtschaftlichen Anreizen von seinem nuklearen Abenteuer abzubringen. Allein die politischen und mittlerweile enormen wirtschaftlichen chinesischen Interessen im Iran machen wenig wahrscheinlich, dass alle im Boot in die gleiche Richtung rudern. Was wir jetzt sehen, gibt uns recht. Leider.

Im Kreis der Golfstaaten, von Saudi-Arabien über die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain bis zu Kuwait, gibt es keine Zweifel, wohin Teheran das nukleare Vorhaben steuert?

Schauen Sie sich diese enormen Investitionen an. Um einige Kraftwerke zu betreiben, macht das keinen Sinn. Und dann ist da neben der Urananreicherung der Reaktor Arak, der Plutonium liefern wird. Diese Doppelstrategie räumt wohl letzte Zweifel aus. Bei uns stoßen die Befürchtungen der Israelis jedenfalls auf wachsendes Verständnis.

Wie weit ist Teheran von dem vermuteten Ziel entfernt?

Wie Paris, London, Berlin und Moskau rechnen wir damit, dass die Iraner in ein bis drei Jahren über die ersten Kernwaffen verfügen werden, wenn nicht wirksam gegengesteuert wird. Was uns ebenfalls Sorgen macht, das ist die seit den Neunzigerjahren vorangetriebene Zusammenarbeit der Nordkoreaner und der Iraner in der nuklearen wie der raketentechnischen Arena. Das sieht nicht gut aus.

Nicht nur Teheran scheint sich mehr für den Jemen zu interessieren. Was wissen wir über das Verhältnis von Al-Qaida zu dem iranischen Regime?

Nach unseren Kenntnissen managen beide eine Art Interessengemeinschaft im Jemen. Wenn die Huthis in einem Teil des Landes der Regierung in Sanaa zu schaffen machen, schafft das Freiräume für Al-Qaida anderswo. Dass es beiden auch darum geht, Saudi-Arabien und Ölinstallationen in der Nachbarschaft zu bedrohen, wissen wir. Ähnlich dem, was im Irak passiert.

Die US-amerikanische Außenministerin Hillary Clinton sagte im vergangenen Jahr den Golfstaaten zu, sie unter den militärischen Sicherheitsschirm der USA zu nehmen. Beruhigt das nicht?

Nicht übermäßig. Bereits jetzt sehen wir die Suche nach zusätzlichen sicherheitspolitischen Optionen. Auch in Europa übrigens. JAN HÖHN

Von Jan Höhn

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