Ernährung

Die mageren Jahre sind endgültig vorbei  

Pflanzliche Verbindungen, die mit den Fetten aufgenommen werden, können vor Tumoren schützen.

Fettarme Ernährung allein schützt noch nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsformen. Zu diesem Ergebnis kommt eine der bisher größten Untersuchungen im Rahmen der amerikanischen „Women“s Health Initiative“.

In der über acht Jahre laufenden Studie, an der rund 50 000 Frauen ab 50 Jahre teilnahmen, wurde der Einfluss einer fettreduzierten Kost auf die Gesundheit untersucht. Während eine Hälfte der Probandinnen strikte Diät einhielt, behielt die andere Gruppe ihre Ernährungsgewohnheiten bei.

Das Ergebnis hat selbst Experten überrascht: „Es gibt keine signifikanten Effekte einer fettarmen Kost auf das Herz-Kreislauf-System. Auch das Risiko, an Brust- oder Darmkrebs zu erkranken, verringert sich dadurch nicht nennenswert“, resümiert Ross L. Prentice, Studienleiter am Fred Hutchinson Cancer Research Center. Es reiche demnach offenbar nicht aus, nur die Fettmenge zu reduzieren. Vielmehr komme es darauf an, welche Fette konsumiert würden, so die Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachblatt JAMA veröffentlicht haben. Zwar gilt dieser Schluss streng genommen erst für Frauen ab 50, andere Untersuchungen weisen aber auf einen entsprechenden Zusammenhang auch für Männer.

Anhaltspunkte dafür, dass pflanzliche Fettverbindungen und Öle eine Schutzwirkung besitzen, gibt es schon länger. So weisen die Mittelmeerländer mit ihrem traditionell hohen Olivenölkonsum eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate bei Brust- und Darmkrebs auf als nördliche Länder, die anderen Speiseölen den Vorzug geben.

Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben jene Verbindungen untersucht, welche eine gesundheitsfördernde Wirkung vermuten lassen. Dazu gehören die so genannten Phenole und Lignane, Verbindungen, die besonders reichlich in Olivenöl enthalten sind. Sie schützen nicht nur pflanzliche Zellen vor dem Angriff reaktiver Moleküle und vor Stress. Wie die Forscher in Reagenzglasversuchen und in Stoffwechseluntersuchungen an Tieren herausfanden, hemmen die Stoffe das Zellwachstum von Tumoren der Haut, der Brust sowie bei Darm- und Lungenkrebs.

Die Wissenschaftler klärten auch den Mechanismus dahinter auf: „Lignane besitzen eine ähnliche chemische Struktur wie das weibliche Geschlechtshormon Östradiol“, erläutert Prof. Robert W. Owen von der Abteilung für Toxikologie und Krebsrisikofaktoren am DKFZ. Dadurch komme es zu einem Verdrängungswettbewerb im Organismus, bei dem der pflanzliche Stoff die Bildung des weiblichen Hormons blockiert. Dieses kommt auch in Fettzellen vor und entsteht beim männlichen Geschlecht durch Umwandlung von Androgenen.

Eine andere Schutzwirkung entfalten so genannte Squalene. Diese Vorstufe des Cholesterins ist in Olivenöl in höheren Mengen enthalten als in Keimölen, fand Owen heraus. Beim Genuss von Olivenöl werden die Verbindungen in Hautzellen eingelagert. Dort entschärfen sie hochreaktive Sauerstoffmoleküle, die durch erbschädigende UV-Strahlung beim Sonnenbaden entstehen.

Während für bestimmte pflanzliche Fette und Öle eine Schutzwirkung belegt ist, „bleibt der Einfluss tierischer Fette bei der Tumorvorbeugung weiter undeutlich. Hinweise auf Kausalbeziehungen fehlen bislang“, heißt es in einem Bericht von World Cancer Research Fund und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Immer mehr rückt die Rolle von tierischen Fetten als Energieträger ins Visier der Forscher: Erst wenn ein Übermaß davon Übergewicht und Fettleibigkeit verursachen, wirke das als Risikofaktor für verschiedene Krebsarten. SILVIA VON DER WEIDEN/ber

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