Sicherheit

Die „kleine Rasterfahndung“ in greifbarer Nähe

Nach dem 11. September sind Ermittler und Staatsschützer mit erweiterten Lizenzen zum Datensammeln ausgestattet worden. Einen wichtigen Bestandteil stellen dabei die Befugnisse zum Abfragen von Verbindungsdaten im gesamten Telekommunikationsbereich vom Handy bis zum Internet dar.

Der neu geschaffene § 100g der Strafprozessordnung (StPO) sieht vor, dass Netzanbieter neben bereits gespeicherten auch künftige Telekommunikationsdaten wie Beginn und Ende einer Verbindung, Standortkennungen oder Rufnummern herausgeben müssen. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Hansjürgen Garstka spricht vor allem im Web-Bereich von einer „gravierenden Änderung, da dort gemäß der Teledienste-Datenschutzverordnung Verbindungs- und Nutzungsdaten bislang nicht zu archivieren gewesen seien.&ldquo

Mit vergleichbaren Befugnissen sind mit dem In-Kraft-Treten des Anti-Terrorismusgesetzes aus dem Bundesinnenministerium auch die Geheimdienste bedacht worden. Die Telcos rechnen daher mit gestiegenen Kosten für die Erbringung der unfreiwilligen Überwachungshilfsleistungen. „Wir beschäftigen allein fünf Mitarbeiter zur Bearbeitung von Anfragen nach solchen Daten“, erklärt der Datenschutzbeauftragte der Deutschen Telekom, Thomas Königshofen. Der Konzernetat werde bereits mit Beträgen im zweistelligen Millionenbereich belastet. Besonders aufwändig sei die so genannte Zielwahlsuche, bei der die Netzbetreiber herausfinden müssen, wer bei einer zu observierenden Person in den vergangenen Wochen alles angerufen hat. Da die Aufzeichnungen der Anbieter nur von der Kommunikationsquelle ausgehen, müssten wegen eines Beschuldigten dazu sämtliche Verbindungen der rund 40 Mio. Telekom-Kunden geprüft werden. Die kleine Rasterfahndung gehört damit zum bundesdeutschen Alltag.

Die Telekom hat bei Jürgen Welp, Rechtsprofessor an der Universität Münster, allerdings bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben. Darin wird bestätigt, dass die Zielwahlsuche aufgrund der unverhältnismäßigen Datenüberprüfung unbeteiligter Bürger verfassungswidrig ist. Die Betroffenen selbst erfahren in der Regel nichts von den Verletzungen ihres informationellen Selbstbestimmungsrechts. „Es könnte also durchaus sein, dass wir aufgrund der Kosten vors Verfassungsgericht ziehen“, kündigt der oberste Datenschützer der Telekom an.
STEFAN KREMPL

Telekommunkationsüberwachung: Hacker sehen kritische Technik-Auseinandersetzung gefährdet

Chaos Computer Club stellt sich gegen „Big Brother“

VDI nachrichten, Berlin, 25. 1. 02 –

Der 18. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Club (CCC) stand unter dem Motto „Hacking is Not a Crime“. Die VDI nachrichten sprachen mit Andreas Müller-Maguhn, Sprecher des CCC und europäischer Direktor bei der Netzverwaltung ICANN, über die Zukunft der Szene nach dem 11. September.

VDI nachrichten: In den letzten Monaten wurden eine Reihe von Gesetzen und Konventionen verabschiedet, mit denen die Aufklärungsarbeit der Hacker in die Zielscheibe gerät.

Müller-Maguhn: Die Cybercrime-Konvention des Europarats ist im Windschatten des 11. Septembers stillschweigend verabschiedet worden – obwohl selbst die Industrie kritisiert hatte, dass dadurch von vornherein die Verfügbarkeit von Werkzeugen zum Testen der Sicherheit von Computersystemen kriminalisiert wird. Auch die EU-Urheberrechtsrichtlinie bedroht den Zugang zu öffentlichen Informationen etwa im Bibliotheksumfeld.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie die konkreten Gefahren?

Müller-Maguhn: Die Urheberrechtsrichtlinie ist ein Quantensprung, weil sie an die Stelle des bisherigen Interessensausgleichs zwischen Urhebern, Verlegern, öffentlichen Stellen oder den Nutzern eine Regelung setzt, die nicht nur das Entfernen von Techniken zum Urheberrechtsschutz verbietet, sondern auch schon dazu potenziell behilfliche Informationen und Werkzeuge. Darunter fallen im Zweifelsfall einfach „Computer“, die ja letztlich Kopiermaschinen sind. Was wir Hacker betreiben, ist immer eine Auseinandersetzung mit Sicherheitstechnologien und ihrer Funktionsweise. Damit wollen wir den illusorischen Eindruck erst gar nicht aufkommen lassen, es gäbe „die totale Sicherheit“.

VDI nachrichten: Müssen Hacker mit einer groß angelegten Verfolgung rechnen?

Müller-Maguhn: Die Rahmengesetzgebungen lassen befürchten, dass es zu einer neuen Form von Klageverfahren gegen Hacker kommt. Andererseits bin ich halbwegs optimistisch, dass die „gnadenlose“ Auseinandersetzung mit Technologie ohne die ständige Beachtung der Vorgaben der Software- und Gerätehersteller in unserem Kulturkreis eine gewisse Anerkennung bis in die Ministerien hinein gefunden hat. Schließlich werden nur dadurch Sicherheitslücken gefunden, die die Softwarehersteller gerne verschweigen.

VDI nachrichten: Ist denn Datenschutz in der vernetzten Welt nach den Terroranschlägen in den USA überhaupt noch möglich?

Müller-Maguhn: Ich habe da Zweifel, vor allem, wenn es um das informationelle Selbstbestimmungsrecht geht. Eigentlich kann davon angesichts des Zugriffs auf die Verbindungsdaten von staatlicher Seite aus nicht mehr die Rede sein. Wir müssen uns daher nach neuen technischen Konzepten umschauen. Nachdem im Internetbereich die E-Mail-Verschlüsselung möglich ist, muss es jetzt darum gehen, mit neuen Kommunikationsprotokollen die Verbindungsdaten zu verschleiern.

STEFAN KREMPL

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