Gesundheit

Die Infobahn macht Computer zu Lebensrettern

Klinische Datennetze können Patienten das Leben retten und Ärzten die Arbeit erleichtern. Kühle Rechner überzeugt der Telematikeinsatz im Gesundheitswesen mit Rationalisierung und Kosteneinsparung.

Ein schwerer Motorradunfall auf einer abgelegenen Landstraße. Im nächstgelegenen Kreiskrankenhaus wird der Verunglückte mit dem Computertomographen durchleuchtet. Vor allem die Halswirbelsäule und der Kopf machen dem behandelnden Radiologen Probleme. Rat suchend wendet er sich an seine Kollegen in der 100 km entfernten Unfallklinik und schickt ihnen per ISDN-Leitung die digitalen Aufnahmen. Das dauert nur wenige Minuten. Der Neuroradiologe vergrößert sich die Bilder und findet tatsächlich in einem Halswirbel einen feinen Bruch. Bevor der Patient verlegt wird, muss sein Nacken für den Transport fixiert werden. Eine falsche Bewegung, und der Mann wäre querschnittsgelähmt.
Konsultationen dieser Art werden erst durch den Einsatz modernster Informationstechnik möglich. „Durch Telematik können wir die Sparvorgaben im Gesundheitswesen einhalten und unseren Patienten trotzdem ein hohes Versorgungsniveau bieten“, betont Dr. Rainer Braunschweig, Direktor der Klinik für bildgebende Diagnostik und Interventionsradiologie am berufsgenossenschaftlichen Klinikum Berg-manns-trost in Halle an der Saale. Im Zentrum der Bemühungen steht die Rationalisierung der Arbeitsabläufe durch eine Vernetzung aller Akteure. Allerdings steckt der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien hierzulande noch in den Kinderschuhen. Während einzelne Kliniken ihre hauseigenen Netze miteinander verschalten, steht der Telematikeinsatz zwischen Kliniken und bei den niedergelassenen Ärzten noch ganz am Anfang. Verzögernd wirken hier nicht nur interne Faktoren wie die traditionelle Zersplitterung im Gesundheitswesen oder einfach finanzielle Hürden, sondern auch fehlende rechtliche Grundlagen und noch nicht befriedigend gelöste Probleme beim Schutz der besonders sensiblen Patientendaten.
Pioniere beim Aufbau klinischer Telematiknetze sind die radiologischen Abteilungen. Sie verwenden computergestützte Bildarchivierungs- und -kommunikationssysteme, so genannte PACs, um das immense Aufkommen der verschiedenen bildgebenden Verfahren zu kanalisieren. Auf einem zentralen Bildserver werden die Aufnahmen digital gespeichert und den zuständigen Ärzten auf den Bildschirm überspielt. „In Deutschland setzen erst 5 % der Kliniken ein solches System ein, in den USA sind es bereits 35 %“, weiß Michael Wagemann, Verkaufsdirektor Medical Imaging bei Agfa Deutschland. Der Konzern sieht sich mit insgesamt 400 weltweit installierten PAC-Systemen als Marktführer.

Der Patient kann die Station sofort wieder verlassen

„Der Arbeitsablauf wird deutlich verkürzt: Der Patient kann die Station sofort wieder verlassen, und den Ärzten stehen die Bilder wesentlich schneller zur Verfügung“, betont Professor Klaus Jürgen Pfeifer vom Institut für Diagnostische Radiologie an der Chirurgischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Wanderte früher eine Abbildung von Hand zu Hand, werden die Bilddateien heute einfach kopiert und parallel verteilt. Für PACs spricht zudem die Ersparnis an Verbrauchsmaterial, in München jährlich ein größerer sechsstelliger Betrag. Ein 100-Terabyte-Archivserver bietet hier ausreichend Speicherplatz für die Bilddateien. Über das interne 100-MByte-Glasfasernetz, an das die LMU-Kliniken und das Großkrankenhaus Großhadern angebunden sind, können auch 4 MByte große Dateien blitzschnell verschickt werden.
Mehrfach verwendbare digitale Speicherfolien binden analoge Radiologiegeräte in die Computernetze ein. Die Speicherfolie wird statt der üblichen Bildplatte eingelegt und dann in einem digitalen Auslesegerät abgetastet. Festkörperdetektoren oder die von Agfa verbesserte Speicherfolientechnologie werden die Geräte der nächsten Generation bruchlos in das Computernetz einbinden. Erste Testgeräte werden noch in diesem Jahr erprobt.
Ganz allmählich wächst aus solchen Insellösungen ein klinikweites Informationsnetz. So muss ein Bildverwaltungssystem durch ein computergestütztes Radiologieinformationssystem für die Abteilungsverwaltung ergänzt werden, das die Stationsbelegung oder Patientendateiverwaltung erledigt, aber gleichzeitig auch Diagnosen und den begleitenden medizinischen Schriftverkehr aufnimmt. Weitere Stationen, etwa Kardiologie, Intensivstation oder Labor sollen jetzt folgen. Zusammen mit der belgischen Softwarefirma Quadrat testet Agfa in Brügge ein IT-Netz für die Neurologie des dortigen Krankenhauses.

Elektronische Signatur noch immer nicht verbindlich

Neu ist hier ein Wissensserver, der den dortigen Fachärzten mit stets aktuellen Informationen über klinische Symptome und die jeweils aktuellen Therapiemöglichkeiten hilft.
Mit dem Krankenhausinformationssystem der allgemeinen Verwaltung sind solche klinischen Informationssysteme ebenfalls vernetzt. In den LMU-Kliniken hat man den bereits existierenden Informationsverbund genutzt, um die hausinternen Patientenakten in elektronischer Form zu führen. An den Grenzen des Kliniknetzes macht der Telematikeinsatz allerdings halt. Eine Anbindung von externen Partnern, seien es niedergelassene Ärzte oder andere Krankenhäuser, ist – vor allem wegen ungelöster Datenschutzprobleme und mangelnden gesetzlichen Regelungen – nicht vorgesehen. Die elektronischen Radiologie-Aufnahmen verlassen das Haus nur auf CD gebrannt.
Die Radiologie am Hallenser berufsgenossenschaftlichen Klinikum Berg-manns-trost erprobt dagegen bereits den Datenaustausch mit acht Partnerkliniken aus dem In- und Ausland. Höchste Priorität hat dabei der Datenschutz. So wird immer nur ein Satz von Patientendaten vom gesicherten Archivserver auf einen speziellen Webserver, der sich vor der Klinik-Firewall befindet, gespielt. Dort sind die Daten mit einem Code gesichert und bleiben überdies nur eine kurze Zeit gespeichert. Per Telefon wird dann der Adressat der Datei verständigt, der sie sich während des Zeitfensters herunterladen kann. „Unser Modell wird vom Landes-Datenschutzbeauftragten als beispielhaft eingestuft“, notiert Radiologiechef Rainer Braunschweig zufrieden. Für einen kontinuierlichen Datenaustausch mit zahlreichen Partnern eignet es sich allerdings nicht.
Eine umfassende elektronische Gesundheitsakte, die den Krankenversicherten wie in Großbritannien sein Leben lang begleitet, steht hierzulande noch ganz am Anfang. Neben Datenschutz und Zugriffsregelungen gibt es ganz praktische Probleme: Informationen sind dezentral in den verschiedensten Formaten gespeichert, die längst nicht alle elektronisch verfügbar sind. Im Erftkreis, vor den Toren Kölns, soll in diesem Jahr ein Pilotversuch starten, in dem mit einer übergreifenden Patientenakte experimentiert wird.
Bei den niedergelassenen Ärzten gibt es Netze bislang nur als Modellversuche – nicht zuletzt weil die Stellung solcher Ärztenetze im Gesundheitssystem noch nicht eindeutig geklärt ist. „Dabei können sie einen Teil der stationären Aufgaben ambulant erledigen und das System insgesamt entlasten“, betont der Kölner Medizinconsultant Dr. Uwe Eissing. Er betreut einen Modellversuch in Niedersachsen: das Ärztenetz Nord-Ems. 59 Ärzte aus mehreren Landkreisen, ein Krankenhaus und demnächst auch 17 Apotheker sind an dieses Netz angeschlossen. Gerade in ländlichen Gebieten bieten Datennetze den Patienten bedeutenden Mehrkomfort. Die Netzteilnehmer tauschen elektronisch Patientenakten, Befunde, Überweisungen und, sobald die Apotheker mitmachen, auch Rezepte aus.
Vom St. Ingberter Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT stammt das Herzstück des Ärztenetzes, die Kommunikationssoftware Padok. Sie muss höchsten Sicherheits- und Datenschutzansprüchen genügen und auch die Rechte der Beteiligten berücksichtigen. So kennt ein überweisender Arzt wegen des Patientenrechts der freien Arztwahl den Adressaten nicht und kann deshalb nicht einfach eine E-Mail mit Überweisung, Vorbefunden und diagnostischem Material abschicken.
Die Dokumente werden stattdessen an einen zentralen Kommunikationsserver gesandt, der die Dateien nur Berechtigten zugänglich macht. Mit einer digitalen Signaturkarte weist sich jeder Teilnehmer des Ärztenetzes aus und verschlüsselt auch die Dateien. Der Patient erhält vom ausstellenden Arzt einen Code, mit dem er den empfangenden Arzt oder die Apotheke berechtigt, die entsprechenden Dateien vom Padok-Server herunterzuladen. Dabei kann ein Datentransfer nur vom Padok-Server initiiert werden. Wird der Zentralrechner angewählt, nimmt er nur die Telefonnummer des Anrufers entgegen. Ist der Anrufer bekannt, baut der Rechner eine eigene Verbindung zur Gegenseite auf, über die dann der Datenaustausch läuft. Dafür genügen ISDN-Leitungen, weil keine Bilddateien verschickt werden. „Die Erfahrung zeigt, dass die Ärzte vornehmlich Befunde austauschen“, weiß Medizinconsultant Eissing. HOLGER KROKER
Patienten gut versorgen und zugleich Kosten senken. Dazu soll die Telematik im Medizinbereich (im Bild die Mitarbeiter eines Projektes der Berliner Humboldt-Universität) beitragen. Doch die Technik steht in Deutschland noch in den Kinderschuhen.
Am Telemedizin-Arbeitsplatz können Fachärzte per Videokonferenz die Röntgenbilder eines Patienten begutachten und Diagnosen stellen.

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