Sicherheit

Deutsche Tunnel sicher

Sie sind relativ kurz und haben meist getrennte Fahrbahnen.

Die Katastrophe im Montblanc-Tunnel stellt die Frage: Muß jetzt die Angst mitfahren, wenn bei einer Reise in den Süden Autofahrer etwa die Gotthard- oder Tauern-Autobahn benutzen oder im Berufsverkehr die Elbe unterqueren? Antwort: Ein zweiröhriger Straßentunnel ist sicherheitstechnisch dem einröhrigen Bauwerkstyp – für den sich die Franzosen unter dem Montblanc entschlossen hatten – überlegen. Über zwei Röhren verfügt zum Beipiel der Arlberg-Tunnel in Österreich, und auch die meisten Straßentunnel in Deutschland sind mit zwei Fahrröhren ausgestattet. Im Falle eines Brandes kann so die Feuerwehr gezielt zum Brandherd vordringen.
Axel Kuchenbecker von der Bundesanstalt für Straßenwesen: „In Deutschland ist die Katastrophengefahr im Tunnel gering.“ Eine unterirdischen Straßenführung bliebe in der Bundesrepublik auf relativ kurze Strecken beschränkt, und überdies seien die Tunnel konstruktiv und lüftungstechnisch nach dem neuesten Stand der Technik geplant und ausgeführt. Wichtigster Aspekt: „Die meisten deutschen Straßentunnel verfügen über zwei Röhren.“
Martin Schäfer, Studienanstalt für unterirdisches Bauen (Stuva), Köln: Der unlängst eröffnete Tunnel „Königshainer Berge“ – er entstand im Zuge der Autobahn Bautzen-Görlitz bei Thiemendorf – sei nicht zuletzt aufgrund sicherheitstechnischer Aspekte von vornherein doppelröhrig gebaut worden. Mit 3,3 km Länge gilt das Bauwerk auf der Transitroute von Dresden nach Polen als der gegenwärtig längste Straßentunnel in Deutschland. „Querschläge“ gestatten an mehreren Stellen des Bauwerks, im Katastrophenfall die Röhre zu wechseln. Das gleiche bietet auch der 2,8 km lange Hamburger Elbtunnel.

Separater Fluchtstollen sichert einröhrigen Gotthard-Tunnel

Schlechter sieht es hingegen bei den Alpentunneln in Österreich aus. So verfügen der 6,4 km lange Tauern- und der 5,4 km lange Katschbergtunnel jeweils nur über eine Röhre. Doch hier läuft der Verkehr ampelgeregelt nur in jeweils eine Richtung, so daß ein möglicher Brand besser beherrschbar bleibt.
Beim St.-Gotthard-Straßentunnel in der Schweiz, dessen zweite Röhre einem Baustopp zum Opfer fiel, herrscht indes – wie unter dem Montblanc – Gegenverkehr. Doch bei dem 16,3 langen Bauwerk zwischen dem Kanton Uri und dem Tessin gibt es einen separaten Fluchtstollen, so daß diese wichtige europäische Nord-Süd-Verbindung unter dem Gotthard-Massiv als weitgehend sicher bezeichnet werden kann.
„Der Bau von Fluchtstollen wird ansonsten von den Tunnelbetreibergesellschaften vielfach abgelehnt,“ weiß Stuva-Sprecher Schäfer. Eine solche Baumaßnahme käme fast genau so teuer wie die Errichtung einer zweiten Fahrröhre, argumentieren vor allem die österreichischen Tunnelbetreiber. Entsprechend seien – nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen – bei dem Tauern- und Katschbergtunnel eine zweite Röhre in Vorbereitung. Der 13,9 km lange Arlbergtunnel verfügt aber bereits über zwei Röhren.
Ein Tunnel mit zwei getrennten Fahrbahnen habe nicht nur den Vorteil, daß die Feuerwehr durch die vom Brand unbehelligt gebliebene Röhre zum Ort des Geschehens vordringen könne , erläutert Schäfer. Durch entsprechende Steuerung moderner Axialventilatoren ließe sich im Brandfall in der betreffenden Röhre eine gezielte Längsentlüftung erzeugen, wodurch der gefährliche Rauch über den dann gesperrten Teil des Tunnels fortgeführt werden könne.
Entsprechend gilt es nun, beim Montblanc-Tunnel entweder einen Fluchtstollen oder eine zweite Fahrröhre zu bauen. Das gleiche gilt für den San-Bernadino-Tunnel, der – so Schäfer – baulich und verkehrstechnisch mit dem Tunnel unter dem Montblanc vergleichbar sei.
ELMAR WALLERANG
Längster Straßentunnel Deutschlands: Die unlängst eingeweihte Unterfahrung der Königshainer Berge der Autobahn Bautzen-Görlitz erreicht eine Länge von 3,3 km und verfügt über einen hohen Sicherheitsstandard – zum Beispiel über Querverbindungen zwischen den beiden Röhren.
Montblanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien: Das im Jahre 1958 errichtete Bauwerk verfügt nur über eine Fahrröhre und einige Fluchträume.

Von Elmar Wallerang
Von Elmar Wallerang

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