Gesundheit

Der Streß als täglicher Begleiter

Zielvorgaben und Projektarbeit bestimmen zunehmend die Arbeit von Ingenieuren. Leicht werden Angestellte zu ihren eigenen Antreibern oder geben erschöpft auf.

Der größte Freund der Stempeluhr sind heute die Gewerkschaften. Was früher Symbol der Kontrolle war, dient zunehmend dem Schutz von Ingenieuren, Wissenschaftlichen Mitarbeitern, Managern und anderen hochqualifizierten Angestellten, die überwiegend in Projekten oder mit Zielvorgaben arbeiten. „Denn je weniger gestempelt wird, desto mehr wird gearbeitet“, stellt Elisabeth Lederer, Forscherin und Betriebsrätin im DaimlerChrysler Forschungszentrum in Ulm, fest. Unter den etwa 800 Mitarbeitern, die sich mit der Informationstechnologie rund ums Auto befassen, opferten sich vor allem die Projektleiter für die Firma auf und litten unter dem Druck ihrer Aufgaben.
„Wenn den Arbeitsverträgen Zielvereinbarungen statt Wochenstunden zu Grunde liegen, dann wird das unternehmerische Risiko auf die Arbeitnehmer verlagert“, sagt Lederer. Wer Karriere machen und gute Projektergebnisse vorzeigen wolle, investiere eben seine private Zeit in die Aufträge seines Arbeitgebers – und das oft unbezahlt.
Bei Diplomanden und Doktoranden, die auf eine feste Stelle hoffen und sich im Betrieb beweisen wollten, sei das nur ein vorübergehendes Phänomen. Auch werde deren Engagement am Ende mit einem Titel „versüßt“. Aber wenn Überstunden zu einem Dauerzustand werden, können besonders Angestellte mit Familien und anderen „Verpflichtungen neben der Arbeit“ nicht mehr mithalten. Im Dauerstreß büßen sie nicht nur den Spaß an der Arbeit, sondern auch ihre Kreativität ein.
Die Entwicklungsingenieure in Ulm stehen mit diesem Problem nicht allein. Auch bei IBM in Düsseldorf stellten die Angestellten schon Ende 1997 fest, daß „Druck und Arbeit ohne Ende“ nicht mehr nur noch eine Übergangserscheinung der seit 1992 durchgeführten Reorganisation des Unternehmens waren. Wilfried Gließmann, Informatiker und Vorsitzender des IBM-Gesamtbetriebsrates, analysiert: „Durch die neuen Unternehmensstrukturen werden die Angestellten zu unselbständig Selbständigen im eigenen Unternehmen.“ Genau wie für die Erfüllung von Projektzielen durch einen einzelnen Angestellten gelte für Arbeitsgruppen und Abteilungen, die immer näher am Kunden oder am Markt operieren: „Tut was ihr wollt, aber ihr müßt erfolgreich sein.“ Abteilungen die nicht erfolgreich sind, werden im Laufe der Zeit verkleinert oder geschlossen, die Angestellten verlieren ihren Arbeitsplatz.
Die Freiheiten der neuen Selbständigkeit seien zwar für viele zunächst etwas „ganz Tolles“, das sie auch stark motiviere, erklärt Gließmann. Doch mit der Zeit bestehe die Gefahr, daß die Gleichzeitigkeit von ausführender Tätigkeit und eigener Wirtschaftlichkeitskontrolle zu ständiger Arbeitsüberlastung führt. In dem Gefühl, nie gut genug zu sein, arbeiten die Mitarbeiter länger und intensiver als sie es auf die Dauer aushalten können. In diesem Klima steigt die Angst, von anderen Mitarbeitern ersetzt und entlassen zu werden. Die Stimmung im Büro wird frostig.
Von einer „eigenartigen Mischung aus Fremd- und Selbstausbeutung“ spricht Ulf Kadritzke, Professor an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin, mit Blick auf die „hochqualifizierten Angestellten im mittleren Management“. Deren Arbeitszeiten hätten unter den neuen Managementmethoden wie „Dezentralisierung und Downsizing, flache Hierarchien und Netzwerkorganisation, flexible Beschäftigungsformen und fremdbestimmte Selbstorganisation“ in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen.
Außertariflich bezahlte Fachleute und Führungskräfte arbeiteten meist 48 bis 60 Stunden pro Woche. Viele Angestellte erlebten das als „stummen Zwang zu überdehnten Anwesenheitszeiten“, meint Kadritzke, der bei einem Viertel zu „deutlichen Konflikten“ mit dem privaten Leben führe. Vor allem wenn die Freude am „Lustprinzip der Professionalität“ nach den ersten Berufsjahre abklinge, blieben die Manager und leitenden Angestellten mit dem frustrierenden Gefühl zurück, es nicht mehr schaffen zu können. „Langfristig ist eine solche Arbeitszeit auch betriebswirtschaftlich genauso unsinnig wie Mobbing oder Alkohol in der Firma“, ist Ulf Kadritzke überzeugt.
Ein mögliches Mittel gegen die ausufernden Arbeitszeiten ist laut Kadritzke der Teilzeitmanager. Doch gerade auch in der „männlichen Ingenieurkarriere“ sei die Bereitschaft gering, sich auf Teilzeitarbeit für Führungskräfte einzustellen. Statt dessen gelte die lange Anwesenheit am Arbeitsplatz immer noch als heimlicher Ausweis von Kompetenz und aussichtsreichster Weg, befördert zu werden. Kadritzke: „In der Kantine brüsten sich die Führungskräfte damit, wer die meisten Überstunden vor sich herschiebt.“
Doch es geht auch anders. Gerade an Stellen, an denen projektorientiert gearbeitet wird, lasse sich Teilzeitarbeit auch über das sogenannte Sabbatical organisieren, sagt Jana Jelenski, Mitarbeiterin der Arbeitszeitberatung Dr. Hoff, Weidinger & Partner in Berlin. Sabbatical – abgeleitet von dem jüdischen Feiertag Sabbat – bedeutet, während eines Projektes Mehrstunden zu leisten, um diese Stunden in einem Urlaub von mehreren Monaten abzufeiern. Mit solchen Arbeitszeitmodellen arbeiten inzwischen Unternehmen wie Hewlett Packard, Debis oder die Bertelsmanndruckerei Mohndruck in Gütersloh. „Ein höherer Arbeitsanfall während der Projekte läßt sich oft nicht verhindern“, so Jelenski. Bei der Firma E-Plus beispielsweise habe man sich von Anfang an darauf eingestellt, den hohen Arbeitszeitbedarf der Aufbauphase mit Zusatzstunden abzudecken, die nun in Langzeiturlaube umgesetzt werden können. Ansonsten wäre es den Mobilfunkern kaum gelungen, für den hohen Arbeitsaufwand genügend qualifizierte Leute für befristete Stellen zu gewinnen.
Doch auch, was als Bonbon für die Beschäftigten gedacht ist, funktioniert nicht immer wie gewünscht. Beim Berliner Softwarehaus Condat GmbH nähmen die Informatiker und Programmierer das Sabbatical nur wenig in Anspruch. „Die mögliche Weltreise“, so eine Mitarbeiterin des Unternehmens „ist oft schwer mit einem Leben mit Kind und Partner zu vereinbaren.“
MARCUS FRANKEN
Wenn der Spaß an der nicht mehr zu bewältigenden Arbeit in Frust umschlägt, steigt häufig auch die Angst, von einem „Besseren“ ersetzt zu werden.

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