Gesundheit

Der Segen der kleinen Erholung

Den Stressoren am Arbeitsplatz ein Schnippchen zu schlagen, will vielen Managern heute nicht mehr gelingen. Pausen gelten vielfach als nicht standesgemäß.

Zwei Holzfäller bei der Arbeit. Beide schuften wie wild, sie zerlegen Baumstämme im Akkord. Der eine arbeitet ununterbrochen, läßt keine Minute ungenutzt. Anders der zweite: Er macht von Zeit zu Zeit eine Pause. Dann, am Ende des Tages, schauen sie auf die Ergebnisse ihrer Arbeit. Siehe da: Der mit den Pausen hat mehr Holz geschafft. „Wie hast du das gemacht?“, fragt der Rastlose, „ich habe doch viel härter gearbeitet?“ „Ganz einfach“, kommt die Antwort: „In den Pausen habe ich meine Axt geschärft, und ich konnte Kräfte sammeln. Pausen, ein heikles Thema im Arbeitsleben der Manager. Lange Arbeitstage und viel Arbeit gehören zum Alltag in vielen Büros.
Über Erholung stiftende Pausen mag so manche Führungskraft nur ungern reden. Bei vielen sind Pausen damit abgetan, daß sie hin und wieder mit Kunden ein ausgiebiges Mittagessen einnehmen, oder hin und wieder Geschäftsreisen machen, die meist mit längeren Leerzeiten in Wartehallen und Verkehrsmitteln verbunden sind. Aber das Thema geht nach Meinung von Experten tiefer, denn Erholung stiftet nur regelmäßiges Abschalten. Eine Empfehlung dazu kommt von Winston Churchill: Der englische Politiker war für seine ausgedehnten Arbeitstage bekannt. Bis ins hohe Alter arbeitete er sehr viel – und hielt sich frisch dabei: Er hatte sich angewöhnt, mehrmals zehnminütige Pausen einzulegen, in denen er sich durch gezieltes Entspannen erfrischte.
Denselben Rat geben Experten den Vielarbeitern von heute: „Bewußt erlebte Entspannung suchen, auch am Arbeitsplatz“, schlägt Prof. Johannes Siegrist, Direktor des Instituts für medizinische Soziologie der Universität Düsseldorf, vor. „Die Stressoren kommen heute am Arbeitsplatz in dichter Folge“, beschreibt Michael Treixler, Experte für betriebliche Gesundheit und Geschäftsführer von Skolamed, Nümbrecht, den Büroalltag. Auch er plädiert für regelmäßige Pausen: „Die kurzfristige Entspannung ist wie eine mentale Dusche“.
Die praktischen Möglichkeiten dafür sind überall vorhanden. Schon die Unterbrechung des oft stundenlangen Sitzens der Schreibtischarbeiter stiftet erholende Wirkung: „Aufstehen, Dehn- und Streckübungen machen, einige Schritte gehen“, so lautet der Rat von Prof. Wildor Hollmann an die Vielbeschäftigten. Das Aufstehen, konsequent verbunden mit etwas Bewegung, könne langfristig Kreislaufproblemen und Rückenbeschwerden vorbeugen, meint Hollmann, Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin und viele Jahre Ordinarius an der Sporthochschule in Köln.
Wer sich auf diese Weise im Büro fithalte, könne auch mit schnell eintretenden positiven Wirkungen rechnen: „Konzentrationsfähigkeit und Aufnahmebereitschaft steigen, die Qualität der Denkvorgänge wird besser“, preist Hollmann den Segen der kleinen Erholung. Wer es kann, dem helfen auch kurze Phasen autogenen Trainings. Beine, Oberschenkel, Bauch und Rücken sollen durch Entspannung im Kopf entlastet werden, rät Skolamed-Berater Treixler. Oft helfe es schon, einfach die Augen zu schließen und über „Ruhe“ zu phantasieren. Wichtig sei, die hektische Atmung abzubauen und Distanz zum Streß zu gewinnen, beschreibt Robert Lauber, Mental- und Ausbildungstrainer in Basel, eine wirksame Methode.
„Machen Sie Schluß mit den schlechten Gewohnheiten“, rät Robert Lauber seinen Seminarteilnehmern: Nicht immer warten, bis die Müdigkeit einsetze, sondern gleich vorbeugend etwas dagegen tun, ergeht seine Mahnung. Leistungsphasen dauern meist nur 30 bis 40 Minuten an, dann kommt bereits ein kleines zyklisches Tief. Deshalb sei es sinnvoll, Besprechungen so auszurichten: In 45 Minuten läßt sich durchaus das Meiste des Wichtigen sagen. Wenn das Treffen aber doch länger dauert, ist es sinnvoll, in 40-Minuten-Intervallen kurze Pausen einzulegen – zum Wohle aller, und im Interesse konzentrierter Arbeit.
Dem „Wir machen das an einem Stück-Denken“ erteilt Lauber eine Absage. Auch beim Thema Ernährung gibt es einige Faktoren, die das Gelingen des Arbeitstages beeinflussen: Der Sportmediziner Wildor Hollmann erinnert an die alte Weisheit „Ein voller Bauch studiert nicht gern“. Mahlzeiten führen rein physiologisch zu einer vermehrten Blutansammlung im Bauchraum, die Folge sei ein Ermüdungsgefühl. Deshalb plädiert Hollmann für häufigere, aber kleine Mahlzeiten. „Schwer im Magen Liegendes sollte vermieden werden“, heißt es. Hollmann rät dazu, mit Fett und Eiweiß vorsichtig zu sein. Wichtig sei die ausreichende Zufuhr von Kohlehydraten – diese können vom Körper in die nötige Energie umgesetzt werden. Wichtige Kohlehydratträger sind zum Beispiel Nudeln, Kartoffeln, Brot und Haferflocken. Besonders an heißen Tagen sei eine leichte Kost im Interesse eines produktiv verlaufenden Arbeitstages sinnvoll, meint Hollmann. Auch das Trinken spielt hier eine wichtige Rolle. Das Rezept des Sportmediziners: „Alle 30 Minuten ein paar Schlucke trinken“. Das fördere die Leistungsbereitschaft und beuge der weit verbreiteten Gewohnheit der zu geringen Flüssigkeitsaufnahme vor. Wasser sei ideal, auch Cola-Getränke seien ernährungsmedizinisch unbedenklich, nur bei Kaffee rät Hollmann zu bescheidenen Mengen.
Richtige Ernährung kann auch helfen, Müdigkeitsphasen einzudämmen. Immerhin ergab eine Umfrage des amerikanischen Galupp-Instituts, daß 56 % der Berufstätigen während des Tages eine Phase heftiger Müdigkeit erleben. Ausweg kann hier neben Ernährung und einigen Fitneß-Aktivitäten auch eine kleine Schlafpause sein: Wer die Möglichkeit dazu habe, solle sich nicht scheuen, auch tagsüber einen kurzen Schlaf von 15 Minuten einzulegen, so Prof. Hollmann. Schlaf habe in hohem Maße erholende Wirkung, außerdem: „Wer schläft, ist besser gelaunt. Das kann erfreuliche Wirkungen auf das Betriebsklima haben“. Epidemiologische Untersuchungen hätten zudem gezeigt, daß ein 10- bis 15minütiger Schlaf am Mittag die Lebenserwartung signifikant erhöhe.
„Die Extraportion Schlaf ist keine unproduktive Ausfallzeit“, bestätigt auch Hans-Werner Drewe vom Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP), Bonn, die Ergebnisse einschlägiger Untersuchungen. Der Kurzschlaf verbessere die geistige Leistungsfähigkeit, die Gemütsverfassung, das Gedächtnis und die Herzfunktion. Selbst arbeitssüchtige Workaholics, die jeder verschlafenen Stunde nachtrauerten, können Nutzen aus dem Nickerchen ziehen. Von dem arbeitswütigen Universalgenie Leonardo da Vinci sei eine ganz eigene Aufteilung der Schlafportionen überliefert: Er habe nicht mehr nachts lange an einem Stück geschlafen, sondern sich in Abständen von vier Stunden jeweils 15 Minuten hingelegt.
AXEL GLOGER
Pause ohne jeden Sinn: Wer auch in den freien Minuten noch eben eine kleine Aufgabe erledigt, wird sich nicht erholen.

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

Dörken Service GmbH-Firmenlogo
Dörken Service GmbH Sicherheitsingenieur (m/w/d) Herdecke
TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH-Firmenlogo
TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH Sicherheitsingenieur (m/w/d) Leuna
EUROVIA Services GmbH-Firmenlogo
EUROVIA Services GmbH Sicherheitsingenieur & Umweltschutzbeauftragter (m/w/d) Raum Berlin, Brandenburg
EUROVIA Services GmbH-Firmenlogo
EUROVIA Services GmbH Sicherheitsingenieur / Umweltschutzbeauftragter (m/w/d) deutschlandweit
Aviatics Cost & Safety Management GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Aviatics Cost & Safety Management GmbH & Co. KG Fachkraft für Arbeitssicherheit / Health- & Safety Manager (m/w/d) Düsseldorf
DEKRA Automobil GmbH-Firmenlogo
DEKRA Automobil GmbH Fachkraft (m/w/d) für Arbeitssicherheit Stuttgart
über Engfer Consulting GbR-Firmenlogo
über Engfer Consulting GbR Bereichsleiter Sicherheitstechnik (m/w/d) Brühl
Peek&Cloppenburg KG-Firmenlogo
Peek&Cloppenburg KG Betriebsingenieur Anlagentechnik (m/w/d) Hamburg

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssic…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.