Sicherheit

Der rote Wolf frisst alle Minen

VDI nachrichten, Überlingen, 9. 7. 04 – Millionen von Minen liegen weltweit unter der Erde, jedes Jahr kommen neue hinzu. Sie von Hand aufzuspüren ist mühsam und gefährlich. Der Land- und Forstmaschinenhersteller Ahwi vom westlichen Bodensee hat nun ein leichtes und wendiges Räumgerät entwickelt, das schnell und effizient große Flächen säubert.

Weltweit werden Jahr für Jahr über 15 000 Menschen von Minen getötet oder verletzt. Seriöse Statistiken zur Anzahl der vergrabenen Minen gibt es nicht, aber die Schätzungen reichen bis zu 100 Mio. in über 70 Ländern. Minenfelder und Verdachtsflächen hindern die Bewohner ehemaliger Kriegsgebiete daran, wieder ein normales Leben zu führen. Ackerland liegt brach, Dörfer bleiben unbewohnt.
In der Regel werden Minen heute noch mit Hund und Hand ausfindig gemacht und geräumt. Bei starker Metall-Kontamination der Erde und schwierigen Bodenverhältnissen kann ein sog. „Hand-Deminer“ manchmal nur 3 m2 bis 5 m2 pro Tag bearbeiten. Bis auf diese Weise sämtliche Risikogebiete geräumt und freigegeben werden könnten, dürften über hundert Jahre ins Land ziehen – von der großen Gefahr für die Entminer einmal ganz abgesehen.
Der Land- und Forstmaschinenhersteller Ahwi aus Herdwangen hat nun ein Minenräumgerät entwickelt, das es ermöglicht, große Flächen in relativ kurzer Zeit zu räumen, und zwar ohne Risiko für die Beteiligten. Der „Minenwolf“ ist seit 2003 in ehemaligen Kriegsgebieten im Einsatz.
Die Idee dazu kam vom Koblenzer Ingenieur Heinz Rath, Vater der Scheibenbremse für den Pkw und Mitentwickler des heutigen Antiblockiersystems (ABS). Über die Medien wurde der Erfinder auf die Minenproblematik und die gefährliche Handarbeit aufmerksam. Nach Exkursionen in betroffene Gebiete in Bosnien-Herzegowina und Mosambik tüftelte er an der Idee für den Minenwolf.
Für die Realisierung brauchte Rath einen Partner mit dem notwendigen Know-how in der Bodenbearbeitung. Den fand er in der Region westlicher Bodensee mit Ahwi, nach seiner Einschätzung „weltweit führender Hersteller von Spezialmaschinen für Forst- und Landwirtschaft“. 2001 stand bereits der erste Prototyp auf dem Firmengelände in Herdwangen.
Beim Trägergerät konnte Ahwi auf seinen Raupentraktor, zurückgreifen. „Der musste nur entsprechend modifiziert werden“, erklärt Firmenchef Artur Willibald. Die Schweizer Firma Ruag steuerte mit den gepanzerten und splittergeschützten Kabinen ihre Erfahrung beim Personenschutz bei. Für die Arbeit am Boden wurden zwei spezielle Geräte entwickelt, die wechselweise an dem modifizierten Traktor montiert werden können: Ein Schlegel und eine Feinfräse.
Der Schlegel besteht aus rotierenden Ketten, die mit 400 U/min den Boden durchpeitschen und die Panzerminen auslösen. Die Feinfräse, die meist im zweiten Arbeitsgang zum Einsatz kommt, zerstört die kleineren und tiefer liegenden Personenminen. Damit die Maschine durch die Explosion keinen Schaden nimmt, hat Ahwi ein patentiertes Segmentrotorsystem entwickelt, bei dem die Druckwelle durch den Korpus expandieren kann. Auf dem Rotor sind Meißel angebracht, die im Abstand von wenigen Zentimetern auf den Boden schlagen und die Minen auslösen. „Viele Elemente von Gehäuse und Antriebstechnik konnten wir übernehmen von unseren langjährig erprobten Rodungsfräsen zur Wurzelstockzerkleinerung im Erdreich“, erklärt Willibald.
Fräsen zum Räumen von Minen gab es auch schon vor dem Minenwolf, etwa von Krohn, Rheinmetall oder FFG (Diehl). „Aber das waren panzerähnliche Maschinen mit bis zu 50 t Gewicht,“ sagt Rath – „zu groß, zu schwer, zu teuer“. Über die Behelfsbrücken in Kriegsgebieten konnten sie oft nicht fahren und der logistische Aufwand für deren Versorgung war relativ hoch. Der Minenwolf hingegen wiegt nur 22 t und ist mit Standard-Tiefladern und Flugzeugen gut zu transportieren. Ein weiterer Vorteil laut Ahwi: Im Vergleich zu den besten herkömmlichen Maschinen schafft er die doppelte Fläche zum halben Preis. Im Schnitt sind dies 10 000 m2/Tag, bei günstigen Bodenverhältnissen bis zu 20 000 m2/Tag.
Das erste große Minenfeld hat der Minenwolf 2003 in Bosnien geräumt – eine 35 ha große Fläche. Der Einsatz wurde geleitet von Help, der erfahrensten deutschen Organisation im humanitären Minenräumen. Peter Willers, langjähriger Minenräumer bei Help: „Bei 2000 km2 verminter Fläche allein in Bosnien könnten wir mit dem Minenwolf viel Zeit gewinnen.“
Die Standards für die Minenräumung, die International Mine Action Standards (IMAS), sind hoch und werden von der UNO gesetzt. Über deren Einhaltung wachen so genannte Mine Action Center (MAC) vor Ort. Beim Einsatz in Bosnien wurde der Minenwolf vom dortigen MAC gemäß IMAS zertifiziert. Darüber hinaus konnte das Team die Bundeswehr für einen umfassenden Test gewinnen. Bei der Erprobungsstelle in Meppen hat der Minenwolf scharfe Panzerminen mit einer Sprengkraft von 6,5 kg TNT geräumt – und dafür die Akkreditierung der Bundeswehr erhalten.
Ende Juni hat sich ein Ahwi-Trupp nun nach Serbien aufgemacht, um dort ein Gebiet von rund 18 Hektar von Panzer- und Personenminen zu befreien. Die beiden Fahrer von Ahwi und ein eigens in Herdwangen geschulter Bosnier werden für den gesamten Auftrag vermutlich 25 Arbeitstage brauchen.
Die nächsten Einsätze sind schon geplant: Tuzla in Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Anfragen kommen zudem aus afrikanischen Ländern wie Angola oder auch aus der Türkei für die Räumung des Grenzgebiets zum Irak. „Bis Jahresende wollen wir auf jeden Fall eine bis zwei weitere Maschinen bauen“, sagt Ahwi-Prokurist und Minenwolf Projektleiter Jürgen Schlette.SILVA SCHLEIDER
www.ahwi.com

Von Schleider

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