Sicherheit 14.05.1999, 17:21 Uhr

Der Brandschutz wird intelligenter

Ohne externe Regler läßt sich die Funktionsweise von Brandschutzklappen und Laborabzügen in die Gebäudeleittechnik hochtechnisierter Bauten integrieren. Spezielle Bus-Adapter bieten die Voraussetzung für die sicherheitstechnische Verbesserung.

Das „Lokal Operierende Netzwerk“ (LON) findet als Bus-System zunehmend Zuspruch bei Konzepten der Gebäudeleittechnik. LON-Bus-Adapter machen in diesem Zusammenhang wichtige Bausteine der Gebäudetechnik zu intelligenten Komponenten, die sich nach dem Prinzip „plug and play“ auf simple Weise in die moderne Leittechnik einbinden lassen. Separate Regelsysteme werden damit überflüssig und Schnittstellenprobleme zwischen unterschiedlichen Fabrikaten und Gewerken gehören der Vergangenheit an. Komponentenhersteller machen ihre Produkte zunehmend LON-kompatibel und bereiten sie damit auf die Einbindung in dieses fortschrittliche Feldbus-System vor. So können jetzt bereits Brandschutzklappen und Laborabzüge in das aufwendige Regelsystem eines hochtechnisierten Gebäudes integriert werden.
Das Überwachen und Steuern gebäudetechnischer Anlagen von einer zentralen Leittechnik aus ist heute Stand der Technik. Im Flughafen München beispielsweise erfaßt die zentrale Leittechnik mehr als 1 Mio. Datenpunkte. Hierbei verknüpft ein hierarchisches Bus-System alle Sensoren (zum Beispiel Temperaturfühler, Rauchmelder und Bewegungsmelder) sowie Aktoren (Ventile oder Stellantriebe) zu einem Netzwerk. Die Bus-Technik hat gegenüber herkömmlichen Installationsverfahren den großen Vorteil, daß der Verdrahtungsaufwand erheblich geringer ist. Die Aktoren und Sensoren sind auf der untersten Ebene (Feldebene) durch eine zweiadrige Bus-Leitung miteinander verbunden. Externe Regler entfallen. Das vereinfacht auch die Wartung und Instandhaltung. Damit so ein komplexes Netzwerk reibungslos funktioniert, müßten alle Bus-Teilnehmer mit der gleichen „Sprache“ kommunizieren, betonten Regelungsfachleute. Ein einheitliches Datenprotokoll sei demnach unabdingbar.
Unter den verschiedenen Bus-Systemen auf dem Markt zählt der LON-Bus zum meist verbreiteten Feldbussystem in der Gebäudeleittechnik, da er adapterfähig ist. Mithin habe er große Chancen, sich als weltweiter Standard durchzusetzen, prognostizieren namhafte Regelungsfirmen.
Kein Wunder, daß bereits erste Komponentenhersteller LON-Bus-Adapter entwickeln, damit ihre Produkte mit dem LON-Protokoll kommunizieren können. Entsprechend ausgerüstet, ließen sich diese Komponenten unterschiedlicher Hersteller in das gemeinsame Netzwerk integrieren, betont zum Beispiel der Lüftungskomponenten-Hersteller Trox in Neukirchen-Vluyn. Und würden einzelne Produkte ausgetauscht, bleibe die Funktion der Anlage davon unberührt. Fachleute bezeichnen das Faktum dieser Eigenschaft „Interoperabilität“. Als Anwendungsbeispiele gelten der vorbeugende Brandschutz im Hochbau und der Immissionsschutz in Laboratorien.
Um den Brandschutz zu verbessern, rüsten bereits einzelne Komponentenhersteller moderne Brandschutzklappen mit einem LON-Adapter aus und binden sie in die Leittechnik ein. Die Signal-Übertragung erfolgt dann über den LON-Bus. Neben den Rückmeldungen „auf“ und „zu“ können die Brandschutzklappen über das Leitsystem geöffnet oder geschlossen werden. Der LON-Adapter überprüft dabei die Verstellzeit. Wird die vorgegebene Zeit überschritten, erfolgt eine Alarmmeldung.
Gleichzeitig lassen sich die Brandschutzklappen bei einem Schwelbrand gezielt ansteuern. „Somit wird auch die unkontrollierte Ausbreitung von Rauch im Gebäude verhindert,“ betont Heinrich Dammers, Leiter der Trox-Brandschutzabteilung. Als Variante habe man nämlich einen speziellen LON-Adapter entwickelt, der auch optische Rauchauslöser überwache und deren Verschmutzungsgrad messe. Fehlarlarme seien dadurch praktisch ausgeschlossen.
Auch bei Laborabzügen (Digestorien) müssen sicherheitstechnische Daten permanent erfaßt und überwacht werden. Das wird bei großen Anlagen ebenfalls über die zentrale Gebäudeleittechnik abgewickelt. Alle Datenpunkte laufen hier zusammen und lassen sich hier dokumentierten und verwalten. Mit herkömmlicher Analogtechnik bedeutete das Sammeln aller Datenpunkte jedoch einen hohen Verdrahtungsaufwand. Entsprechend empfiehlt sich auch hier die LON-Bus-Technologie mit ihren genormten Signalen.
Diese habe – so der Anbieter von Lüftungskomponenten in Neukirchen-Vluyn – beim Anwendungsbeispiel Digestorien etliche Vorteile. Siegfried Walter, Leiter der Abteilung Lufttechnischer Geräte bei Trox: „Von einem zentralen Servicepunkt aus werden die Volumenstromregler aller Digestorien überwacht und gesteuert.“ Die Soll- und Istwerte könnten dort abgefragt und verändert werden. „Auch LON-unterstützte Peripheriegeräte wie Bewegungsmelder lassen sich in das System einbinden,“ betont Walter. Fehlermeldungen würden unter Angabe der Fehlerquelle weitergegeben. Das bedeute wie bei den Brandschutzklappen die Selbstüberwachung des Systems durch redundante Meßwertüberprüfung.
P.G.
Der Stellmotor der Brandschutzklappe ist mit einem LON-Bus-Adapter (links unten) ausgerüstet. Das macht den Stellmotor busfähig.

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