Gesundheit 01.08.2003, 18:26 Uhr

Der Algentrick

mit einer Spender-Schilddrüse. Doch anders als Herz und Niere lässt sich das Gewebe bisher nicht verpflanzen. Forscher versuchen es jetzt mit einem Trick: Sie hüllen es in ein Netz aus Algen.

Parkinson, Diabetes, Unterfunktion der Schilddrüse: Viele endlose Leidensgeschichten hervorgerufen durch Hormonmangel könnten ein Ende haben, könnte man den Patienten Spendergewebe einpflanzen. Doch während Herz und Niere fast schon routinemäßig verpflanzt werden, gelingt die Operation bei vielen Organen wie etwa der Schilddrüse nicht: Das Immunsystem spielt verrückt.
Forschern der Alzenauer Firma CellMed könnte es jetzt gelingen, die Körperabwehr auszutricksen. „Wir schirmen fremdes Drüsengewebe oder genetisch veränderte Zellen mit einer Alginat-Schicht vor dem Immunsystem ab“, sagt Dr. Frank Thürmer von CellMed. Wie eine Tarnkappe soll die Alginat-Schicht das Fremdgewebe für die Immunabwehr unsichtbar machen.
Dass Alginate für diesen Zweck besonders geeignet sind, hatte die Mannschaft von CellMed bereits an der Universität in Würzburg herausgefunden.
Aus dieser Zeit stammt auch das Verfahren, mit dem man aus Braunalgen besonders reines Alginat gewinnt, das nicht abgestoßen wird. Handelsübliche Alginate stammen aus einem Mix verschiedener Braunalgenarten und sind so stark verunreinigt, dass der Körper sofort eine Abwehrschlacht entfesselt. Die isolierten Alginate landen als eine gelartige schwabbelige Masse aus langen, geraden Zuckerketten auf dem Labortisch, die chemisch zu dreidimensionalen Mikrokapseln vernetzt werden müssen, in die das Spendergewebe eingeschlossen wird. Die Netzmaschen fungieren als Filter: Durchlässig für Sauerstoff, Nährstoffe und das heilsame Hormon, aber undurchdringlich für die Zellen des Immunsystems.
Als erstes sollen Patienten profitieren, die an Hypoparathyreoidismus leiden. Ihre Nebenschilddrüse produziert zu wenig Calcium-regulierendes Parathormon. Calcium spielt eine wichtige Rolle bei der normalen Funktion der Muskeln und des Nervensystems: Sinkt der Calcium-Spiegel im Blut zu stark, werden die Patienten von schmerzhaften Krämpfen geschüttelt und leiden unter Depressionen. Die Betroffenen müssen lebenslang hoch dosierte Calcium-Tabletten und Vitamin D schlucken. Nebenwirkungen: Osteoporose und Krämpfe.
Seit kurzem werden die eingehüllten Implantate an der Berliner Charité getestet: Die ersten Patienten vertragen sie gut. A. GEIPEL-KERN/eb

Ein Beitrag von:

  • Anke Geipel-Kern

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