Sicherheit

Defektes Heizgerät entfachte Brandkatastrophe am Kitzsteinhorn

Die Brandkatastrophe im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn, die im November vorigen Jahres 155 Todesopfer forderte, resultierte aus einer Verkettung unglücklicher Umstände. Es gab gleich mehrere Ursachen. Ein schadhaftes Heizgerät und ausgetretenes Öl waren lediglich Auslöser der Katastrophe.

Die Ursachen für die Katastrophe am Kitzsteinhorn in Österreich stehen fest. Mit dem Brand eines der nachträglich eingebauten Heizlüfter und einem Leck im Hydrauliksystem der Unglückswagen nahm das Verhängnis seinen Lauf. Zur Katastrophe entwickelte sich der Brand, als die Wagen der Standseilbahn im unbeleuchteten Tunnel mit starkem Luftzug automatisch gestoppt wurde, wobei sich die Türen nicht von innen öffnen ließen. Weitere Fakten, die zur Katastrophe führten: Die Wagen der Gletscherbahn waren weder mit Nothämmern noch mit Feuerlöschern ausgestattet. Es gab schlicht keine besonderen Vorschriften für den Brandfall und damit auch keine entsprechenden Vorkehrungen. Das Augenmerk der Obhut hatten die Österreicher am Kitzsteinhorn auf die Sicherheit des Bahnbetriebs beschränkt.

Bei der Brandkatastrophe am Kitzsteinhorn kamen in den beiden Wagen des bergwärts fahrenden Zuges 155 Wintersportler ums Leben, davon 37 aus Deutschland. Etwa 530 m nach Einfahrt in den Tunnel brannte der Zug vollkommen aus. Nur zwölf Fahrgäste konnten sich aus der Flammenhölle retten, nachdem es ihnen gelungen war, eines der elastischen Plastikfenster einzuschlagen und talwärts zu flüchten.

Auf einer Pressekonferenz fassten jetzt die Salzburger Justizbehörden zusammen, was die Sachverständigen in ihrem 1700 Seiten langen Gutachten dokumentiert hatten, während die Angehörigen der Opfer zur selben Zeit in einer Werkhalle in Linz über die bisherigen Ermittlungsergebnisse informiert wurden.

Landesgerichtspräsident Walter Grafinger schilderte den Hergang der Katastrophe, wie er von den Sachverständigen rekonstruiert wurde: Ursache sei zunächst eine defekte Hydraulikleitung gewesen, aus der offenbar seit längerer Zeit unbemerkt Öl ausgetreten sei und sich hinter der Wandverkleidung im hinteren Führerstand ausgebreitet habe. Der dort eingebaute elektrische Heizlüfter, der während des Aufenthalts in den beiden Stationen anlief, sobald die Wagen an Netzspannung angeschlossen waren, sei in Brand geraten. Dies werde darauf zurückgeführt, dass offenbar der Ventilator ausgefallen sei, so dass die Wärme nicht mehr abgeführt wurde. Das Feuer habe die Wandverkleidung und damit auch das ausgetretene Hydrauliköl entzündet, worauf sich die Flammen, angefacht durch den starken Luftzug im Tunnel, in Sekundenschnelle auf den ganzen Zug ausgebreitet hätten.

Die Ausführungen von Staatsanwalt Friedrich Ginthör erhellten eher die Hintergründe. Er zitierte einen Gutachter mit den Worten: „Das technische Konzept entsprach nicht den Sicherheitsstandards für öffentliche Verkehrsfahrzeuge.“ Die Genehmigungsvorschriften hätten Einrichtungen für den Notfall nicht verlangt. Eine brandschutztechnische Überprüfung sei in der Seilbahnverordnung nicht vorgesehen gewesen. An einen Brand, noch dazu in diesem Ausmaß, hatte offenbar niemand gedacht, weder bei der Kapruner Gletscherbahn, noch bei den für die Sicherheit zuständigen Behörden. So gab es, wie der Staatsanwalt aufzählte, im Tunnel keine Beleuchtung, die Türen der Wagen ließen sich im Notfall nicht von innen öffnen, Nothämmer und Feuerlöscher waren nicht vorhanden.

Dennoch ist der Behauptung des
österreichischen Seilbahnverbands, die Gletscherbahn Kaprun habe allen behördlichen Vorschriften entsprochen, kaum zu widerlegen: Es gab schlicht keine besonderen Vorschriften für den Brandfall und damit auch keine entsprechenden Vorkehrungen. So hatten einige der Überlebenden das Feuer schon in der Talstation bemerkt, doch bestand nach der Abfahrt weder zum Fahrer im vorderen Wagen noch zur Steuerzentrale eine Verbindung.

Noch unmittelbar nach dem Unglück bezeichnete der Vorsteher des Fachverbands der Seilbahnen Österreichs, Dr. Ingo Karl, die Sicherheitsstandards gerade der österreichischen Seilbahnen als besonders hoch: „In Österreich gibt es weltweit die schärfsten Sicherheitsvorschriften für Seilbahnen“. Auch daran wird deutlich, dass bis zu diesem Zeitpunkt das Augenmerk zwar immer auf die Sicherheit der Bahn und des Betriebs, nicht aber auf den Brandschutz gerichtet war. Ein Bergbahn-Mitarbeiter erklärte, die Türen hätten sich ja nur deshalb nicht von innen öffnen lassen, damit niemand aus dem Zug fällt.

Nun hat die Untersuchung des Unglücks noch weitere Ursachen ans Licht gebracht: Unsachgerechte Ausrüstung der Züge, Schlamperei und mangelhafte Kontrolle. So wurden bei der Grunderneuerung der beiden Züge „Kitzsteingams“ und „Gletscherdrache“ im Jahr 1994 laut Sachverständigengutachten in die Führerräume Heizlüfter eingebaut, die nach den Richtlinien des Herstellers für den Einsatz in Fahrzeugen ungeeignet und nicht zugelassen waren. Eines dieser Geräte löste den Brand aus. Schlamperei gilt als Ursache dafür, dass die im Rahmen des allgemeinen Brandschutzes in der Bergstation vorhandene Brandschleuse nicht schloss, so dass dort drei Mitarbeiter durch die aus dem Tunnel strömenden giftigen Gase ums Leben kamen. Auf das Konto mangelhafter Kontrolle geht, dass niemand den Ölverlust in dem Hydrauliksystem bemerkte.

Staatsanwalt Friedrich Ginthör sagte nicht, gegen wen Anklage erhoben werde. Als mögliches Strafmaß nannte er im Höchstfall fünf Jahre Haft wegen fahrlässiger Verursachung eines Brandes. Die Kapruner Gletscherbahn hat die Verantwortung für den Einbau des Heizlüfters zurückgewiesen man habe selbstverständlich eine den Vorschriften entsprechende Heizung bestellt.

Gegenüber den strafrechtlichen Folgen werden die zivilrechtlichen für die Betroffenen womöglich weit schmerzhafter sein: „Nur wenn so was richtig Geld kostet, kriecht jeder in seine Bahn hinein und schaut, wie sieht das denn bei mir aus“, sagte der Münchner Rechtsanwalt Michael Witti, der 14 Hinterbliebene vertritt. In Kaprun sei nur eins richtig gemacht worden, das Geschäft. Während die Gletscherbahn nach ihren Angaben bisher umgerechnet rund 8 Mio. DM an die Hinterbliebenen gezahlt hat, verklagt Witti die Verantwortlichen vor Gerichten in den USA auf mehrere 100 Mio. Dollar Schadenersatz.

Obwohl nach dem Unglück der Schock in Kaprun immer noch tief sitzt, geht auch dort das Leben weiter. Schon in der kommenden Wintersaison wird es für die Fahrt ins Skigebiet am Kitzsteinhorn eine Alternative geben: Eine neue Seilschwebebahn für 40 Mio. DM soll rechtzeitig in Betrieb gehen.
RALF ROMAN ROSSBERG

Ein Beitrag von:

  • Ralf Roman Rossberg

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