Sicherheit

Datenstaubsauger für Mobilfunknetze

Mit der Einführung von UMTS sollen Mobilfunker gut überwachbar sein. Daran arbeiten zurzeit Industrie und Sicherheitsbehörden. Schon warnen Hacker vor der „Rasterfahndung in Echtzeit“ mit neuester Mobilfunktechnik.

Bis die großen UMTS-Netze starten, wird es noch dauern. Fast fertig ist dagegen die Technik zur vollständigen Überwachung der Nutzer: Strafverfolger, Nachrichtendienste und Wirtschaft sind mit der Standardisierung der Schnittstellen zum Absaugen der Teilnehmerdaten weit fortgeschritten.
„UMTS wird von Beginn an das am besten überwachte Netz in der Geschichte der zivilen Telekommunikation sein“, sagt Erich Moechel, Gründer der Netzinitiative Quintessenz. Bereits heute würden die „Löcher“ gelegt fürs Absaugen der Datenberge, die beim Telefonieren, beim Versenden multimedialer Botschaften oder beim Nutzen sonstiger Dienste über die zukünftigen Mobilfunkverbindungen anfallen.
Zum Beweis kramt der Österreicher in den Untiefen seines Laptops und fischt ein paar Protokolle und Papiere hervor, die mit undurchsichtigen Kürzeln wie „ETSI TS 133 107“ überschrieben sind. Die inzwischen auch auf der Webseite von Quintessenz abzurufenden Dokumente zeigen, dass die komplette Ausrüstung für die UMTS-Netze gerade von europäischen Behörden unter Hochdruck und unter Anleitung amerikanischer Stellen überwachungstauglich gemacht wird.
Hinter der Abkürzung ETSI steht das European Telecommunications Standards Institute. In dem Gremium treffen sich seit Jahren in speziellen Arbeitsgruppen zum „gesetzesmäßigen Abhören“ Vertreter der Telekommunikationsindustrie, der Polizeien und Geheimdienste Europas, die auf ihren Workshops seit dem 11. September auch verstärkt Besuch von Sondereinheiten des FBI und des militärindustriellen Komplexes der USA erhalten.
Auf ihren Grundlagen beruhen nationale Umsetzungen wie die umstrittene Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV), die Netzbetreiber und Breitbandprovider zur Installation teurer Abhörboxen zwingt.
Um die hohen Kosten, die durch unterschiedliche Anforderungen an die Lauschtechnik fürs Internet entstehen, zu vermeiden, gehen bei UMTS international agierende Größen wie die Deutsche Telekom, die niederländische KPN oder British Telecom nun in Vorleistung beim Definieren von Schnittstellen, die den Strafverfolgern und „Diensten“ das Abzweigen der gewünschten Daten ermöglichen. Dadurch hoffen sie, erläutert Moechel, zumindest durch die europaweite Normierung ein paar Euro zu sparen.
Über den Fortschritt der hinter verschlossenen Türen erfolgenden ETSI-Planungen berichtete der Redakteur der ORF-Nachrichtensite Futurezone der staunenden Hackergemeinde in Berlin, die sich Ende Dezember auf einem Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) traf. „Momentan wird beim ETSI festgelegt, wie Daten an den Switches aus den Netzen gezapft und in Datenbanken geschaufelt werden“, führte Moechel aus. So werde es bei der Inbetriebnahme der UMTS-Infrastruktur möglich, „zwischen allen Telekommunikationsanbietern in Europa normierte Daten auszutauschen und direkt zu verarbeiten“.
Dabei geht es den „ermächtigten Stellen“ nicht um das Abhören der Sprachkommunikation. Im Visier haben sie die Verbindungsdaten, also wer oder was mit wem wann über die breitbandigen drahtlosen Netze Kontakt hat. Darunter fallen etwa auch Informationen, die beim Abheben von Geld am Bankautomat oder beim Einkauf mit Karte entstehen. „Schier alles lässt sich daraus über eine Person ablesen“, weiß Moechel.
Das bereits abgesegnete „Privacy Override“-Prinzip erlaube es gar, Angaben über den Aufenthaltsort eines Handys abzufragen, wenn es im Ausland eingesetzt würde. Moechel: „Das ist Rasterfahndung in Echtzeit.“
Auf dem Kongress der Hacker, die sich seit langem gegen einen „Overkill“ an Überwachung stark machen, löste das ETSI-Gemauschel Empörung aus. Über die Schnittstellen würde zu viel Informationsmacht in Händen einzelner konzentriert. Moechel fürchtet, dass das ETSI das Vertrauen künftiger Nutzer in mobile Dienste unterminiert
Mehr als erste Vorbehalte gegen den UMTS-Zuschnitt zeigen sich dort bislang aber nicht: Nur Nokia und der deutsche Regulierer meldeten Bedenken an. Die Finnen, weil sie eine alternative Überwachungstechnik schon implementiert haben. Die deutsche Behörde, weil ihnen die geforderten „grenzüberschreitenden Zugriffe“ auf die immensen Datenbestände doch nicht geheuer erscheinen.

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