Sicherheit 12.12.2008, 19:38 Uhr

Das Tsunami-Warnzentrum in Jakarta arbeitet  

Die Geräte schlugen an, registrierten Bewegungen der Kontinentalplatten, Minuten später zeigte sich im neuen Warnzentrum in der indonesischen Hauptstadt, dass kein großer Tsunami in Gang kommt. Das seit wenigen Wochen im Testbetrieb laufende System enthält alles, was der Instrumentenkasten der Geoforscher hergibt.

Vier Jahre nach der verheerenden Tsunamiwelle, die kurz nach Weihnachten eine Viertel Million Menschen im Südpazifik in den Tod riss, wurden nun die Komponenten eines rund 45 Mio. € teuren Tsunamiwächters, in englischen Kürzeln GITEWS, an Indonesien übergeben. Drei Jahre lang arbeiteten deutsche Forschergruppen gemeinsam mit der Industrie in Teilprojekten an der Technik, geleitet vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam.

„Das ist zum einen ein Netzwerk seismischer Stationen, das schnell und präzise Erdbeben lokalisiert und die Stärke misst, sowie ein Netzwerk von GPS-Stationen, das Verschiebungen der Erdkruste anzeigt“, zählt der Koordinator Jörn Lauterjung auf.

Das Gehirn des Warnsystems sind zwei Großrechner im Datenzentrum in Jakarta. Hier werden alle Daten auswertet, die per Satellit, Telefon oder per Internet eintreffen und zwar von den rund 120 Seismometern, die permanent die Erdbebentätigkeit überwachen. Außerdem senden Bojen und 40 Pegelstationen bei stärkeren Seebeben ihre Einzelmessungen.

Die Computer setzen aus sämtlichen Einzeldaten ein Lagebild zusammen und haben binnen Sekunden auf dem Schirm, ob tatsächlich ein Tsunami entstanden ist, wie hoch die Welle wird, wann und wo sie auf die Küste trifft. Datenbanken helfen mit vorberechneten Risikodaten über Bevölkerungsdichte und Wohnbebauung bei der Entscheidung, ob Tsunamialarm gegeben wird.

Die Messinstrumente selbst sind keine Neuentwicklungen. Jedoch bringe neben der Vielfalt der Sensoren das Simulationssystem einen weiteren Riesenfortschritt, meint Lauterjung. 2009 wird das Wächtersystem feinjustiert, die Sensornetzwerke komplettiert. „Außerdem müssen wir gemeinsam mit den indonesischen Kollegen die westliche Logik der Informationsvermittlung an die südostasiatische Kultur anpassen“, sagt er.

Grundsätzlich brauchen Frühwarnsysteme noch eine weitere Komponente: Den Menschen, möglichst katastrophentrainiert, denn im Ernstfall bleibt nicht viel Zeit: Alarm gibt es frühestens 5 min bis 8 min nach einem Beben. 20 min später könnte die Welle über den Strand rollen.

Padang ist eines von drei Testgebieten, wo Bewohner vorbereitet werden, wie sie mit einer Warnmeldung umgehen. Doch damit ist der Evakuierungsplan für die knapp eine Million Einwohner zählende Stadt nicht komplett. Noch wären keine Fluchtrouten gekennzeichnet und auf die wenigen großen Warntafeln, die sehr hoch hängen, achte keiner ernsthaft, so Nils Goseberg vom Franzius-Institut für Wasserbau und Küsteningenieurwesen der Leibnitz Universität Hannover.

Im Verbundprojekt „Last-Mile-Evacuation“ entwickeln Experten hochgenaue Geländemodelle, vermessen Wassertiefen und Landschaft neu und errechnen daraus Überschwemmungsszenarien mit einer Auflösung von 1 m und einer Zeitgenauigkeit von 5 s. Die Bevölkerung wird befragt, um deren Evakuierungsverhalten einzubeziehen.

„Am Ende steht ein Informationssystem, das zeigt, wie eine Überflutung abläuft und welche Möglichkeiten es gibt, sich zu retten“, erklärt Ingenieur Goseberg. Auch wird es Empfehlungen für die Stadtplaner geben, welche Straßen oder Brücken etwa verbreitert werden müssen, damit sie fluchttauglich sind. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2010 an die Indonesier übergeben werden. KATHLEEN SPILOK

www.last-mile-evacuation.de

Ein Beitrag von:

  • Kathleen Spilok

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