Gesundheit

Creutzfeld-Jakob: Gefahr durch Spenderblut?

Die jetzt von der EU beschlossene Pflicht zum flächendeckenden BSE-Test soll verhindern, dass kontaminiertes Rindfleisch auf den Markt kommt. Denn immer noch sind die Übertragungswege unklar. Als neuer Weg der Ansteckung steht jetzt auch Blut zur Diskussion.

Nach 16-stündigen Verhandlungen haben sich die EU-Landwirtschaftsminister vergangenen Dienstag auf die Ausweitung der BSE-Tests geeinigt. Danach müssen ab Juli 2001 alle Schlachtrinder getestet werden, die älter als 30 Monate sind. Schon ab Januar werden Rinder getestet, die auffällige Symptome aufweisen oder notgeschlachtet werden müssen. Die Kosten soll die EU tragen.
Damit reagiert die Politik auf die wachsende Verunsicherung beim Verbraucher, aber auch auf die Tatsache, dass trotz 14 Jahren BSE-Forschung die Wissenschaftler noch immer im Dunkeln tappen. Die derzeit wichtigste offene Frage lautet: Auf welchen Wegen findet die Ansteckung statt? Bisher galt eine Übertragung durch den Verzehr von infizierten Rindfleischprodukten als gesichert. Auch Blut steht jetzt unter Verdacht, BSE-Erreger zu übertragen. Ein Studie britischer Forscher aus Newbury und Edinburg hat gezeigt, dass BSE-verseuchtes Schafsblut Artgenossen infizieren kann. Die Wissenschaftler fütterten Schafe mit infiziertem Kalbsgehirn. Nach rund zehn Monaten entnahmen die Forscher den Schafen Blut und injizierten es 19 weiteren Artgenossen. Nach sechs Monaten erkrankte eines der Tiere an BSE – für die Forscher ein Zeichen, dass der Erreger durch Blut übertragen werden kann.
Dieser Befund löste eine Diskussion über die Sicherheit von Blutkonserven aus. „Das Risiko einer Übertragung des Erregers durch Blut kann nicht ausgeschlossen werden“, so Dr. Reinhard Burger, Vorsitzender des „Arbeitskreises Blut“ am Robert-Koch-Institut in Berlin. Als Konsequenz beschloss der Arbeitskreis vorige Woche, Blutspender nach einem längeren Großbritannien-Aufenthalt vorsorglich auszuschließen.
Das praktiziert das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schon länger. Bereits seit Januar dürfen Personen, die zwischen 1980 und 1996 mindestens sechs Monate hintereinander in Großbritannien waren, kein Blut mehr spenden, heißt es aus der DRK-Geschäftsstelle in Bonn. Rund 8000 Personen seien bisher davon betroffen gewesen. In Zukunft müsse man durch die Neuregelung jährlich mit ca. 0,2 % weniger Blutkonserven rechnen.
Eine weitere Maßnahme zum Schutz vor dem Erreger sei außerdem, das Blut direkt nach der Spende zu filtern, so Burger. Bereits seit Mitte diesen Jahres werden in manchen Blutbanken die weißen Blutzellen – die Leukozyten – als Vorsorge gegen Infektionen aus den Blutkonserven herausgefiltert. Das kann gleichzeitig auch vor dem BSE-Erreger schützen, sagt Burger, da potenz ielle Krankheitserreger im Blut an die Leukozyten gebunden sind. Bis Mitte nächsten Jahres soll eine solche Filterung in ganz Deutschland Vorschrift werden. eb/cf

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