Gesundheit

Crashkurs für die Nadeltherapie

Eine Tagung zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beleuchtete Stärken und Schwächen der alternativen Heilmethoden aus Fernost sowie die derzeitigen Konflikte auf dem Gesundheitsmarkt.

China entdeckt seine über 3000 Jahre alte traditionelle Medizin (TCM) als Exportprodukt. Leider bekommt das dem Verfahren nicht unbedingt. Dennoch segneten fernöstliche Gesundheitsmanager auf der Konferenz „Chinesische Medizin des Ministeriums für TCM Peking“ kürzlich in Hannover die hierzulande üblichen Crashkurse in Akupunktur mit einem Lächeln ab. Dabei verbirgt sich hinter TCM weit mehr als nur die Nadeltherapie, die in China in einem breiten Zusammenhang gelehrt wird. Im Westen aber konnte sich eigentlich nur die Akupunktur so richtig durchsetzen.
Auf dem TCM-Markt spielt sich offensichtlich dasselbe schillernde Leben ab wie auf dem Psychomarkt, der von anerkannten Therapeuten bis hin zu Scharlatanen so ziemlich alles bietet. „In Deutschland gibt es Institute, die an nur vier Wochenenden Akupunkteure produzieren“, kritisiert Dr. Thomas Walz, ärztlicher Direktor des Bathildiskrankenhauses Bad Pyrmont, an dem beispielsweise Schmerzpatienten mit TCM behandelt werden. Doch selbst diese mit der „heißen Nadel“ gestrickten Ultrakurz-Lehrgänge von gerade einmal 140 Stunden Dauer akzeptieren die chinesischen TCM-Promoter – Hauptsache, ihre Medizin gewinnt an Boden. Walz kennt die Entschlossenheit mancher Chinesen, am hiesigen Gesundheitsmarkt zu partizipieren. Ihm selbst bot man in China gegen Bares TCM-Ärzte für sein Krankenhaus. „Für mich wäre es kostenneutral gewesen“, erzählt Walz. Ein Teil des ärztlichen Gehalts wäre schlicht an die Mittelsmänner gegangen. Walz verzichtete auf den sonderbaren Deal.
Auch die Wirkungsforschung der chinesischen Traditionsmedizin und der Psychotherapie gleichen sich: Messlatte ist keine Datensammlung, sondern das subjektive Befinden der Patienten. 800 Krankheiten werden in China mit TCM behandelt. Doch nur für 43 erkennt die Weltgesundheitsorganisation WHO die traditionelle Heilmethode an. Kuang Ri Jian, Vizedirektor des chinesischen Medizinmanagement Bu-reaus der Provinz Guangdong, stellt klar: „Die WHO zählt nur, was sich ausschließlich mit Akupunktur behandeln lässt.“
Ein durchaus legitimes Verfahren, meint Dr. Matthias Fink, der an der Medizinischen Hochschule Hannover eine Akupunktur-Ambulanz leitet und dieses Verfahren evaluiert: „Bis heute ist nicht eindeutig belegt, dass diese Therapie TCM-Wissen erfordert. Sie wirkt über die mechanische Stimulation von Rezeptoren in Haut und Muskeln.“ Neurophysiologische Vorgänge also, die mit modernen diagnostischen Verfahren wie beispielsweise Magnetresonanztomographie noch längst nicht endgültig aufgeklärt werden konnten. Außerdem seien die 361 Akupunktur-Stellen im Körper nur Orientierungshilfen. Entscheidend für den Erfolg sei das „Gewusst-wo“ beim Auffinden der Punkte. Dazu seien Übung und Fingerspitzengefühl erforderlich, die nicht in Wochenendkursen erlernt werden könnten.
Eine positive Wirkung der Akupunktur stellte Fink vor allem bei Leiden fest, die keine strukturellen Veränderungen an Organen und Geweben verursachen wie etwa Narbenbildung oder Arthrose. Dazu gehören Spannungskopfschmerzen, Migräne oder auch Weichgewebeschmerzen, wie sie beim Tennisarm auftreten. Aber auch Kniegelenksarthrosen bessern sich durch Akupunktur. Noch fehlen allerdings umfassende kontrollierte Studien, bei denen Behandlung, Untersuchung und Auswertung von jeweils unabhängigen Instanzen durchgeführt werden, bedauert Fink. „Daran arbeiten wir augenblicklich gemeinsam mit renommierten Forschern in England, Skandinavien und China.“ Aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Kontrollen desolat, da jeder Patient als ein nicht vergleichbares Individuum gilt.
Also wird die Wirkung genauso wie das Leiden subjektiv beschrieben. Allergien, Migräne, chronische Magen-Darm-Beschwerden, chronische Rücken- oder Gelenkschmerzen bessern sich auf jeden Fall durch TCM, erklärt Walz. In seinem Krankenhaus erhielten zwischen April 1998 und April 1999 genau 755 Patienten 7508 TCM-Behandlungen: Bei über 80 % der Patienten wirkte die Therapie die meisten fühlten sich erheblich besser oder gar beschwerdefrei. Allergien verschwanden vollständig. Diese Erfolge sind das Werk approbierter chinesischer ÄrztInnen. Sie haben ein wissenschaftliches TCM-Studium hinter sich, das in China fünf Jahre dauert plus zwei Jahre Praxis.
TCM liegt ein geschlossenes philosophisch-medizinisches Konzept mit einem energetischen Menschenbild zugrunde. Alles dreht sich um die Frage, wie Leiden zu verhindern oder zu überwinden ist. Deshalb gilt TCM auch als Salutogenese, als gesundheitserhaltende Medizin, die Kräfte zur Selbstheilung mobilisiert. Gesundheit wiederum ist abhängig vom dynamischen Gleichgewicht zwischen Gegensatzpaaren wie Yin und Yan, Männlich und Weiblich, zwischen den Prinzipien im Mikrokosmos Mensch einerseits und zwischen den Menschen und dem universellen Makrokosmos andererseits. Zeitzerhackende Hektik beispielsweise kann die Balance stören. Chronische Leiden sind die Folge. Heute erforscht ein Institut in Shanghai das geistige Erbe der TCM, berichtet Professor Shen Yulong, Vizedirektor des Internationalen Zentrums für TCM in Beijing.
Diagnostiziert wird durch Fühlen, Sehen, Hören und Befragen. Die wesentlichen Therapiemethoden umfassen eine bestimmte Ernährungsform sowie die Phytotherapie (Heilkräuterbehandlung), Moxibustion (thermische Behandlung), meditative Bewegungen (etwa Qigong) und Akupunktur. „Beeindruckend sind vor allem das Kräuterwissen und die chinesischen Apotheken mit ihrem gewaltigen Heilkräuterfundus“, berichtet Fink. Jedes Rezept werde in China individuell und mit erstaunlichem Geschick zurechtgemixt. Doch nur wenige dieser Kräuter werden hierzulande angeboten, und was auf den Markt kommt, ist extrem teuer. Auch daran stören sich chinesische TCM-Propagandisten keineswegs. Und sie verschweigen, was Fink berichtet: An chinesischen Hochschulen hat TCM einen geringeren Stellenwert als westliche Hightech-Medizin. RUTH KUNTZ-BRUNNER
In China ist die Elektrik-Akupunktur zur Behandlung der verschiedensten Leiden weit verbreitet. Hingegen beginnt sich in Deutschland gerade das Abbrennen getrockneter Heilkräuter über Akupunkturnadeln zu etablieren.

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