Sicherheit

Bojen gegen den Tod  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 12. 05, moc – Nach der Flutkatastrophe vom Dezember 2004 hat die Bundesregierung schnell Vorschläge zum Aufbau eines Frühwarnsystems für die Region gemacht. Im November dieses Jahres wurden bereits die ersten Warnbojen im Meer ausgesetzt.

Unermessliches Leid brachte das Seebeben vom 26. Dezember 2004 für die Menschen am Indischen Ozean. Über 200 000 Tote waren zu beklagen, fast 1,7 Mio. Menschen flohen aus der Region. Der Gesamtschaden soll sich auf gut 10 Mrd. Dollar belaufen.

Viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn es ein Frühwarnsystem für die Küstenregion gegeben hätte. Die damalige deutsche Bundesregierung hat deshalb unmittelbar nach der Katastrophe neben humanitären Hilfen und Wiederaufbauprogrammen für Sri Lanka und Indonesien auch das Konzept eines Tsunami-Frühwarnsystems entwickelt.

Koordiniert wurde diese Initiative durch das GeoForschungszentrum Potsdam (GFZ). Mit Indonesien und Sri Lanka hat Deutschland traditionell gute Kooperationen im wissenschaftlich-technischen Bereich.

Das Konzept sieht zwei Stufen vor. In der ersten Phase (bis 2008) werden schnelle Datenschnittstellen via Satellit eingerichtet, die seismologischen Netzwerke in der Region ausgebaut und verbunden und ein Netzwerk bojengestützter Druckpegelmesser im Indischen Ozean aufgebaut. Dazu kommen landgestützte Wasserpegelmesser mit GPS-Anbindung und der Ausbau eines permanenten Deformation-Überwachsunggsystems auf der Basis des GPS-Netzes Geodyssea des GFZ.

Die erste deutsche Boje zur Druckpegelmessung wurde im November im Indischen Ozean ausgesetzt.

Zudem wird über die Nutzung neuer Satellitensysteme wie das deutsche TerraSAR-X nachgedacht und den Bau weiterer Beobachtungssatelliten.

Schließlich sollen existierende Satellitenkommunikationssysteme (Eumetnet, Orbcomm) für die schnelle Datenübermittlung vor Ort genutzt werden. Diese erste Phase wird gut 45 Mio. € kosten, einschließlich Ausbildungsmaßnahmen vor Ort.

Der deutsche Beitrag wird im internationalen Rahmen von der Unesco koordiniert.

In einer zweiten Stufe nach 2008/09 ist der Aufbau eines Multi-SatellitenSystems zur Überwachung der Risiko-Region am Indischen Ozean geplant. Es soll mit anderen europäischen und internationalen Partnern realisiert werden, da diese zweite Stufe erheblich teurer werden dürfte als die erste.

Langfristiges Ziel ist, dass dieses Tsunami-Frühwarnsystem Teil eines allgemeinen Frühwarnsystems wird, das auch vor anderen Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen warnt. moc

Von Wolfgang Mock

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