Sicherheit

Blendgranaten und Betäubungsmittel

Das Pentagon berät die Luftfahrt bei der Sicherung ihrer Flugzeuge und den technischen Maßnahmen zum Schutz vor terroristischen Übergriffen.

Der Einbau von Cockpittüren, die sowohl schusssicher sind, als sich auch von der Kabine her nicht öffnen lassen, ist lediglich eine Sofort-Maßnahme zum Schutz von Verkehrsflugzeugen gegen Terroristen. Auch die Begleitung vieler Flüge durch bewaffnete „Air Marshalls“ stellt alles andere als eine Dauerlösung zur Sicherung der Verkehrsluftfahrt dar.

In den Vereinigten Staaten sind deshalb Anfang Oktober Gespräche zwischen den Behörden, den Fluggesellschaften und ihren Piloten aufgenommen worden, die längerfristig auf ganz andere Schutzmaßnahmen zielen.

Dabei geht es dem amerikanischen Verteidigungsministerium vor allem darum, Techniken, die zur sogenannten crowd control, also der Beruhigung aufgebrachter Volksmassen entwickelt wurden, für die Luftfahrt zu nutzen.

Gesprächsführer seitens des Pentagon ist Oberst George Fenton vom Marine Corps, der das Direktorat „Nicht-Tödliche Waffen“ der amerikanischen Streitkräfte in Washington leitet.

Teilweise handelt es sich bei den von Fenton offerierten Einrichtungen um Projekte, die nur längerfristig verwirklicht werden können. Andere jedoch sind kurzfristig verfügbar, weil sie beispielsweise schon Sondereinheiten des Militärs oder auch der Polizei zur Verfügung stehen. Dazu gehören z. B. verschiedene Sprays, die den Gegner kampfunfähig machen sollen sowie sogenannte „taser“, Geräte, die auf bis zu 7 m Entfernung starke Stromstöße – von mehreren 1000 V – durch den Körper des Gegners jagen, um ihn zu paralysieren.

Um das Waffen-Arsenal der Air Marshalls schlagkräftiger zu gestalten, bestünde die Möglichkeit, sie mit sogenannten Blendgranaten, die sich aus Pistolen verschießen lassen, zu versehen. Durch Lärm und Licht-Wirkung würden hierbei die Angreifer temporär ausgeschaltet.

Relativ schnell verfügbar sind allerdings laut Fenton auch ganz andere Mittel. Dazu zählen zum Beispiel Lichtquellen, die schlagartig jeden Gegner so blenden, dass er kampfunfähig wird. Weiterhin wird daran gedacht, durch Sirenen Dauergeräusche zu erzeugen, die jede mündliche Kommunikation der Terroristen untereinander oder mit den Passagieren unmöglich machen. Selbst an Netze, die von der Kabinendecke schlagartig herabgelassen werden und den Hijackern den Weg versperren, ist gedacht.

All diese Einrichtungen sind am Markt erhältlich. Für die Fluggesellschaften geht es allerdings darum, die rechtlichen Hindernisse auf dem Wege zur Installierung aus dem Weg zu räumen sowie die technischen Einzelheiten der Installation entsprechender Systeme an Bord zu klären.

Es gibt auch futuristischere Projekte. Dazu gehören Chemikalien, die aus Düsen auf den Fußboden vor der Cockpit-Tür versprüht werden, und die es Menschen unmöglich machen, sich auf den Beinen zu halten. Eine andere Lösung wären Betäubungsmittel, die in die Kabinen-Umluft gesprüht würden und alle Insassen (außer der Cockpit-Besatzung) einschläfern.

Schärfste Waffen gegen Terroristen an Bord wären schließlich sogenannte Active Denial Systeme. Dabei handelt es sich um Geräte, mit denen aus dem Cockpit Angreifer auf dem Wege über Mikro-Millimeter Frequenz-Strahlungen kurzzeitig extremer Hitze ausgesetzt würden. Diese Geräte sind im Prinzip fertig entwickelt. Für sie läuft allerdings gegenwärtig noch ein Untersuchungsprogramm, das Dauerschäden für Menschen ausschließen soll.

Das Direktorat für Nicht-Tödliche Waffen des Pentagon hat bislang einen Jahresetat von 30 Mio. Dollar. Dieser wird nun mit Blick auf die Sicherung der Luftfahrt temporär um 20 Mio. Dollar aufgestockt.

Einig sind sich allerdings inzwischen sowohl Fluggesellschaften als auch Behörden, dass die kurzfristig nach den Ereignissen in den USA diskutierte Lösung, bei Flugzeugentführungen die Avionik der Flugzeuge so zu programmieren, dass auf Knopfdruck die weitere Flugzeugführung vom Boden aus übernommen werden kann, zumindest vorerst nicht eingeführt wird. Test mit einer Frachtmaschine haben bereits gezeigt, dass ein solches Verfahren durchaus möglich ist.

Das Haupthindernis wird hierbei darin gesehen, dass es bei diesem Prinzip viel schwieriger wäre, die Flugsicherungsanlagen am Boden gegen Terroristen zu sichern. Wäre es nämlich möglich, die Piloten vom Boden aus auszuschalten, dann brauchten Terroristen nur noch eine Anlage der Flugsicherung zu überfallen, um ihre Ziele zu verwirklichen. PETER ODRICH

Von Peter Odrich
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