Sicherheit

Biometrie-Pass lässt noch viele Fragen offen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 11. 05 – Ausgereift und fälschungssicher soll der neue E-Pass sein, der seit dem 1. November ausgestellt wird. Doch die biometrische Erkennungsleistung ist noch immer zu gering. Einsatzbereit gilt der E-Pass allenfalls in Pilotstudien. Und fälschungssicher macht ihn der Chip nicht.

Bitkom, der IT-Branchenverband, freut sich über den E-Pass als „Innovationsmotor“ für die deutsche Industrie. Über Sinn und Unsinn der biometrischen Anwendung, die so aufwändig geschützt wird, redet man inzwischen kaum mehr. Gleichwohl können die hoch gesteckten Erwartungen an die Biometrie vorerst kaum erfüllt werden. Die Studie „Bio PII“ des BSI hatte gezeigt, dass die Biometriesysteme noch zu hohe Fehlerraten aufweisen.

Durfte im Test eine Person von Hundert passieren, erkannten die Gesichtserkennungssysteme zwischen 1 % und 7 % der Personen fälschlicherweise nicht. Bei den Erkennungssystemen für den Fingerabdruck bewegte sich die Rate zwischen 0 % und 5 %. Eine vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Machbarkeitsstudie verlangte jedoch Fehlerraten von „deutlich unter 1 %“ – mehr sei nicht verfassungskonform. Wenn allerdings die zwei Methoden Gesicht und Fingerabdruck ab 2007 kombiniert zum Einsatz kommen, werden auch die kombinierten Fehlerraten unter 1 % liegen. „Ausgereift“ dürfte der Pass daher frühestens in zwei Jahren sein.

Wie fälschungssicher der neue Ausweis sein wird, ist nicht bekannt. Bundesinnenminister Otto Schily jedenfalls meint vage, er sei „noch stärker“ gegen Fälschungsversuche geschützt als sein Vorgänger.

Die Fälschungssicherheit des Gesamtkunstwerks „Pass“ hängt allerdings nicht nur von der Sicherheit des Chips ab. Auf jeder seiner Verarbeitungsstufen muss der Pass gesichert werden. Nach Ansicht von Experten verfügen Ungarn und Polen über den fälschungssichersten Ausweis. Anders als beim deutschen Ausweis sind Bild und Personendaten nämlich nicht auf das Papier gedruckt und dann mit einer Folie laminiert. Sie werden direkt in die Polycarbonatfolie, in die ein Laseradditiv eingebracht ist, eingelasert. Würde ein Fälscher versuchen die Folie zu entfernen, würde er dabei das Bild inklusive der Personaldaten sowie die Unterschrift zerstören.

Doch schon vor der Erstellung des Passes muss an Sicherheit gedacht werden, um zu verhindern, dass Passrohlinge nicht von bestochenen Beamten zweckentfremdet werden: Nur Personen, die sich per PIN und Chipkarte oder per Fingerabdruck ausweisen, dürfen die Rohlinge mit den Personalisierungsdaten versehen. Auf diese Weise ließe sich genau protokollieren, wer welche Ausweise wem ausgestellt hat. Dies sieht das deutsche Passwesen jedoch nicht vor.

Aber auch die Passrohlinge selbst wiederum könnten gefälscht sein. Um sicher zu gehen, dass es sich um ein Original handelt, hat z. B. die ungarische Banknotendruckerei gemeinsam mit der Mainzer Firma Berotronika Systeme GmbH einen Reisepass-Prototypen erstellt, der einen Mikrofaden als Sicherheitsmerkmal enthält. Ein Lesegerät wertet die Eigenschaften des elektromagnetischen Fadens aus. Haarfein und nahezu unzerreißbar besteht seine Legierungsseele aus fünf Metallen. Gegen chemische Einflüsse ist er resistent, da er mit Glas ummantelt ist.

Seine Stärke besteht darin, dass er bei gewissen Legierungszusammensetzungen und einem gesteuerten Abkühlprozess individuelle Eigenschaften annimmt. Diesen Eigenschaften entsprechen elektromagnetische Kennungen, die einem Hersteller oder einem Gegenstand zugeordnet werden können. Damit kann ein Auslesegerät feststellen, ob der Faden, und damit das Dokument, in das er integriert ist, echt ist.

Sicher scheint der deutsche Pass jedenfalls zu sein, wenn es um die Sicherheit der auf dem Chip gespeicherten Daten geht: Die größte Sorge von Datenschützern war lange Zeit, dass Bürger quasi im Vorbeigehen identifiziert werden könnten. Der E-Pass enthält einen RFID-Funkchip, der sich mit entsprechendem Equipment über bis zu 50 m auslesen lässt.

Um das unbefugte Auslesen der digitalen Gesichtsdaten zu verhindern, entwickelte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine einfache Zugangskontrolle. So benötigt das Lesegerät den optischen Zugriff auf die Datenseite des Reisepasses, um auf die im Chip gespeicherten Daten zuzugreifen. Doch nur Lesegeräte, die sich gegenüber dem Chip mit einem geheimen Zugriffsschlüssel ausweisen, dürfen die Daten auslesen. Das Konzept der deutschen Sicherheitsbehörde war so überzeugend, dass sich auch die USA entschlossen, es für die eigenen Ausweispapiere zu übernehmen.

Gleichwohl sind die Gesichtsdaten nicht so sicherheitskritisch wie die Fingerabdrücke, die ab März 2007 in die Pässe aufgenommen werden sollen. Deshalb sind zusätzliche Sicherheitsmechanismen geplant, die einen wesentlich stärkeren Schlüssel vorsehen. Außerdem muss auch das Lesegerät mit einem eigenen Schlüssel beweisen, dass es die Daten überhaupt auslesen darf. Denn nicht alle 188 Staaten sollen mit dem E-Pass Zugriff auf den Fingerabdruck erhalten, der nach wie vor in polizeilichen Ermittlungen ein wichtiges forensisches Merkmal ist.

Die Europäische Kommission will allerdings erst Ende des Jahres entscheiden, ob sie überhaupt eine verschärfte Zugangskontrolle für den Fingerabdruck einführen will. Die USA jedenfalls planen derzeit keinen stärkeren Schutz für die digitalen Fingerabdrücke ihrer Bürger. EU-Bürger würden auch von einem technischen Schutz nicht profitieren, da sie weiterhin bei der Einreise in die USA ihren Fingerabdruck an der Grenze abgeben müssten. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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