Sicherheit

Biometrie: Blinder Alarm vorhersehbar

Seit dem 11. September 2001 haben biometrische Verfahren Konjunktur, wenn es um Sicherheit gegen Terror und Verbrechen geht. Doch zeigen alle Systeme in der Praxis noch Schwächen.

Können terroristische Anschläge wie die des 11. September 2001 verhindert werden, wenn an Flughäfen automatische Gesichtserkennungssysteme installiert werden? Der Klärung dieser Frage diente ein Feldversuch auf dem internationalen Flughafen von Palm Beach, Florida. 250 Fotos einer 15-köpfigen Testgruppe dienten als Grundlage für ein biometrisches Gesichtserkennungssystem, das vom 11. März bis 15. April am Sicherheitskontrollpunkt eingesetzt wurde. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur bei ausreichender Beleuchtung ist die Erkennungsrate zufrieden stellend. Abweichungen der Kopfhaltung ab 15° oder Brillen lassen die Erkennungsrate drastisch sinken. Bei rund 3500 ausgelösten Alarmen in der Testphase waren 1081 „falsch positiv“. In der Praxis, so die Auswertung, hieße das zwei bis drei falsche Alarme pro Stunde, mit den entsprechenden Behinderungen der Flugabfertigung.
Diese Ergebnisse decken sich mit den Schlussfolgerungen einer aktuellen Studie der Deutsche Bank Research. Dort heißt es: „Es gibt bislang keinen überzeugenden Nachweis, dass die positiven Attribute biometrischer Technologien – erhöhte Sicherheit oder leichte Handhabung und geringe Kosten – jemals gleichzeitig in einer produktiven Implementierung eines biometrischen Systems realisiert worden sind.“
Biometrische Systeme nutzen physiologische Eigenschaften – Fingerabdruck, Irisfarbe, Gesicht – oder Verhaltensmerkmale, um Personen zu identifizieren oder verheimlichte Identitäten aufzudecken. Die Marktforscher der Deutschen Bank zitieren einen groß angelegten Test des britischen National Physical Laboratory, der in einer normalen Büroumgebung verschiedene biometrische Verfahren untersuchte. Sogar innerhalb eines Verfahrens, der Fingerabdruckerkennung, erreichten unterschiedlich realisierte Systeme extrem verschiedene Ergebnisse. So schwankte die Rate der fehlerhaften Zulassung Unberechtigter zwischen 0,008 % und 0,45 %, die Rate der fehlerhaften Zurückweisung Berechtigter lag zwischen 2,5 % und 11 %, bei der Gesichtserkennung sogar bei 17 %. Hier sehen die Experten noch technologisches Reifepotential.
Als Verstärkung und Ergänzung klassischer Sicherungssysteme wie PIN oder Passwort sei die Biometrie jedoch bereits erfolgreich einsetzbar. So nutzen bereits verschiedene Firmen Authentifizierungssysteme auf Sprachbasis, um bei vergessenen Passwörtern automatisch wieder den Zugang zum EDV-System zu ermöglichen und damit Kosten im EDV-Bereich zu sparen. Sprechererkennungssysteme werden darüber hinaus auch in der Verbrechensbekämpfung eingesetzt, z.?B. in Mord- und Entführungsfällen automatisierte Verfahren werden jedoch auch hier noch auf sich warten lassen.
Für den großmaßstäblichen Einsatz automatisierter Systeme z. B. auf Flughäfen erwarten die Auguren einen noch zwei bis sechs Jahre dauernden Reifeprozess, für vernetzte Produkte wie Geldautomaten liege der Zeithorizont bei 10 Jahren. Das Marktpotential wächst laut Frost&Sullivan von rund 66 Mio. Dollar weltweit im Jahr 2001 auf rund 900 Mio. Dollar in 2006. Andere Marktforscher sehen schon 2004 das Überschreiten der 1-Mrd.-Dollar-Schwelle, wieder andere rechnen bis dahin nur mit 200 Mio. Dollar. Prognosen also, die nach Ansicht der Deutschen Bank mit Vorsicht zu genießen sind. jdb

Von Jens D. Billerbeck

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