Arzneimittel 11.10.2002, 18:22 Uhr

Billige Hilfe von Doc Morris

Die Front gegen den Medikamentenversand über das Internet bröckelt. Doch die Order per Mausklick kann das Gesundheitssystem nur entlasten, wenn der Handel großzügig zugelassen wird – anders als Gesundheits- ministerin Schmidt es fordert.

Apothekerpreise, ade. Aus dem niederländischen Ort Landgraaf verschickt die Versandapotheke DocMorris Arzneien an gut 80 000 Kunden in ganz Deutschland – und verlangt dafür im Schnitt 10 % weniger pro Präparat als deutsche Apotheken. Weitere 39 % der Deutschen könnten sich laut Internationalem Institut für empirische Sozialökonomie vorstellen, ihre Arzneien online zu beziehen.
Die Rückendeckung für die Versandapotheke wird immer stärker. Ende September hat das Landessozialgericht München der Siemens-Betriebskrankenkasse erlaubt, ihre Versicherten auf Versandapotheken und die Bestellung von Arzneien im Internet hinzuweisen.
Bisher ist der Online-Versand in Deutschland verboten. Doch der Europäische Gerichtshof könnte die Regelung schon 2003 kippen und Anbietern wie DocMorris und Pharmagroßhändlern ungehinderte Internet-Geschäfte ermöglichen. Bis dahin dürfen Deutsche via Internet Arzneimittel nur aus dem Ausland beziehen – vorausgesetzt, der Versand ist dort erlaubt.
Vor allem die Krankenkassen wittern enormes Sparpotenzial. Schon 490 der 520 gesetzlichen Kassen arbeiten mit DocMorris zusammen. Rund 16 % ihres Budgets geben die Versicherer für Arzneien aus. „Durch Versandapotheken könnten die Kassen etwa 400 Mio. # jährlich sparen“, sagt Gerhard Schulte, Vorstandsvorsitzender des bayerischen Landesverbands der Betriebskrankenkassen.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will den Online-Vertrieb schon bald erlauben. Sie plädiert für einen streng kontrollierten Versand von Arzneimitteln. Die Apotheker-Lobby trommelt dagegen und warnt vor Qualitätsmängeln und Fehlanwendungen, sieht sogar die flächendeckende Versorgung sowie Notfalldienste in Gefahr.
Doch die Befürchtungen von Pharmaindustrie und Apothekern sind unbegründet, laut einer neuen Studie der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young. Der Versandhandel in Deutschland werde einen Marktanteil von höchstens 1 % bis 2 % erreichen.
Knackpunkt sind die strengen Auflagen, die Schmidt fordert. In dieser Form entwickle sich der Online-Versand vermutlich nur zu einem „weiteren Distributionskanal“ und stelle nicht das gesamte System des Arzneimittelhandels in Frage, heißt es in der Studie. Dann könnten auch „die erhofften Einsparungen im Gesundheitswesen von 0,5 Mrd. # bis 1 Mrd. # wahrscheinlich nicht erreicht werden“.
Die Unternehmensberater stützen sich auf Erfahrungen unter anderem aus der Schweiz. Dort ist der Versandhandel seit 1997 erlaubt. Trotzdem haben die Anbieter einen Marktanteil von nur 2 % erreicht – unter anderem wegen der langen Lieferzeiten.
Erfolgreicher könnten Internetapotheken arbeiten – und Kosten für Arzneimittel sparen helfen –, wenn der Markt, wie von den Krankenkassen gefordert, weitgehend liberalisiert werden würde. Wie in den USA könnte der Anteil des Online-Versands dann auf 10 % bis 15 % steigen. E. BODDERAS

Ein Beitrag von:

  • Elke Bodderas

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