Sicherheit

Big Brother erstickt in der Datenflut  

VDI nachrichten, Bonn/Düsseldorf, 25. 8. 06, rb – Nach den Fahndungserfolgen der letzten Tage fordern immer mehr Politiker einen Ausbau der Videoüberwachung. Doch ein Mehr an Bildern garantiert keine Sicherheit, das wissen Experten. Je größer die Datenflut, desto mehr Probleme haben auch intelligente Systeme bei der Auswertung.

Am Freitag letzter Woche veröffentlichten die Ermittler die Videoaufnahmen der mutmaßlichen Kofferbomber vom Kölner Bahnhof. Am Sonntag wurde der erste Verdächtige verhaftet, am Dienstag stand die Identität des zweiten fest.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zeigte sich von den „sehr guten“ Videoaufnahmen der Bahnattentäter begeistert. Sie hätten „entscheidende Ermittlungsansätze“ geliefert. Die Deutsche Bahn will nun ihre Videoüberwachung ausbauen. Und Schäuble fordert mehr: „Wir brauchen die Videoüberwachung auch in anderen öffentlichen Bereichen, die ebenso gefährdet sind. Das gilt insbesondere für den öffentlichen Nahverkehr.“

Tatsächlich scheint die gemeinsame Videoüberwachung aller deutschen Bahnhöfe durch Bundespolizei und Sicherheitsexperten der Bahn erfolgreich zu sein. So berichtete das Bundesinnenministerium, dass von Oktober 2004 bis Dezember 2005 von 751 festgestellten Straftaten 468 aufgeklärt werden konnten. Die Videoüberwachung habe zudem 898 „gefahrenabwehrende Einsätze“ unterstützt.

Ob allerdings eine flächendeckende Videoüberwachung kriminalistisch sinnvoll ist, zweifeln Experten an – darunter auch der Chef des Bundeskriminalamts (BKA). „Eine 100 %ige Sicherheit kann es nicht geben“, warnte Jörg Ziercke. Es mache wenig Sinn, Kameras an jeder Haltestelle zu installieren.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar will eine Ausweitung der Videoüberwachung nur unter bestimmten Voraussetzungen unterstützen: „Die Videoüberwachung muss sich auf gefährdete Bereiche beschränken, wobei die jeweilige Gefährdungslage zu berücksichtigen ist.“ Eine lückenlose Videoüberwachung dürfe es auch in Zukunft nicht geben. Zudem müsse gewährleistet sein, dass die Aufnahmen nicht in die falschen Hände gelangen und nur für gesetzlich zugelassene Zwecke verwendet werden.

Je häufiger Sicherheitskräfte Kameras einsetzen, desto mehr Videomaterial müssen sie sichten. Nur mit Hilfe von intelligenten Auswertungsprogrammen kann die Flut der Daten bewältigt werden. Doch: „In Deutschland kommen solche computergestützten Systeme bisher kaum zum Einsatz“, erklärte am Mittwoch dieser Woche Willi Berchtold, Chef des IT-Branchenverbands Bitkom.

Die technischen Möglichkeiten im Kampf gegen Anschläge würden hierzulande noch zu wenig genutzt. Ziel müsse es laut Berchtold sein, mit intelligenter Videosensorik Vorfälle von Anbeginn zu verhindern. Hochmoderne Software könne Bilder von Überwachungskameras auswerten, so wirbt der Verband für Innovationen aus der Branche. Stehe z. B. ein Koffer für längere Zeit auf einem Bahnsteig, schlage das System Alarm. Gleiches gelte, wenn ein Reisender sich auffällig verhält.

Das es nicht ganz so einfach ist, weiß Joachim Köhler, Abteilungsleiter der Forschungsabteilung NetMedia im Fraunhofer-Institut IAIS. Zwar klappt der Abgleich bei wenigen gespeicherten Bildern, aber je mehr Personen in einer Datenbank gespeichert sind, desto größer die Verwechslungsgefahr. Und auch Menschenmengen im Pulk können moderne Technik zum Stolpern bringen. CSH/RB

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