Gesundheit

Beitragsschub bei den privaten Kassen

Um 80 % seien die Beiträge zu den privaten Kranken- versicherungen seit 1992 gestiegen, hat das Magazin „Spiegel“ ausgerechnet. Die Versicherungen bezweifeln diese Zahl.

Einen Monatsbeitrag von 500,07 € zahlt ein Versicherter der DBV-Winterthur für seine beiden Kinder und sich. Zum 1. Januar, so teilte ihm seine Versicherung mit, steigt der Monatsbeitrag auf 623,05 l. Gleichzeitig erhöht die Versicherung seinen Selbstbehalt, bis zu dem er die Arztrechnungen selbst bezahlen muss, von 750 € auf 840 € im Jahr. An den monatlichen Prämien beteiligt sich sein Arbeitgeber aber nicht mehr zur Hälfte, weil dieser Zuschuss künftig bei 249 € im Monat gekappt wird. Insgesamt steigt die Mehrbelastung des Versicherten ab Januar um gut 115 € im Monat.
Diese „Preiserhöhung“ ist sicherlich ein Extremfall. Deutlich teurer wird die private Krankenversicherung zum Jahreswechsel allerdings für viele Versicherte. Die Signal-Iduna hat beispielsweise eine Verteuerung um durchschnittlich 8 % angekündigt: 2,5 % auf Grund der Sterbetafel und weitere 5,5 % wegen der allgemeinen Teuerung. Die Debeka erhöht bei einem Beamten, der 30 % seiner Krankenversicherung selbst abdecken muss, um 14,30 € im Monat – immerhin ein Plus von rund 10 %. Der Beamte zahlt bislang 114,80 €.
Um durchschnittlich 80,3 % sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung seit 1992 gestiegen – und damit deutlich über der allgemeinen Teuerungsrate, hat das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ermittelt. Diese Zahlen zweifelt der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) in Köln an, weil die Tarife zu unterschiedlich seien, um überhaupt eine Durchschnittswert zu bilden. Dass die Beiträge steigen, ist allerdings eindeutig. Drei Gründe sieht der Verband für den „tiefen Schluck aus der Preispulle“.
– Die allgemeine Teuerung, unter der die private wie die gesetzliche Versicherung zu leiden haben.
– Zudem schlägt allein die neue Sterbetafel 2004 mit bis zu 4 % Mehrkosten zu Buche. Da die Versicherten heutzutage älter werden als die Generationen vor ihnen, benötigen sie mehr medizinische Leistungen. Die Kosten dafür müssen im Laufe des Versicherungslebens zusätzlich „angespart“ werden. Allerdings können die 4 % Verteuerung auf drei Jahre verteilt werden.
– Dritter Grund für die Verteuerung sind „sinkende Storno-Zahlen“: Weniger privat Versicherte wechseln die Kasse und hinterlassen damit auch nicht mehr ihre Alterungsrückstellungen bei ihrer früheren Versicherung. Dieses Geld käme sonst den dort verbliebenen Versicherten zugute.
Vehement verwehrt sich Christian Weber vom Verband der Privaten Krankenversicherungen gegen die Behauptung, dass die privaten Kassen teurer werden, weil sich die Gesellschaften an der Börse verspekuliert hätten. Tatsächlich legen sie dort Teile der sogenannten Alterungsrückstellungen an. Aber „kein einziger Euro von diesen Rückstellungen ist jemals über eine unglücklich verlaufene Anlage gefährdet worden“, erklärt Weber. Wenn es bei den privaten Krankenversicherungen Abschreibungen gebe, würden diese zu Lasten der Gewinne der Gesellschaften gehen. Es könnten auch die jährliche Rückvergütung an die Versicherten geschmälert werden, nicht aber die Rückstellungen.
Ab Januar locken gesetzliche Kassen (Techniker Krankenkasse, Barmer) mit Zusatzpolicen, mit denen sich die Versicherten zusätzlich privat absichern können, z. B. für Einzelzimmer oder Chefarztbehandlung. Dagegen wollen die Privaten vor dem Bundesverfassungsgericht klagen, so PKV-Präsident Reinhard Schulte. Gesetzliche Kassen dürften keine Leistungen anbieten, die ebenso gut oder besser von den Privaten erledigt werden können.
Für viele privat Krankenversicherte gibt es bei der kräftigen Verteuerung ab Januar keinen Ausweg: Die Rückkehr in die preisgünstigere gesetzliche Kasse ist verbaut. ro

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