Sicherheit

„Bei Sicherheit kann eine 2-Klassen-Gesellschaft entstehen“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 1. 08, mg – Am 31. Dezember 2007 fiel eines der letzten Monopole auf dem technischen Prüfsektor in Deutschland. VDI nachrichten sprach mit Manfred Bayerlein vom TÜV SÜD über die Hintergründe der Liberalisierung und die Auswirkungen auf die Prüfung von überwachungsbedürftigen Anlagen.

Bayerlein: Nach der Liberalisierung des Prüfmarkts für überwachungsbedürftige Anlagen gibt es in Deutschland nur noch ein Prüfmonopol – das der Führerscheinprüfung.

VDI nachrichten: Was sind die wichtigsten technischen Objekte, die von der Liberalisierung betroffen sind?

Bayerlein: Betroffen sind überwachungsbedürftige Anlagen, bei denen es ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für Beschäftigte und Dritte gibt. Solche Anlagen lassen sich vier Bereichen zuordnen: Anlagen unter innerem Überdruck, Aufzugsanlagen, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen sowie Anlagen zur Lagerung und zum Umschlag von entzündlichen Flüssigkeiten.

VDI nachrichten: Beispiele dafür?

Bayerlein: Dazu gehören beispielsweise Aufzüge, Dampfkesselanlagen, Druckgasbehälter, Leitungen für gefährliche Gase oder Flüssigkeiten oder Tankstellen und Flugfeldbetankungsanlagen.

VDI nachrichten: Grundlegende Regelungen wurden in der Betriebssicherheitsverordnung getroffen. Wer hat sie geschaffen?

Bayerlein: Mit der Betriebssicherheitsverordnung hat der deutsche Gesetzgeber die Regelungen für den Anlagenbetrieb komplett überarbeitet. Im Kern geht es um die wiederkehrenden Prüfungen durch zugelassene Überwachungsstellen. Für Anlagenbetreiber bringt die Betriebssicherheitsverordnung deutlich mehr Verantwortung, weil sie die Prüffristen auf Basis von sicherheitstechnischen Bewertungen bzw. Gefährdungsbeurteilungen – im Rahmen von bestimmten Höchstfristen – selbst bestimmen müssen.

VDI nachrichten: Hat die Liberalisierung des Prüfmarkts – wie in vielen anderen Sektoren – ihren Ursprung in EU-Richtlinien?

Bayerlein: Nein. Im europäischen Binnenmarkt wurden vor allem die Beschaffenheitsanforderungen für überwachungsbedürftige Anlagen harmonisiert, während es Regelungen wie die deutsche Betriebssicherheitsverordnung für die nationalen Betriebsvorschriften gibt.

VDI nachrichten: Was soll der Fall des Prüfmonopols nach den Vorstellungen derer, die die Betriebssicherheitsverordnung geschaffen haben, bewirken?

Bayerlein: Mit der Einführung der Betriebssicherheitsverordnung verfolgte der Gesetzgeber das Ziel, bürokratische Überregulierungen abzuschaffen und unternehmerischem Handeln mehr Freiraum einzuräumen – ohne dabei das hohe Sicherheitsniveau in Deutschland zu gefährden.

VDI nachrichten: Was können Ihre Kunden, die bei Ihnen Kraftwerke, Pipelines oder andere Anlagen prüfen lassen, ab 1. Januar erwarten?

Bayerlein: Wir werden unsere Prüfdienstleistungen weiterhin in der gewohnten Qualität durchführen und damit unseren Beitrag zur Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebs leisten. Natürlich kennen wir die Anlagen unserer Kunden sehr genau, was für diese Aufgabe von großem Vorteil ist. Zudem werden wir auch die Chance nutzen, unsere Dienstleistungen im ganzen Bundesgebiet anzubieten und vor allem Kunden mit verteilten Standorten aus einer Hand zu bedienen.

VDI nachrichten: Was erwarten Sie als Prüforganisation Positives oder Negatives von der Liberalisierung?

Bayerlein: Wir befürchten, dass eine 2-Klassen-Gesellschaft entstehen könnte. Große Unternehmen werden die Betriebssicherheitsverordnung aus eigener Kraft oder mit externem Know-how umsetzen, kleine und mittlere Unternehmen können aufgrund der fehlenden Ressourcen die Chancen der neuen Regelungen kaum nutzen und sind – durch die gewachsene Eigenverantwortung – einem höherem Haftungsrisiko ausgesetzt. Über die langfristigen Auswirkungen auf die Sicherheit von überwachungsbedürftigen Anlagen können wir im Moment bestenfalls spekulieren.

VDI nachrichten: Gibt es Vorbilder oder Erfahrungen im Ausland, die zeigen, was auf die technische Prüfbranche hierzulande zukommt?

Bayerlein: Die Erfahrungen aus dem Ausland lassen sich nicht auf die spezielle Situation in Deutschland übertragen. Aber das Beispiel der Kfz-Hauptuntersuchung zeigt, dass sich im deutschen Markt die qualifizierten Anbieter behaupten konnten. Wir gehen davon aus, dass die Qualifikation, Erfahrung und Zuverlässigkeit des Dienstleisters bei der Prüfung von überwachungsbedürftigen Anlagen aufgrund der höheren Komplexität der Aufgabe sogar noch eine deutlich größere Bedeutung haben werden. mg

Von Manfred Grotelüschen

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