Sicherheit

Bei Ölbränden im Nord-Irak droht eine Katastrophe

In den USA sitzen Lösch-Spezialisten auf gepackten Koffern. Täglich erwarten sie den Anruf aus dem Pentagon, der sie Richtung Nahost in Marsch setzt. Genau wie vor zwölf Jahren, als sie 690 brennende Ölquellen in Kuwait löschen mussten.

Sieben der rund 500 Ölquellen in Rumaila, im Süden Iraks, sollen bisher in Brand gesetzt worden sein. Kuwaitische Experten haben begonnen, die Feuer zu bekämpfen. Drei bis vier Wochen werden die Arbeiten dauern, schätzt der Teamleiter der Kuwait Oil Company. Im Golf-Krieg 1991 hatte das Löschen von 690 Ölquellen mehrere Monate gedauert.
Nie wird Mike Miller den damaligen Einsatz vergessen: „Das ganze Land stand in Flammen. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, habe ich zu mir gesagt: Jesus, ich sollte umkehren, denn ich habe mich gerade der Hölle ausgeliefert.“ Doch Miller blieb und löschte den bisher größten Ölbrand der Weltgeschichte.
Der Kanadier ist Chef von Safety Boss, einer Firma, die sich auf Notreparaturen von Ölförderanlagen spezialisiert hat. Er taucht immer dort auf, wo Desaster drohen. Für den Irak hat er seine Tasche schon gepackt: „Ich kann mit meinem Team und den Lösch-LKW in 48 Stunden da drüben sein“, sagt er.
Auch seine Konkurrenten von Cudd Pressure Control, Wild Well und Boot&Coots sitzen in den Startlöchern. Wenn der Irak seine Quellen zerstört, werden sie alle genug zu tun haben, denn weltweit gibt es weniger als 100 Spezialisten, die brennende Ölfelder löschen können. Fast scheint es, als könnten sie es kaum erwarten: „Die Branche ist ziemlich aufregt“, sagt Mike Miller. „So ein Einsatz wäre ein Höhepunkt in unserem Berufsleben.“
Zerstört Saddam die Ölfelder im Norden, droht eine noch größere Katastrophe als in Kuwait. Damals verbrannten 3 % der Ölvorkommen des Landes. Es dauerte zwei Jahre, bis die Bohrtürme repariert waren. 38 Mio. l Rohöl flossen in den Golf. Bis heute sind 30 % von Kuwaits Wasserquellen unbrauchbar. Für den Irak befürchten die Experten noch schlimmere Folgen.
„Eines der größten Probleme wird sein, an Löschwasser zu kommen“, meint Les Skinner von Cudd Pressure Control. „Wenn Saddam Öl in den Tigris oder Euphrat fließen lässt, müssen wir an Meerwasser herankommen.“ Doch anders als im kleinen Kuwait sind die Wege zu den nordirakischen Ölfeldern weit. „Damals haben wir die Pumprichtung einer Pipeline umgedreht, und Golfwasser zu den Brandherden gesogen“, erinnert sich Skinner, „ob das diesmal möglich ist, weiß keiner.“
Wasser brauchen die Öl-Helden vor allem, um zu kühlen. Neben einer brennenden Quelle erhitzt sich die Luft auf über 800o C, im Kern der Flammen auf 2500o C. Um löschen zu können, müssen die Männer auf 2 m bis 10 m an die Flammen heran. „Wir stellen zuerst unsere Löschfahrzeuge im Halbkreis um das Feuer“, beschreibt Mike Miller, „dann zaubern wir mit drei bis vier dicken Schläuchen einen etwa 15 m breiten Regenvorhang um den Brand.“ So kühlen sie die Luft auf knapp 50o C herunter.
Erst dann fangen die Ingenieure mit dem eigentlichen Löschen an. „Dazu haben wir verschiedene Möglichkeiten“, erzählt Les Skinner. „Wenn das Feuer senkrecht aufsteigt, schießen wir Chemikalien wie Lithium oder Kaliumbicarbonat in den Kern des Feuers. Bei diagonalen Flammen setzen wir eher Sprengstoff ein. Tritt giftiges Hydrogenschwefeldioxid (H2S) aus, lassen wir das Feuer lieber brennen und versuchen, die Ölzufuhr zu kappen. Manchmal bleibt uns nur der letzte Ausweg die Quelle zu killen, indem wir sie mit Sand oder Beton verschütten.“
Ein gefährlicher Job, den die hart gesottenen Ölhelden gern cool herunterspielen. „Die Feuer sind unser geringstes Problem“, winkt Skinner ab. Viel schwerer werde es, den Ölfluss unter Kontrolle zu bringen. Jeder Bohrturm hat seine Eigenarten. Nur wenn man die kennt, kann zügig repariert werden.
Im letzten Golfkrieg waren die Retter bestens vorbereitet, weil die Kuwaitis sie mit allen nötigen technischen Daten versorgten. Mit solcher Unterstützung können sie diesmal nicht rechnen. „Wir wissen nicht, was für Kappen und Ventile wir mitnehmen sollen“, klagt Skinner. „Unter diesen Umständen wird es viel länger dauern als damals“, befürchtet auch Mike Miller.
Mehr noch fürchtet er den Hass der Iraker. „Wir gehen da erst rein, wenn das Militär die Lage völlig geklärt hat“, hört man unisono aus allen Firmen. „Sie müssen sicherstellen, dass an den Bohrtürmen keine chemischen oder biologischen Sprengsätze oder andere Schweinerein angebracht sind“, fordert Miller. Und sie verlangen Schutz vor Racheakten der Iraker. „Selbst wenn wir die Feuer gelöscht haben, reicht ein Funke, um das ganze Ölfeld wieder in eine Fackel zu verwandeln“, sagt Skinner. „Wenn da einer aus großer Entfernung auf die Pipeline schießt, haben wir ganz schnell einen Haufen brennender Feuerwehrmänner.“
Noch haben die Spezialisten keinen Anruf vom Pentagon bekommen. Vielleicht, weil die Lage noch zu unsicher ist. Vielleicht aber auch, weil die USA die Rettungsaktion nicht bezahlen wollen. Im letzten Golfkrieg haben die Kuwaitis ihr Portemonnaie gezückt. Wer diesmal die Rechnung trägt, ist bis jetzt völlig unklar. STEPHANIE WÄTJEN

Von Stephanie Wätjen Tags:

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