Sicherheit

Bedingt abwehrbereit

Die Lage in den meisten Hochwassergebieten Deutschlands hat sich entspannt. Auch Köln ist nochmal davon gekommen.

Vorerst. Denn trotz zahlreicher Schutzprogramme ist die Stadt schlecht gewappnet. Eine extreme Flut, so warnen Experten,
würde auch am Rhein enorme Schäden anrichten.
Kann sich die Katastrophe von der Elbe am Rhein wiederholen? Prof. E. Ruiz Rodriguez von der Ingenieurgemeinschaft Rodriguez + Zeisler für Wasserbau und Wasserwirtschaft in Wiesbaden macht sich keine Illusionen. „Wenn heute ein Hochwasser wie vor 200 Jahren den Rhein herunterkäme, würden die Deiche brechen. Wir wissen nur nicht wo“, sagt er. Das Moselhochwasser vom Winter 1783/84 zählt mit 2000 Toten zu den schlimmsten Naturkatastrophen der Neuzeit in Deutschland. Alle 200 Jahre, so haben Experten errechnet, ist mit einer solchen Flut zu rechnen.
Der Kölner Stadtrat hat 1996 ein Konzept zum Hochwasserschutz beschlossen, das sich nach Einschätzung von Experten sehen lassen kann. Mit der praktischen Umsetzung allerdings hapert es, wie Wissenschaftler jetzt gezeigt haben.
Die Zahlen der Hochwasserschutzzentrale Köln sprechen für sich: Gegenwärtig ist die Altstadt bis zu einem Pegelstand von 10 m geschützt, der Rest bis 10,70 m. Sollte der Rhein auf 11 m steigen, wären 110 000 Menschen betroffen. Der gesamte Kölner Norden würde unter Wasser stehen, einschließlich des „Industrieparks Nord“ mit seinen Chemiebetrieben, den die Stadt für 50 Mio. # genau im potenziellen Katastrophengebiet gebaut hat.
Nicht nur die Kölner, auch die anderen Anrainer haben einen „Aktionsplan Hochwasser“ für das Rheingebiet beschlossen. Das Ziel: Hochwasserschutz so natürlich wie möglich. Ein von der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) ausgearbeitetes Programm soll die Infiltration in den Boden verbessern und so mehr Wasserrückhalt im Einzugsgebiet bringen. Dazu gehören Versickerungsflächen in Gemeinden, Vermeidung von Bodenverdichtung durch extensive Landwirtschaft, Aufforstung und Renaturierung von Wasserläufen. Bis 2020 sind dafür mit 8 Mrd. # zwei Drittel des Gesamtbudgets vorgesehen.
Das Deutsche Forschungsnetz Naturkatastrophen (DFNK) hat die Maßnahmen hinsichtlich ihrer Effektivität unter die Lupe genommen. Das vierjährige Projekt lief unter dem Kürzel Lahor (Quantifizierung des Einflusses der Landoberfläche und der Ausbaumaßnahmen an Gewässern auf die Hochwasser im Rheingebiet). Beteiligt waren das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Universitäten Potsdam und Stuttgart, die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz, das niederländische Reichsinstitut für Binnengewässer (RIZA) sowie die Kommission für die Hydrologie des Rheins (KHR).
Die Untersuchungen erstreckten sich auf den Rhein zwischen Karlsruhe und Lobith an der deutsch-niederländischen Grenze mit einem Einzugsgebiet von 110 000 km². Die Wissenschaftler haben simuliert, wie Hochwasser im Kleinen entsteht, auf größere Gebiete übergreift und schließlich als Hochwasserwelle über die großen Nebenflüsse und den Rhein abläuft.
Anhand vier vergangener Hochwasser – 1983, 1988, 1993 und 1995 – wurden die Auswirkungen verschiedener Landnutzungen durchgespielt, darunter der Siedlungsentwicklung bis 2010 mit den Maßnahmen des „Aktionsplanes“ und ohne sie. Die Ergebnisse zeigen, dass besonders die Wirkung von Versickerungsflächen enorm überschätzt wurde.
Versickerungsflächen dämpfen den Wasserabfluss, so ein Ergebnis der Studien, nur kleinräumig und kurzzeitig – etwa nach Platzregen. Wälder können gegebenenfalls eine Zeit lang erhebliche Regenmengen aufnehmen. Je länger Regenfälle aber anhalten und je größere Gebiete sie erfassen, um so mehr lässt die Wirkung nach. Im Extremfall, wenn der Boden wassergesättigt oder gefroren ist, fließen Niederschläge ab wie von einem Parkplatz, ganz gleich, ob es sich um Wald, Wiese oder Acker handelt.
„Von infiltrationsfördernden Maßnahmen der Landnutzung darf kein bedeutende Minderung des Hochwasserrisikos an Rhein und Nebenflüssen erwartet werden“, lautet das Resümee von Lahor. Aktionsplan hin oder her – den Scheitelpunkt der Flutwelle könnten die Anti-Hochwasserbemühungen nur um Zentimeter beeinflussen.
Wirksamer dagegen sind Flutungszonen. Besonders wenn sie nicht automatisch überschwemmt, sondern durch Schleusen gezielt geflutet werden, können sie Hochwasserwellen erheblich schwächen. Zu dieser Erkenntnis gelangte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Heinz Engel von der BfG durch zahlreiche Simulationsläufe. Am Oberrhein sind Polder mit einem Gesamtvolumen von 290 Mio. m³ geplant. Ihr vollständiger Einsatz würde zwischen Neckar- und Mainmündung die Hochwasserscheitel im Mittel um 60 cm absenken in Köln wären es noch 45 cm und bei Lobith 30 cm. Vorerst stehen aber erst 60 Mio. m³ Polder zur Verfügung. Die Erdarbeiten werden sich außerdem noch mindestens acht Jahre hinziehen.
Rheinhochwasser kommen aber keineswegs nur vom Oberlauf – sie können ebenso gut vom Mittellauf aus das Land überschwemmen. Besonders die Mosel schickt zuweilen gewaltige Flutwellen in den Rhein. Am Hochwasser von 1993, das in Köln 12 000 m³/s erreichte, war sie mit einem Spitzenabfluss von 4170 m³/s beteiligt. Ähnlich war es 1995. In solchen Fällen nützt Hochwasserrückhalt am Oberrhein wenig und da im engen Mosel- und Rheintal dafür kaum Möglichkeiten bestehen, bleibt nur der örtliche Hochwasserschutz.
Köln will sich nun bis zu einem Pegelstand von 11,90 m schützen. Ein Restrisiko bleibt allerdings. Beim Moselhochwasser im 18. Jahrhundert wurde ein Pegelstand von 13,55 m erreicht. HANS DIETER SAUER

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

bluesign technologies ag-Firmenlogo
bluesign technologies ag Chemical Company Assessor (f/m) Sankt Gallen (Schweiz), Augsburg
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in (m/divers/w) für die Prüfung von Maschinen und Arbeitsmitteln deutschlandweit
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)-Firmenlogo
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) Referent/Referentin (m/w/d) Präventionsdienste Sankt Augustin
Advanced Nuclear Fuels GmbH-Firmenlogo
Advanced Nuclear Fuels GmbH Ingenieur (m/w/d) für Kerntechnik oder Sicherheitstechnik Lingen
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH Leiter Arbeitssicherheit und Umweltmanagement (m/w/d) Augsburg
Stadt Frankfurt am Main-Firmenlogo
Stadt Frankfurt am Main Ingenieur_in (w/m/d) Betriebssicherheit Frankfurt am Main
Stadt Frankfurt am Main-Firmenlogo
Stadt Frankfurt am Main Ingenieur_in (w/m/d) Betriebssicherheit / Elektrotechnik Frankfurt am Main
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Feuerwehrmann/-frau (m/w/d) im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst (Laufbahnausbildung) Köln
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Duales Studium: Sicherheitstechnik im gehobenen Feuerwehrtechnischen Dienst (m/w/d) Wuppertal

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssic…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.