Gesundheit

Babyschnuller mit Schadstoff belastet  

Umweltverbände weisen die hormonell wirksame Chemikalie Bisphenol A in Schnullern nach. Die Hersteller sehen jedoch kein Gesundheitsrisiko für Babys und Kleinkinder. Das Bundesinstitut für Risikoforschung führt jetzt eigene Tests durch. Der BUND fordert indes von den Herstellern künftig den Verzicht auf den Schadstoff bei der Produktion von Saugern. VDI nachrichten, Berlin, 9. 10. 09, ber

„Wir sind schockiert, Bisphenol A in Babyschnullern zu finden“, sagte Patricia Cameron, Chemieexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Wiener Labor Chemcon untersuchte zehn Schnuller verschiedener Marken auf diese Chemikalie. Die Schilde der neun Schnuller, die aus Polycarbonat bestehen, enthalten 0,2 g bis 2,2 g Bisphenol A/kg. Bei den fünf am höchsten belasteten Saugern aus Latex oder Silikon schwanken die Werte zwischen 0,08 g und 0,4 g/kg.

„Sollten sich die gefundenen Gehalte bestätigen, wäre dringend für Abhilfe zu sorgen“, sagte Karla Pfaff vom Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR). Bisphenol A wirkt wie ein Hormon. Studien an Ratten und Mäusen zeigen, dass die Substanz männliche Tiere unfruchtbar machen und die Entwicklung des Gehirns stören kann. Zudem steht Bisphenol A im Verdacht, Brustkrebs hervorrufen zu können. „Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf solche Schadstoffe“, warnte Ibrahim Chahoud, Toxikologe an der Berliner Universitätsklinik Charité.

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hält lebenslänglich eine tägliche Aufnahme von bis zu 50 µg Bisphenol A pro kg Körpergewicht für harmlos. Ein 5 kg schwerer Säugling dürfte danach täglich bis zu 250 µg davon aufnehmen. Dieser Wert könne durchaus durch das Saugen an hoch belasteten Schnullern erreicht werden, meint Cameron: „Kinder nehmen gern alles in den Mund, das gilt auch für den ganzen Schnuller.“

Das BfR führt jetzt – um auf Nummer sicher zu gehen – eigene Analysen an Saugteilen von Schnullern durch. Nach vorläufigen Ergebnissen liegen die gemessenen Werte allerdings um das Zehnfache unter den Resultaten des Wiener Labors.

Zudem untersucht das BfR (wie auch das Labor Chemcon), wie viel Bisphenol A Kleinkinder aufnehmen, wenn sie an Schnullern saugen. „Die gesundheitliche Bedeutung dieser möglicherweise neuen Bisphenol A-Quelle für den Menschen wird das BfR nach Abschluss der Untersuchungen bewerten“, so Pfaff.

Währenddessen wehren sich Schnullerhersteller. Die Firma Mapa GmbH aus Zeven in Niedersachsen, die Schnuller der Marke Nuk verkauft, stellt die Messergebnisse aus Wien infrage. Sie schließt aus, dass Bisphenol A aus den Schilden in die Sauger aus Latex oder Silikon austritt. Die Schnuller seien sicher, versicherte der Hersteller.

BUND-Expertin Cameron verteidigt die Wiener Ergebnisse: „Das Prüflabor ist akkreditiert und auf die Messung von Kunststoffbestandteilen spezialisiert.“ Die unterschiedlichen Messwerte könnten eventuell durch unterschiedliche Chargen erklärt werden oder dadurch, dass sich das Schnullermaterial, wenn es länger in Lagerräumen oder auf Regalen liegt, verändert.

Der BUND fordert von den Schnullerherstellern, auf Bisphenol A zu verzichten, und vom Handel, alle Schnuller, die Polycarbonat enthalten, aus den Regalen zu entfernen. RALPH AHRENS

 

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