Gesundheit

Auf unnötige Durchleuchtung verzichten  

Zwischen Strahlenbelastung und Krebsrisiko besteht offenbar ein weitgehend linearer Zusammenhang.

Eine Schwelle, unterhalb der ionisierende Strahlung harmlos oder sogar förderlich ist, gibt es nicht“, betonte Richard Monson, Epidemiologe an der Harvard-Universität, vergangene Woche bei der Vorstellung des so genannten BEIR-VII-Berichtes in Washington. Die BEIR-Kommission (Biological Effects of Ionizing Radiation) ist neben dem UN-Wissenschaftlerausschuss für die Wirkung radioaktiver Strahlung UNSCEAR weltweit die zentrale Stelle, die den wissenschaftlichen Kenntnisstand über ionisierende Strahlung als Basis für den internationalen Strahlenschutz zusammenstellt.

Ergebnis des Berichts: Zwischen Strahlenbelastung und Krebsrisiko besteht offenbar ein weitgehend linearer Zusammenhang. Jede noch so kleine Dosis von radioaktiver oder Röntgenstrahlung erhöhe entsprechend das Risiko an Krebs zu erkranken. Folgerichtig riet Mediziner Monson, unnötige Strahlenbelastungen konsequent zu meiden.

Der aktuelle Bericht zeigt, dass rund 82 % der Belastung aus Röntgen- und Gammastrahlung auf die natürliche Hintergrundstrahlung, der jeder Mensch ausgesetzt ist, entfallen. Diese beträgt durchschnittlich 2,5 Millisievert (mS) im Jahr, fällt jedoch in Hochbelastungsgebieten wie dem Hochgebirge wesentlich stärker als im Flachland aus. Die restlichen 18 % werden vor allem durch medizinische Anwendungen beigesteuert, hauptsächlich durch Röntgenuntersuchungen oder Computertomogramme.

Die BEIR-Experten warnten daher vor dem übermäßigen medizinischen Einsatz. „Ein einziges Ganzkörper-Tomogramm verursacht eine Belastung von 10 mS, das ist eine relativ hohe Dosis“, erklärte Monson. Zum Vergleich: Der Grenzwert für einen Arbeiter an einem strahlenexponierten Platz beträgt in Deutschland 20 mS/Jahr.

Ob solche Untersuchungen ein Gesundheitsrisiko bedeuten, wisse man gegenwärtig nicht, es solle aber auf jeden Fall näher untersucht werden.

Auch in Deutschland wird zurzeit für Ganzkörperdurchleuchtungen zu Vorsorgezwecken geworben – und das mit prominenten Werbeträgern. „Ich rate“, so Richard Monson, „nur bei medizinischer Notwendigkeit und nach ärztlicher Beratung dazu.“ H. KROKER/ber

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