Gesundheit

Auf der Suche nach Deutschlands sparsamstem Krankenhaus

Deutsche Krankenhäuser sind zu Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Doch die Realität sieht leider anders aus. Die Kliniken zeigen zum Teil riesige Unterschiede in der Leistungsfähigkeit. Nun sorgen Krankenhäuser in einem einzigartigen Projekt selbst für Kostensenkung und angemessenes Qualitätsmanagement.

Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern mit das teuerste Gesundheitswesen – bei allerdings nur mittelmäßiger Qualität, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelte. „Für diese Diskrepanz ist die vorangegangene Regierung verantwortlich“, behauptet Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Sie habe es versäumt, mit geeigneten Instrumenten für Effizienz, Qualität und Kostenbewusstsein zu sorgen. Den Missstand zu beheben, rief das BMBF deshalb vor einem Jahr ein Pilotprojekt zum Vergleich des Managements in der Gesundheitswirtschaft ins Leben, das gezielt zur Kostensenkung in deutschen Krankenhäusern beitragen soll. Nun zogen die Verantwortlichen erstmals Bilanz.
„Die Ergebnisse zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, verkündet Catenhusen stolz. „Wir können mit weniger Geld mehr Qualität im Gesundheitswesen erreichen.“ Insgesamt beteiligten sich 40 Krankenhäuser und Reha-Kliniken an dem Projekt unter Leitung des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) im Wissenschaftszentrum NRW, Gelsenkirchen.
Mit über einer Million Beschäftigten zählen stationäre Gesundheitseinrichtungen immerhin zu den wichtigsten Arbeitgebern in Deutschland. Gesetzgeber, Kostenträger und Selbstverwaltungsorgane erwarten, dass sie ihr Qualitätsmanagement selbst durchführen. Anstatt, wie vielerorts üblich, über Einschränkungen durch die Gesundheitsreform zu jammern, haben die am IAT-Projekt beteiligten Häuser die Herausforderung angenommen und hoffen nun, gute Ideen und Lösungen weitergeben und gegenseitig davon profitieren zu können.
Die Arbeitsgrundlage im Projekt ist denkbar einfach. Befragungen von Patienten und Mitarbeitern sowie die Erhebung von Betriebsdaten lassen schnell erkennen, welches Haus in welchem Bereich die besten Ergebnisse erzielt. Berücksichtigt werden u.a. Dokumentationssysteme, elektronische Patientenakten, Abrechnungssysteme, Arbeitszeitmodelle, Logistikkonzepte, Möglichkeiten zum Aufbau interdisziplinärer Ambulanzen, Energieversorgung und die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten.
Allein bei den Zulieferern für Krankenhäuser ließe sich kräftig sparen. In diesem riesigen Wirtschaftssektor, dessen jährliche Umsätze sich auf rund 34 Mrd. DM belaufen, herrscht ein starker Preisdruck. Zwischen 60 und 1500 verschiedene Lieferanten bringen ihre Waren in die Krankenhäuser jeder einzelne zieht jeweils einen Rattenschwanz an Kosten nach sich. Denn jede eingehende Lieferung muss angenommen, geprüft, verrechnet, verteilt und gelagert werden. Hier wünschen sich die Projektorganisatoren eine Straffung vergleichbar der Automobilindustrie. „Der entscheidende Einspareffekt bei den Zulieferern liegt nicht in der Senkung der Preise, sondern in der besseren Organisation“, erklärt dazu Stephan von Bandemer, Abteilung Dienstleistungssysteme im IAT.
Ein anderes Beispiel ist der Arztbrief. Die Laufzeiten dafür variieren je nach Krankenhaus zwischen 2,5 und 45 Tagen. Warum geht es in einem Fall so schnell, im anderen aber so langsam? Bandemer: „Nicht der Schlechteste wird von uns befragt, sondern der Beste.“ Wie schafft diese Klinik das so schnell, lässt sich das Prinzip auch auf andere Häuser übertragen?
Und noch ein Beispiel dafür, dass in so manchem Krankenhaus erhebliches Verbesserungspotential verborgen ist: die Patientenakte. Wäre sie einheitlich gestaltet, ließen sich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen verringerten sich Suchzeiten und Doppelarbeit, die Beschäftigten wären weniger genervt, zum anderen würden – wenn alle Daten auf Knopfdruck vorlägen – vielleicht von so manchem Patienten weniger Röntgenaufnahmen gemacht werden müssen, würde er also weniger mit Strahlen belastet.
„Lernen aus Vergleichen“ könnte das Motto des Projektes sein: Nach einem Jahr ziehen die Kliniken eine durchaus positive Bilanz. Die beteiligten Einrichtungen bemühen sich intensiv um eine bessere Informationspolitik sowohl für die Beschäftigten als auch für die Patienten. Sie gestalten die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen und Disziplinen neu, führen ein Beschwerdemanagement und Vorschlagswesen ein, erweitern die ambulanten Behandlungsstationen oder verbessern die Zusammenarbeit mit den Lieferanten.
„Ich bin überzeugt davon, dass unsere Aktivitäten Wirkung zeigen und wir den Abstand deutlich verkürzen können, der uns – laut WHO – heute noch vom denkbar besten Gesundheitswesen trennt“, blickt Catenhusen zufrieden in die Zukunft. B. RECKTER

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