Gesundheit

Antreten zum Wasserlassen

Eine wachsende Zahl von Firmen überprüft bei Bewerbern nicht nur die Qualifikation, sondern auch die Urinwerte. Drogentests nach US-Vorbild bürgern sich auch hierzulande ein – ihre Zulässigkeit ist aber umstritten.

Als einer der ersten deutschen Konzerne begann vor zwei Jahren die Saarstahl AG, ihren Nachwuchs auf Drogenkonsum zu überprüfen. 40 Azubis unterzogen sich einem Urintest – in sechs Fällen wurden Rückstände von Drogen gefunden. Doch obwohl die Untersuchung „freiwillig“ war, folgte ein Rechtsstreit. Seither hält sich der Konzern zu dem Thema bedeckt.
Dabei leuchtet ein, was Personalchef Karl-Heinz Kihn zur Rechtfertigung der Tests sagt: „Bei uns gibt es Kräne mit 100 t Roheisen am Haken und schnelllaufende Maschinen. Wir müssen sicher sein, dass unsere Leute klar im Kopf sind, damit nichts passiert.“
„Auch wenn kein Unfall geschieht, schaden Drogenkonsumenten sich und anderen am Arbeitsplatz“, sagt auch Dr. Frank Mußhoff vom Institut für Rechtsmedizin an der Uni Bonn: „Ihre geringere Produktivität schadet der Firma, Arbeits-Ausfall der Volkswirtschaft. „
Mußhoff erhält nur gelegentlich Aufträge von Firmen: „In Deutschland sind die Tests erst im Kommen. In den USA dagegen sind ,Workplace Drug Tests’ ein riesiger Markt.“ Allein die Firma Quest Diagnostics führt nach eigenen Angaben jährlich Millionen Tests durch. Die Kundenliste des Konkurrenzunternehmens Psychemedics umfasst USA-weit 1700 Behörden und Firmen. Das Geschäft wird auf jährlich rund 1 Mrd. Dollar Umsatz geschätzt.
„Auch bei uns gehen mehr und mehr Betriebe aller Größen zu Drogentests über“, sagt Prof. Gerold Kauert. Der Leiter des Frankfurter Instituts für Toxikologie ist der deutsche Vertreter in der European Workplace Drug Testing Society (EWDTS). Er sagt: „Das Drogenproblem macht am Werkstor nicht Halt. Arbeitnehmer müssen wissen, dass Drogen nicht in eine Gemeinschaft wie die Arbeitswelt hineinpassen. Die Tests haben da präventiven Charakter.“
Dass berauschte Mitarbeiter Probleme verursachen können, bestreitet kaum jemand. Doch die Tests sind höchst problematisch. Der rechtliche Bereich ist „weitgehend Brachland“, urteilt Kauert. „Noch gibt es keine Gerichtsurteile oder juristische Literatur dazu“, bestätigt der Bochumer Arbeitsrechtler Prof. Rolf Wank. „Als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte sind die Tests nur da zulässig, wo es die Art der Arbeit erfordert, aus Sicherheitsgründen etwa. Nur: Bislang ist dieser Bereich nicht genau definiert.“
Der Betriebsrat muss über die Tests informiert werden. Niemandem darf ein Nachteil entstehen, wenn er eine Überprüfung ablehnt. Doch Personalchefs bestätigen hinter vorgehaltener Hand: Bewerber, die den Test verweigern, haben keine Chance auf den Job.
Auch über den Ablauf der Tests herrscht Uneinigkeit. Kauert: „Tests und Auswertung müssen vereinheitlicht werden. Die EWDTS arbeitet daran, Grenzwerte festzulegen, ab wann jemand denn ,positiv’ ist.“
Selten bleiben Drogen-Spuren unentdeckt. Aber: „Bislang fällt man noch Stunden nach dem Genuss eines Mohnbrötchens als opiat-positiv auf“, sagt Kauert. Er fordert darum, die Urintests beim Betriebsarzt durch eine Gegenprobe abzusichern.
Einige Firmen schicken nur auffällig gewordene Mitarbeiter zum Betriebsarzt, andere testen routinemäßig alle mit Fahr- und Steuertätigkeiten Beschäftigten. Vor allem aber werden Bewerber überprüft. Das DaimlerChrysler-Werk Düsseldorf etwa lässt „auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung seit Mai 2000 alle Neuen bei Einstellung testen“, bestätigt Dr. Peter Karkowski, der ärztliche Leiter: „Der Urintest zeigt binnen einer Viertelstunde, wer Drogen genommen hat.“ Anfangs seien bis zu 10 % positiv gewesen, nun weniger. Die Unfallzahlen sind nach Karkowskis Angaben aber nicht gesunken.Und: Auch mit der Gleichbehandlung ist es nicht weit her. Obwohl DaimlerChrysler ausdrücklich „alle“ testen will, hat Karkowski bisher keinen einzigen Manager zum Wasserlassen gebeten.
Ein weiteres Gerechtigkeitsproblem gibt es bei den getesteten Substanzen: Ein Mitarbeiter, bei dem der Wochenend-Joint zwar Spuren im Haar, aber nicht im Bewusstsein hinterlassen hat, fragt sich, warum er schlechter gestellt sein soll als sein Kollege, der am Samstag gezecht hat. Bei anderen Drogen ist die Sache klarer. Beispiel Ecstasy: „Eine Pille kann vier Tage lang die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen“, so Kauert.
In den USA hat man mittlerweile ein anderes Problem. Erste Firmen bieten Mittel an, die Drogentests verfälschen sollen. So wird im Internet (kaum wirksames) Spezialshampoo angeboten – für 29,95 Dollar. PATRICK BIERTHER
Urinprobe für den Drogentest: In den USA sind „Workplace Drug Tests“ ein Milliardenmarkt. Auch in Deutschland gehen die Unternehmen vermehrt dazu über, ihre Mitarbeiter auf Drogenkonsum zu überprüfen – vor allem bei Neueinstellungen. Doch der rechtliche Rahmen ist unklar. Bisher ist nicht genau definiert, wann die Tests zulässig sind. Foto: action press

Test-Methoden

Den Drogen auf der Spur

Getestet wird auf Cannabis-Produkte (Haschisch, Marihuana), Opiate (Heroin), Kokain, Amphetamine und synthetische Drogen wie Ecstasy. LSD ist dagegen schlecht nachweisbar.
Preiswerte Urintests machen mehr als 90 % aller Proben aus. Im Urin sind noch zwei bis drei Tage nach dem Konsum Abbauprodukte nachweisbar, die Drogenkonsum belegen; Cannabis-Konsum kann noch nach Wochen nachgewiesen werden. Das Risiko der Manipulation durch die Testperson ist hoch: Urinproben können vertauscht oder durch Zusätze verfälscht werden.
Durch Haartests können sämtliche Drogen und viele Arzneien noch nach Monaten nachgewiesen werden. Spuren lagern sich in jedem Haar ab. Ein bleistiftdickes Büschel Haare, an beliebiger Körperstelle direkt über der Haut abgeschnitten, genügt. Gute Labors können den Zeitpunkt des Drogenkonsums bis auf eine Woche genau eingrenzen. Einmaliger Konsum ist so allerdings nicht sicher nachweisbar.
Blutanalysen werden in Deutschland kaum vorgenommen. Der Toxikologe Dr. Frank Mußhoff: „Sie belasten die Testperson und bringen wenig: Spuren von Drogen sind nur wenige Stunden lang nachweisbar. Blutproben werden entnommen, um einen aktuellen Rausch nachzuweisen.“ pat

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