Gesundheit

Angst vor der Vogelgrippe erreicht die Führungsetagen  

VDI nachrichten, Hongkong, 20. 1. 06, cha – Die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch. Noch überträgt sich das Virus nur vom Tier auf den Menschen. Doch das kann sich ändern. Für Unternehmen ist eine drohende Pandemie eine Herausforderung. Krisenmanagement ist gefragt. In Hongkong sind Firmen durch die Sars-Epidemie besonders sensibilisiert.

Noch gut erinnert sich Ivo Hahn an die Tage der Sars-Epidemie vor drei Jahren. „Ich flog von Hongkong nach Zürich und hatte rund 15 Termine auf meinem Kalender“, erzählt der CEO des Personal-Consultingspezialisten Xecutive. „Mit einem Mal sagte einer nach dem anderen ab. Das sei absolut nichts Persönliches, hieß es jedes Mal. Auch der Hinweis, dass ich bereits seit mehreren Tagen in der Stadt sei und mich pudelwohl fühle, änderte nichts.“ Hahn glaubt, dass dies ein Vorgeschmack auf das ist, was auf die Businesswelt zukommt, wenn es mit der Vogelgrippe ernst wird. „Die Kontaktvermeidung wird zur Manie und eine Unzahl von Branchen und Firmen, die auf persönliche Kontakte angewiesen sind, gehen in die Knie. Das reicht von den Airlines, dem Tourismus und der Logistik bis zu unserem Geschäft, in dem um persönliche Gespräche mit Job-Kandidaten einfach “nicht herumzukommen ist““, sagt Hahn.

Seit dem Ende des WTO-Ministertreffens ist das Thema Vogelgrippe unbestrittener Star der Gespräche in der fernöstlichen Finanz- und Handelsmetropole und das vor allem im Kreis der Manager von Geschäften jeder Art. Seit der Sars-Krise wurden ansehnliche Epidemie-Erfahrungen zusammengetragen, nun versuchen sie herauszufinden, was für eine länger dauernde Pandemie taugen könnte und was nicht. Die von Handelskammern und Konsulaten organisierten Informationsmeetings sind ausgebucht. „Im Wesentlichen greifen wir wohl wieder zu der damals genutzten Verteidigungsstrategie mit Doppelteams in operationell wichtigen Bereichen sowie weitgehender Vermeidung persönlicher Kontakte“, meint Mark Panday, der Sprecher der UBS in Hongkong. „Wenn eines der zwei Teams wegen einer Infektion in eine Isolierstation gebracht werden muss, funktioniert immer noch das zweite. Zudem wird wenig oder nicht gereist und auch bei den Meetings wird zurückgefahren. „

Ähnlich sieht das Krisenmanagement anderer Akteure der Finanzwirtschaft wie der Deutschen Bank, HSBC oder Goldman Sachs, aber auch der Siemens AG aus. „Im Fall des Falles können wir einen guten Teil unserer Arbeit vom Gruppensitz im Stadtteil Wanchai zu einem unserer Betriebe in den New Territories verlegen“, versichert Stephan Schneider, der Finanzdirektor von Siemens in Hongkong. „Zudem verfügen wir seit Sars über eine IT-Architektur, die es sehr vielen Mitarbeitern – mich eingeschlossen – ermöglicht, recht effizient von zu Hause aus zu arbeiten.“ Yves Gabriel schüttelt den Kopf. „Bei uns funktioniert das nicht“, befindet der CEO der französischen Bouygues Construction, die an mehreren großen Projekten in der Region arbeitet. „Hausarbeit oder Doppelteams zur Kontaktminderung sind im Baugewerbe eine Illusion.“

Auch in der Logistikbranche sowie im produzierenden oder auch dem Hotelgewerbe sind die Dinge nicht so einfach. „Was kann getan werden, wenn ein Teil des Personals aus Angst, sich anzustecken, zu Hause bleibt?“, fragt Franz Donhauser, General Manager des Luxushotels Shangri-La. Er und andere Firmen praktizieren im Fall des Falles „Krisenmanagement auf Sichtweite“ und setzen vor allem auf gute und schnelle Information aus den Konsulaten wie den Medien. Weniger Vertrauen haben sie in die Erklärungen und Ratschläge, die aus China kommen. Gary Fok, Direktor des Verpackungsmaschinenherstellers Bobst: „Weil schnell gehandelt werden muss, brauchen wir rasch verlässliche Informationsquellen und die sollten besser bereits heute festgelegt werden.“

E-Government, so weit wie es praktikabel ist, heißt das Rezept. Das soll persönliche Kontakte und Gänge auf ein Minimum reduzieren. Die Schulen verfügen über Pläne für nicht zu kompliziertes Distance-Learning, wenn sie geschlossen werden müssen. An den Grenzübergangsstellen wird bereits die Temperatur aller Reisenden per Infrarotgerät gemessen. Sind es mehr als 38° C und kommen weitere Indizien für eine Grippeerkrankung hinzu, öffnet sich die Türe zur Isolierstation – auch für reisende Firmenchefs. Gesundheitsminister York Chow deutete die Möglichkeit an, den grenzüberschreitenden Verkehr völlig zu stoppen, wenn es zu einer Pandemie kommt. Und auch die luftumwälzenden Klimaanlagen in den Wolkenkratzern und anderen Gebäuden der fernöstlichen Finanz- und Handelsmetropole sind den Verantwortlichen ein Dorn im Auge.

Auch die großen Gruppen, die über einen Krisenmanagementplan verfügen, setzen auf eine verlässliche offizielle Informationshilfe. Panday: „Wir bringen weitestgehend die Empfehlungen der Gesundheitsministerien in Bern und hier ein.“ Die Handelskammern haben ihre Kommunikationskanäle vorbereitet und die Konsulate ebenfalls. „Das läuft interaktiv, wir aktualisieren unsere Website rund um die Uhr“, versichert der Schweizer Generalkonsul Francois Barras. Gleiches vermeldet sein deutscher Kollege Frank Burbach. Sie alle aber wissen, dass im Fall des Falles ernster Schaden nicht verhindert, sondern bestenfalls vermindert werden kann. Dion Wiggins, der stellvertretende Direktor der Gartner Group in Hongkong, meint mit Verweis auf eine hauseigene Studie, dass mehr als 90 % der Unternehmen weltweit weitgehend ohne Vorbereitung mit einer Pandemie zusammenprallen. Yves Gabriel stimmt zu. „Um ehrlich zu sein, für dieses Problem habe ich schlicht und einfach keine Antwort“, meint er fatalistisch. „Wenn es so weit ist, werden wir eben so gut es geht manövrieren.“ JAN HOEHN

Schaden wird bestenfalls vermindert

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