Gesundheit

Am Ende steht der „elektrische Stuhl“

Da Büromenschen sich immer weniger bewegen, gehen Hersteller dazu über, ihre Stühle mit Elektronik zu gezielten Schwingungen und Rotationen zu bringen.

Der Mensch, so befand der dänische Chirurg Age C. Mandal schon 1976, mutiert vom homo sapiens zum homo sedens. Ein Mensch im Alter von 72 Jahren hat 38 Jahre sitzend verbracht.
Das ist kein dänisches, sondern ein internationales Phänomen. Jeder zweite Bundesbürger etwa arbeitet heute im Büro. Angesichts der steigenden Zahl an Call-Center- und Telearbeitsplätzen wird es in naher Zukunft eher mehr Sitz- als Stehplätze im Job geben. Nicht ohne Folgen: Nach einer Umfrage, die der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) durchführte, litten 1999 mehr als 30 Mio. Menschen unter Rückenschmerzen, was zu etwa 70 Mio. Krankheitstagen pro Jahr führt. Und zu einer Belastung der Krankenkassen um jährlich 20 Mrd. bis 30 Mrd. DM.
Außerdem leiden etwa 80 % aller Bürotäter, die mehrere Stunden vor dem Computer verbringen, zusätzlich unter Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Sehnenentzündungen.
So wenig neu wie diese Erkenntnisse sind die Bemühungen, diesem Problem zu begegnen. Anfang der 70er Jahre z.B. wurde das so genannte dynamische Sitzen entwickelt. Stühle mit verstellbaren Rückenlehnen und Sitzflächen, mit flexiblen Armlehnen und leicht einstellbaren Ergonomie-Features, höhenverstellbare Tische und Sitz-Steh-Arbeitsplätze. Ganz abgesehen von zahlreichen Aufrufen, die verkrampfte Sitzerei spätestens alle 60 Minuten mit Dehn- und Streckübungen zu unterbrechen oder während der konzentrierten Arbeit am Bildschirm auf einem überdimensionalen, bunten Krankenkassenball herumzurollen.
Trotz aller Ansätze sind viele Büroarbeitsplätze immer noch nicht mit ergonomischen Sitzplätzen ausgestattet. Eine Befragung des Deutschen Büromöbel Forums bei 500 Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen hat ergeben, dass etwa ein Drittel aller Büroarbeitsplätze in Deutschland mehr oder weniger große Mängel aufweist.
Am fehlenden Angebot kann es ja nicht liegen. Da sich aber offensichtlich sitzende Menschen aus zahllosen Gründen eben doch nicht, oder wenn falsch bewegen, verzichtet die jüngste Bürostuhl-Generation auf diese Form der Eigeninitiative des Besetzers und lässt bewegen.
Zwei Beispiele: Die Produktentwickler des Unternehmens Dauphin, das in Offenhausen bei Nürnberg seine Büromöbel herstellt, setzen auf aktives Sitzen. Mit „Pearl Swing“ haben sie im Oktober einen Impulsgeber für Wellness- und Konditionierungseffekte präsentiert. Dahinter steckt eine sogenannte Dreivektorenschwingung, die von Massageliegen bei medizinischen Anwendungen bekannt ist. Sie wirkt von außen auf den Körper des statisch sitzenden Menschen ein und löst dort Aktionsprogramme aus. Diese dreidimensionale Schwingungsbehandlung beeinflusst und kontrolliert die vegetativen Funktionen, lindert Beschwerden und reguliert den gesamten Organismus.
Auf den Büromenschen, der auf einem mit „Pearl Swing“ ausgestatteten Stuhl sitzt, soll die Technik wie ein erfrischender Wasserfall wirken, der auf den Rücken herunterprasselt. Die Methode ist wissenschaftlich überprüft, von zahlreichen Fachärzten als Heil- und Hilfsmittel anerkannt und patentiert. Nicht nur die Methode, sondern den gesamten Stuhl wollen sich die Erfinder von mikromotiv als Heil- und Hilfsmittel anerkennen lassen.
Ende Mai 2000 stellte der Mindener Büromöbelhersteller Drabert eine Weltneuheit vor, einen Bürodrehstuhl, der das dynamische Sitzen mit dem Rotationsprinzip perfektioniert. Mikromotiv heißt dieses patentgeschützte System, das von dem holländischen Orthopäden Dr. Leo von Deursen und seinem Sohn Dirk, einem Maschinenbauingenieur, maßgeblich entwickelt wurde. Ein kleiner Akku-betriebener Motor, nicht größer als eine Zigarettenschachtel, lässt die Sitzfläche des Stuhls nur ganz leicht rotieren.
Nur wer genau hinfühlt, merkt das leichte Kribbeln, das auf den Lendenwirbelbereich ausstrahlt und wohltuend und entspannend wie eine Massage wirkt. Die Wirbelsäule wird entlastet, Rücken und Nacken entspannen sich. Acht Stunden, einen Bürotag lang. Dann muss der Akku gewechselt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen brachten ein weiteres wichtiges Resultat: Mikrorotationen begünstigen die Durchblutung der Beine. Dadurch verringert sich das Risiko einer Thrombose, die meistens durch längeres Sitzen hervorgerufen wird. Schon zeigt sich die Automobil- und Luftfahrtindustrie daran interessiert. Und vielleicht gibt es den elektronisch gesteuerten Bürostuhl demnächst ja auch auf Rezept geben.
Der Preis für diese Hightech-Sitzmöbel liegt bei rund 4000 DM. Zu teuer? Mitnichten: Ein Mitarbeiter verursacht monatlich etwa 9000 DM Kosten, Gehalt plus Nebenkosten, die der Arbeitgeber zahlen muss. Hält der 4000-DM-Stuhl nun zehn Jahre, wobei seine Lebensdauer durchaus darüber liegen kann, betragen die Kosten pro Monat 33,33 DM. Damit machen diese Aufwendungen nur 0,37 % der monatlichen Personalkosten aus.
Vor allem jedoch senken ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze die Kosten eines Unternehmens, weil sie dazu beitragen, die durch Krankheiten bedingten Ausfalltage zu reduzieren. Das Deutsche Büromöbel Forum hat ausgerechnet, dass sich die Mehrkosten für den „gesunden“ Arbeitsplatz bereits amortisieren, wenn der Mitarbeiter nur vier Tage weniger krank ist. SABINE WIERMANN
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