Seniorentechnik

Altersgerechte Technik zahlt sich aus  

Der demografische Wandel geht mit einer Kostenexplosion im Gesundheitssystem einher. Intelligente Assistenzsysteme können helfen, Geld zu sparen. VDI nachrichten, berlin, 30. 1. 09, ber

Rund 64 000 $ pro Jahr kostet in den USA die Unterbringung eines Alzheimerpatienten in einem Heim. Die Pflege zu Hause schlägt dagegen mit nur 20 000 $ zu Buche. Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet heißt das, dass das Gesundheitssystem 3 Mio. € pro Jahr einsparen könnte, wenn nur jeder zehnte Alzheimerpatient ein Jahr länger in den eigenen vier Wänden leben könnte.

Diese Rechnung machte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, am 27. Januar auf dem 2. Deutschen AAL-Kongress in Berlin auf. AAL – Ambient Assisted Living – steht für technische Unterstützungssysteme, die vor allem älteren Menschen helfen sollen, ihren Alltag selbstständig zu meistern.

Verheißungsvoll klingt die Entwicklung einer „automatischen Medizinbox“, einer mit Funkchips ausgestatteten Blisterpackung, die den Patienten daran erinnert, seine Tabletten rechtzeitig einzunehmen.

Ein „intelligenter Schuh“ befindet sich ebenfalls in Arbeit: eine Schuheinlage, die das Gangbild sensorisch erfasst und den Träger warnt, wenn er sich beispielsweise einer Stolperfalle in seiner Wohnung nähert. Immerhin ziehen sich in Deutschland jedes Jahr rund 135 000 Menschen über 65 Jahre einen Oberschenkelhalsbruch zu. Viele der Betroffenen sind für lange Zeit auf Pflege angewiesen, manche kommen gar nicht mehr auf die Beine und sind zur Bettlägerigkeit verurteilt.

Neben solchen isolierten Anwendungen bezieht sich Ambient Assisted Living stark auf das Wohnumfeld. Das heißt etwa, dass sich der Herd automatisch nach zwei Stunden abschaltet und gleichzeitig eine SMS an den Pflegedienst verschickt. Oder dass in den Wänden und im Teppich Sensoren eingebaut sind, die Erschütterungen wahrnehmen können. Stürzt der Patient, wird der Pflegedienst alarmiert.

Eventuell springt in diesem Moment auch eine Videokamera an, so dass man sich von außen ein Bild von der Situation in der Wohnung verschaffen kann. Die Sensoren sind darüber hinaus in der Lage, das Verhalten der Bewohner zu speichern und Tätigkeitsmuster daraus abzuleiten. Gibt es Abweichungen, werden Pfleger oder Angehörige informiert.

Das Ganze wäre noch nicht einmal besonders teuer: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz hat gerade in Bremen eine Testwohnung eingerichtet, deren AAL-Ausstattung zwischen 10 000 € und 20 000 € gekostet hat. Gemessen an den 30 000 €, die für einen Treppenlift berappt werden müssen, ist das relativ moderat.

Wichtig ist, dass eine Wohnung schrittweise nach den jeweiligen Bedürfnissen ihres Bewohners aufgerüstet werden kann, betonte Wolfgang Wahlster, Leiter des Forschungszentrums: „Ein 55-Jähriger will noch keinen Sensor, der ihn an den Toilettengang erinnert.“

Hans Heinz Zimmer, Vorstandsvorsitzender des VDE, führte aus, dass die Krankenkassen mit ins Boot geholt werden sollen. Die sollen zumindest das bezahlen, was medizinisch notwendig ist, beispielsweise den AAL-Blister. „Wir müssen ihnen vorrechnen, dass es sich lohnt, dann werden sie sich an den Kosten beteiligen“, ist auch Rachel überzeugt. JANA EHRHARDT/ber

Von Jana Ehrhardt/Bettina Reckter

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