Arbeiten 4.0

Wie die Digitalisierung die Arbeitswelt von Ingenieuren verändert

Die Digitalisierung fordert Ingenieurinnen und Ingenieure heraus – weil sie Neues schafft und Altes obsolet macht. Branchen wie die Fahrzeug- und Elektrotechnik erfahren ganz neue Ausprägungen. Worauf es in der digitalen Welt für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure ankommt, erklärt Don Wu von der IABG.

Digitales Arbeiten. Ein Mann steht mit Laptop in der Hand im Raum, dahinter eine industrieroboter

Foto: panthermedia.ne/Gorodenkoff

Herr Dr. Wu, wen suchen die Unternehmen – IABG eingeschlossen – derzeit? Und welche Branchen suchen besonders?

Unternehmen suchen weniger ‚nur‘ den Maschinenbauer oder Elektrotechniker, sondern diejenigen, die mit den großen Themen wie Machine Learning, Big Data und Digital Twins im Sinne von Predictive Maintenance vertraut sind beziehungsweise sich in diese Themen gut einarbeiten können. Informatik-Ingenieure haben hier einen gewissen Vorsprung. Jedoch lernen auch sie im Studium nicht den Umgang mit großen Datenmengen, wie es in der Praxis geschieht. Hier ist also Learning by doing gefragt.

Zur Person
Don Wu wurde in Hong Kong geboren, studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen und promovierte am Imperial College London im Fachgebiet Aeronautics. Heute ist er als Ressortleiter im Geschäftsbereich Tests und Analysen der IABG unter anderem für die Themenfelder Methodenentwicklung, Simulation, Virtualisierung sowie Material- und Schadensanalysen verantwortlich.

Und was ist mit all jenen, die keine Informatik-Ingenieure sind?

Ingenieure aller Fachrichtungen werden natürlich weiterhin gesucht, zum Beispiel in der Automobil- und Luftfahrtindustrie. Denn nur mit dem nötigen fundierten Wissen kann man die Zusammenhänge erkennen und Lösungsansätze für technische Herausforderungen entwickeln.

Braucht die Industrie durch die Digitalisierung also verstärkt IT-Know-how, aber gleichermaßen Ingenieurwissen?

In der Tat, wir brauchen die Kombination aus allen Fachbereichen. Zum Beispiel weiß ein Informatik-Ingenieur, wie ein neuronales Netz aufgebaut wird und wie die Algorithmen für maschinelles Lernen funktionieren und die Optimierungsfunktionen dort aussehen. Aber in der Regel fehlt ihm das Verständnis, was ein Riss im Bauteil bedeutet und wie man einen solchen Riss erkennt – bevor er auftritt. Auch wird ein Informatik-Ingenieur wahrscheinlich nicht wissen, wie Sensoren genau funktionieren, die diese Daten überhaupt erst liefern.

Der Maschinenbauer wiederum, der diese Kenntnisse mitbringt, weiß vermutlich nicht, wie man abstrahiert, um eine Maschine lernen zu lassen, wie so ein Riss überhaupt entsteht. So schafft am Ende die Kombination aus verschiedenen Disziplinen den Mehrwert.

Also sind auch Ingenieure ohne profundes IT-Wissen weiterhin gefragt?

Natürlich. Für Berufsanfänger ist es jedoch entscheidend, dass sie ihr eigenes Know-how mit neuem Wissen so kombinieren können, dass daraus etwas
Größeres geschaffen wird. Dieses im Bewerbungsgespräch zu demonstrieren, ist wesentlich. Das galt im Ingenieurbereich übrigens schon immer: Noch nie konnten sich Ingenieure auf dem Wissen ausruhen, das sie sich im Studium angeeignet hatten. Und heute gilt einmal mehr, Erlerntes stets um neue Aspekte zu ergänzen, die aktuell oder zukünftig relevant sind.

Inwiefern hat die Digitalisierung Einfluss auf die Soft Skills?

Was die Soft Skills betrifft, so hat sich grundsätzlich – unabhängig von der Digitalisierung – einiges verändert. Denn die frühere Arbeitswelt war sehr von Koryphäen, sprich von Experten in verschiedenen Fachgebieten geprägt, die zum Teil ihre unumstößliche Meinung hatten. Im Gegensatz dazu steht heute die Kooperation im Vordergrund und damit die Einsicht anzuerkennen, selbst nicht alles wissen zu können. Und dass man Kollegen braucht, die die nötigen  zusätzlichen Fähigkeiten mitbringen. Denn erst dann ist es möglich, gemeinsam aus verschiedenen Welten eine Kombination zu schaffen, woraus der Mehrwert entsteht. Diese Art der Wertschätzung gehört heute unbedingt dazu, wenn es um die Integration von neuen Technologien und Wissensfeldern geht.

Welche Chancen ergeben sich für Ingenieurinnen und Ingenieure, die in den Beruf einsteigen, durch die Digitalisierung?

Für Berufsanfänger ergeben sich zum Teil neue Chancen, da es zu vielen Schnittstellen mit anderen Disziplinen kommt. Ein Beispiel: Neben den Spezialisierungen im Maschinenbau – wie zum Beispiel Fahrzeugtechnik, Verfahrenstechnik sowie Luft- und Raumfahrttechnik – ergeben sich durch die Kombination mit IT gänzlich neue Möglichkeiten und Themen, wie etwa Machine Learning. Hier ist durch die Digitalisierung eine große Auswahl an Kombinationsmöglichkeiten – je nach Interessen, Fähigkeiten und Neigungen – entstanden, die es so früher nicht gab.

Dabei gilt: Je spezieller die Ausprägungen werden, desto mehr Auswahl haben Ingenieure, um das Richtige für sich zu finden. Hier bietet beispielsweise die IABG mit ihren über 100 offenen Stellen hervorragende Möglichkeiten. Gleichzeitig kommt Generalisten im Rahmen der Digitalisierung eine ganz andere Bedeutung
zu, weil sie die Rolle des ‚Zusammenführers‘ übernehmen und die verschiedenen Fähigkeiten miteinander vereinen können.

Welchen Tipp hinsichtlich des Bewerbungsverfahrens geben Sie Berufsanfängern mit auf den Weg?

Lernwillig, offen und neugierig zu sein. Zudem sollte man den nötigen Eigenantrieb mitbringen, um neue Themen zu verstehen, zu durchdringen und sich in diese einzuarbeiten. Für Berufsanfänger ist es daher wichtig, bei der Bewerbung jene Praktika und Erfahrungen herauszustellen, die auf die in der Stellenausschreibung geforderten Qualifikationen passen. Und: Als Ingenieur kann man gar nicht neugierig genug auf neue Themen sein. Hier punktet derjenige, der für Innovationen brennt und diese Leidenschaft im Bewerbungsgespräch vermitteln kann.

 

Dieses Interview erschien im aktuellen VDI-Karriereführer.

VDI-Karrierefuehrer2019

Lesen Sie auch: Wie Hochschulen Ingenieure auf die digitale Transformation vorbereiten müssen

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