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Entscheidungsexpertin sieht Mängel beim Corona-Management der Bundesregierung

Entscheidungsexpertin Johanna Dahm sagt im ingenieur.de-Podcast Prototyp: Mehr Klarheit und Konsequenz in der Corona-Pandemie hätten der Bundesregierung gut gestanden.

Das Corona-Management der Bundesregierung sei ein "anspruchsvoller Job" und eine "OP am offenen Herzen", sagt Entscheidungsexpertin Johanna Dahm. Doch: Grundregeln der Entscheidungsfindung hätten helfen können. Foto: panthermedia.net/travelwitness

Das Corona-Management der Bundesregierung sei ein "anspruchsvoller Job" und eine "OP am offenen Herzen", sagt Entscheidungsexpertin Johanna Dahm. Doch: Grundregeln der Entscheidungsfindung hätten helfen können.

Foto: panthermedia.net/travelwitness

Entscheiden ist nicht einfach –  doch „die größte Fehlentscheidung ist, sich nicht zu entscheiden“, sagt Johanna Dahm. Die Managementberaterin, Keynote-Speakerin und Buchautorin hat sich mit ihrer Beratungsgesellschaft auf die Unterstützung von Entscheidern spezialisiert. Die Angst vor Entscheidungen, die viele Menschen haben, habe auch mit Verlustangst zu tun, so Dahm – der Angst, eine Option endgültig auszuschließen: „Menschen hadern mit Entscheidungen, weil sie einerseits die Breite an Möglichkeiten sehen, andererseits nicht mehr wissen, nach welchen Kriterien sie sich richten sollen. Die nennt man in der Verhaltenspsychologie auch die „Fomos“, die Fear of missing out people. Dann gibt es noch die Rosinenpicker, die immer noch einen weiteren Weg suchen, auf dem es klappen könnte. Vor lauter Warten auf die beste Option laufen sie Gefahr, die geeignete Entscheidung zu verpassen.“

Auch eine zu starke Fokussierung auf Bedenken und mögliche Risiken könne bei einer guten Entscheidungsfindung hinderlich sein, so Dahm, die ein ähnliches Verhalten im Corona-Management der Bundesregierung beobachtet: „Beispiel Corona-App: Warum hat man nicht einen Thinktank mit 100 begabten Programmierern und Experten gestartet, die alle Aspekte zu Datenschutz und Risiko mit bedenken und innerhalb einer bestimmten Frist eine Corona-App kreieren?“

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Corona ist OP am offenen Herzen: „Ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken“

Der Job der Regierung sei ein überaus anspruchsvoller und „ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken“, so die Expertin. Aber sie könne die Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung nachvollziehen. „Grundregeln der Entscheidungsfindung sind zum Teil sicher unterlassen worden, die nicht nur beim Management einer Pandemie, sondern aller großen Risiken helfen. In High Risk Organisations, also zum Beispiel in Kernkraftwerken, gibt es einen wichtigen Grundsatz: Klarheit und Konsequenz in allumfassenden Verhaltensregeln. Meines Erachtens hat man das zu Beginn der Pandemie versäumt.“ In einem föderalistischen Staat sei das „natürlich nicht ganz einfach“. Aber: „Ich hätte mir ein klares Statement und verschärfte Maßnahmen zu Beginn gewünscht, damit wir alle in Deutschland kristallklar wissen, wie wir uns zu verhalten haben. Aber noch einmal: Es handelt sich um eine OP am offenen Herzen, für die niemand gerne Verantwortung übernimmt. Und hinterher ist man immer schlauer.“

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Expertin: Bessere Entscheidungen durch Verknappung

Es gebe durchaus Methoden, mit denen Menschen lernen könnten, klarere Entscheidungen zu treffen und das Hadern aufzugeben – das sei auch für Unternehmen und Mitarbeitende in Führungspositionen unerlässlich. „Studien belegen, dass wir durch Entscheidungszeitverknappung auf die gleichen oder sogar besseren Ergebnisse bei Entscheidungen kommen als wenn wir uns Zeit lassen. Das wäre mein erster Tipp: ein Drittel der Zeit reicht. Nimm dir den Zeitrahmen von Montag bis Sonntag, verknappe, dann hast du Dienstagabend die richtige Entscheidung getroffen.“

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Das vollständige Gespräch mit Johanna Dahm können Sie im Karriere-Podcast „Prototyp“ von ingenieur.de und VDI nachrichten hören.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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